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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
24 
Der Verkehr zum Neutor wird einst auch die Abtragung 
eines der mit Gemälderesten geschmückten Felder derRÜck- 
wand der Pferdeschwemme am Sigmundplatze erfordernd 
So bedauerlich auch jeder solche Eingriff in ein Kunstwerk 
bleibt, so kann im vorliegenden Falle doch nicht Über 
sehen werden, daß an dieser Stelle der dekorierten Wand 
schon früher einmal zwei Felder aus Verkehrsrücksichten 
BEBAUUNGSPLAN FÜR 
(Oedenburg in Ungarn). 
allen mußten, daß also die Symmetrie und Einheit dieses 
Kunstwerkes schon lange nicht mehr bestehen. Den Gut 
achtern will es daher, so konservativ sie alten Kunst 
werken gegenüber auch fühlen, unwesentlich erscheinen, 
wenn künftig einmal noch ein drittes Wandfeld dem Ver 
kehre zum Opfer fallen muß. 
(Fortsetzung folgt in Heft 3). 
SOPRON. Hierzu Doppeltafel 12/13. 
Von JOSEF WÄLDER, städtischer Oberingenieur in Oedenburg. 
Allgemeines. 
Die königliche Freistadt Sopron mit selbständigem Muni- 
zipium hat 35 000 Einwohner und ist Sitz des Komitates 
Sopron, das sieben Kreise mit rund 300 000 Köpfen zählt. 
Der städtische Boden hat eine Ausdehnung von 13348 ha, 
wovon 6232 ha Wald, 3480 ha Ackerland, 712 ha Wein 
gärten, 208 ha Obstgärten, 702 ha Wiesen, 456 ha Weiden 
sind und 818 ha Neusiedler Seegebiet bilden, während 
233 ha zum Weichbilde der Stadt, 142 ha aber zu den, 
nur im Sommer bewohnten Landhausgebieten (Löwern 
genannt) gehören. 
Die Stadt hat eine landschaftlich sehr schöne Lage, 
ist von waldigem Gebirge umgeben und liegt am unteren 
Ende des Soproner Beckens, das von Westen gegen Osten 
offen liegt und hier seinen Ausgang gegen die Raabau, 
die kleine Tiefebene Ungarns hat. Zwei Bäche durch 
queren das Stadtgebiet und fließen der Raab zu. Die Wal 
dungen rücken von Nordwesten und Osten bis zur Stadt 
heran, während sie sich im Süden von den Löwern bis 
zur österreichischen Grenze hinziehen, wo sie sich dem 
Wiener Walde anschließen. Die bebaute Stadt liegt durch 
schnittlich 212 m ü. Adriat. Meer, während die Löwer sich 
bis 313 m, die nächsten Gipfel des städtischen Waldes aber 
bis zur Höhe von 396—547 m ü. A.M, erheben. 
Die Stadt wird durch die ungarische Südbahn und 
durch die Györ-Sopron-Ebenfurther Bahn durchschnitten, 
deren jede je einen Personen- und Frachtbahnhof besitzen. 
Sopron ist eine alte Kulturstätte. Schon unter den 
Römern ein Munizipium unter dem Namen Scarabantia, 
wurde es in der Zeit der Völkerwanderung zweimal ver 
wüstet und wahrscheinlich erst zur Zeit Kaiser Karls des 
Großen wieder bevölkert (Oedenburg). Es besitzt viele 
Baudenkmale, darunter den für Sopron bedeutungsvollen 
schönen Stadtturm, den gotischen Dom zu St. Michael, die 
gotische Kirche der Benediktiner, dann die gotische Kirche 
des früheren Johanniter-Ritterordens und noch sechs an 
dere Kirchen, drei Kapellen und viele alte Magnaten- und 
Patrizierhäuser aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert. 
Die Bevölkerung befaßt sich mit Wein- und Ackerbau, 
Handel und Industrie. Die Fabrikindustrie ist erst im 
Werden begriffen; ältere Fabriken sind 14, neuere 8 vor 
handen, welche im Ganzen beiläufig 1200 Menschen be 
schäftigen. In der Stadt liegen 2850 Soldaten. 
Das Gebiet des Bebauungsplanes beträgt 1234 ha, der 
Bebauung sollen also 849 ha frischer Boden zugeführt wer 
den. Nachdem heute auf ein Hektar bebautes Land 
168 Köpfe fallen, so könnte, nur dieselbe Dichtigkeit vor 
ausgesetzt, die im Bebauungsplan aufgenommene Fläche 
für beiläufig 185000 Einwohner genügen. 
Straßen und Plätze. 
Das ganze Bauland wurde in Bezirke eingeteilt und 
für jeden Bezirk wurde, um einen Hauptplatz oder um 
eine Platzgruppe herum liegend, ein Mittelpunkt geschaffen, 
in dem die Hauptverkehrsadern zusammenlaufen, wo der 
Sitz des Handels und der Verwaltung ist und wo auch 
Schulen, Kirchen und andere öffentliche Gebäude errichtet 
werden sollen. 
Diese Bezirksmittelpunkte sind mit dem inneren Ringe 
der Altstadt und untereinander in kürzeste Verbindung 
gebracht, soweit dies unter Berücksichtigung der Ober 
flächengestaltung und der Eisenbahnen möglich war. Die 
Blockunterteilungen wurden in den äußeren Teilen des 
Bebauungsplanes nur punktiert angegeben und die end- 
giltige Führung dieser Nebengassen einer späteren Zukunft 
Vorbehalten. 
Beim Entwerfen sämtlicher Straßen und Plätze wurden 
nicht nur die Bedingnisse des sicheren und angenehmen 
Verkehrs vor Augen gehalten und die Besitzgrenzen be 
achtet, damit Umlegungen vermieden werden, sondern es 
wurde in hohem Maße darnach gestrebt, daß jeder Platz 
und jede Straße ihre Eigenart besitze und daß dem Bau 
künstler die Möglichkeit geboten werde, ein schönes Straßen 
bild zu schaffen. 
Als größte Steigung der Verkehrstraßen wurden 5 % 
(1 :20) eingehalten und sind die Straßen der Bodenober 
fläche und dem zu erwartenden Verkehr angepaßt, so, daß 
sich natürliche und deshalb schöne Stadtbilder entwickeln 
können. 
Das Längenbild der Straßen ist überall konkav anstei 
gend, dort aber, wo dem menschlichen Auge bemerkbare 
Wasserscheiden das Längenbild durchschnitten hätten, 
würden stärkere Straßenkrümmungen oder Axenverschie- 
bungen eingeschaltet, wodurch wieder jede, einzeln Über 
blickbare Straßenstrecke einbauchend-ansteigend verbleibt 
und erscheint. 
Den einzelnen Straßen wurden architektonische oder 
künstlerische Abschlüsse gegeben und manches Straßen 
bild durch eingebauchte Führung der Straßenwandungen 
(Baulinien) übersichtlicher, daher belebter und wirkungs 
voller gemacht. Gleiche Abstände der Straßenwände wurden 
nicht gesucht, sondern es ergaben sich solche entweder 
durch bereits auf diese Art festgestellte Baulinien oder in 
geringerem Maße durch die örtlichen Verhältnisse.
	        
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