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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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eignet sich zunächst das Straßenstück vom Rathaus- bis 
zum Hagenauer Platze, wo die vorgeschlagene Baulinie die 
Häuser in der Fortsetzung des Rathauses beschneidet; 
dann der Kranzlmarkt, wo die Baulinie hinter die Flucht 
der gegenüber dem Rathause liegenden Häuser gelegt 
wurde. Der Rathausplatz, diese wichtigste Einbruch 
stelle für den Verkehr der linkseitigen Altstadt, erscheint 
im Plane durch Zurückrückung der dem Rathause gegen 
überliegenden Häuser, sowie durch den Umbau des an 
diesem Platze liegenden Straßenzuges des Rathauses er 
weitert. An Stelle des heutigen, durch eine einzige Öff 
nung gebildeten Rathausbogens ist ein dreiteiliger Bogen 
mit einer breiten mittleren Durchfahrt und zwei seitlichen 
Durchgängen angenommen. Die Baulinien in der Um 
gebung des Rathauses wurden mit großer Sorgfalt derart 
gewählt, daß der Rathausturm, ein charakteristisches 
Wahrzeichen der Stadt, das von drei Seiten aus interessante 
Straßenabschlüsse bildet (siehe Abb. 2), und das schöne 
Rathausportal dauernd erhalten bleiben können, worauf 
die Gutachter großes Gewicht legen. 
Die Klampferergasse wäre auf etwa 10 Meter zu 
erbreitern, um ein Ausweichgleise für die Straßenbahn 
hersteilen zu können; neben dem Bogen am Hagenauer 
Platze wäre zur Erleichterung des Verkehrs ein Durch 
gang für Fußgeher auszubrechen. 
Gruppe II. Als zweite Stelle für die Erbreiterung 
der Getreidegasse wurde die Strecke vom Hause Nr. 26, 
das sich im Besitze der Gemeinde befindet, bis zum Hause 
Nr. 40 vorgeschlagen und beantragt, in dieser Strecke zwei 
Straßendurchbrüche herzustellen: einen an Stelle der Häuser 
Nr. 28 und 30 gegen die Griesgasse zu und einen an Stelle 
des Hauses Nr. 33 gegen den Siegmundplatz zu. Diese 
für die Verbesserung des städtischen Verkehrs besonders 
wichtige Straßenregelung wurde im Plane mit der bereits be 
absichtigten Abtragung des Sternbrauhauses und der Er 
richtung eines Saalbaues mit Restaurationsräumlichkeiten in 
Verbindung gebracht. Die Grundrißskizze für diesen Neu 
bau zeigt eine teilweiee Erweiterung des beantragten Durch 
bruches von der Getreide- zur Griesgasse mit erhöhter 
Restaurationsterrasse, an die sich Laubengänge anschließen. 
Da das Grundstück von den anderen drei Seiten (Getreide-, 
Griesgasse und Sterngäßchen) schon heute Zugänge besitzt, 
wird auch der Neubau, seinem Zwecke entsprechend, von 
allen Seiten gut zugänglich sein. 
Die städtischen Grundstücke, Getreidegasse Nr. 26 
und Griesgasse Nr. 19, können auf 4 Baustellen abgeteilt 
werden. 
Gruppe III. Die beabsichtigte Führung der elektri 
schen Straßenbahn vom Ludwig-Viktor-Platz zum Neutor 
erfordert die Erweiterung des Ritzer Bogens. Zu diesem 
Zwecke beantragen die Unterzeichneten den Umbau der 
Häuser Nr. 8, 10 und 12 der Sigmund Haffner-Gasse in der 
Art, daß der einheitliche Neubau einen mittleren Hof erhält, 
der sich gegen beide Straßenseiten mittels weiter, dreiteiliger 
Torbogen öffnet, die in voller Gebäudehöhe überbaut sind. 
Die Durchgänge und der geräumige Hof bieten reichlich 
Gelegenheit zur Unterbringung schöner Kaufläden, -) 
*) Durch die Beibehaltung des Ritzer Bogens und dadurch, daß 
zwischen Universitätsplatz und Getreidegasse keinerlei neue Quergassera 
geplant sind, vielmehr der starke Fußgeherverkehr wie bisher die zahl 
reichen „Durchhäuser“ benutzen soll, wird das herrliche geschlossene 
Stadtbild des Universitätsplatzes (siehe Abb. 3 und 4) dauernd erhalten 
bleiben. 
Da das Haus Nr. 9 am Ludwig-Viktor-Platze die Mün 
dung der Kurfürststraße wesentlich verengt, wird bei 
Legung der Straßenbahn ein Umbau dieses Hauses im an 
gedeuteten Sinne wohl notwendig werden. Ebenso wird die 
Straßenbahn leider die Entfernung des Florianibrunnens 
vom Ludwig-Viktor-Platz erfordern; für diesen Fall schlagen 
die Unterzeichneten vor, diesen Brunnen in nächster Nähe, in 
der kleinen Platzbucht bei der Mündung der Brodgasse, 
wieder aufzustellen, jedoch mit der Vorderseite gegen die 
Kurfürstgasse gerichtet. 
Gruppe IV. Bei einer Führung der Straßenbahn un 
mittelbar nach Riedenburg müssen die prachtvollen Portale 
des Neutores (siehe Abb. 5 u. 6), die zu den bedeutendsten 
monumentalen Kunstwerken Salzburgs zählen, unbedingt 
geschont werden. Ebenso ist auch die schöne dekorative Ab- 
schlußwand der Pferdeschwemme am Sigmundplatze 
möglichst zu erhalten. Die Unterzeichneten schlagen daher 
vor, das wertlose Gebäude Nr. 10 beim Neutor abzutragen und 
neben dem Neutortunnel einen 3,5 Meter breiten Straßen- 
bahntunnel herzustellen. Damit dieser neue Tunnel die 
erwähnten Portale nicht beeinträchtige, muß die Felswand 
zwischen den beiden Tunnels stadtseitig mindestens 4,5 Meter 
und vorstadtseitig mindestens 7,5 Meter stark gewählt wer 
den, so daß die Richtungen der beiden Tunnels nach außen 
zu auseinandergehen. Wegen der Sicherheit im Innern wären 
die beiden Tunnels durch zahlreiche breite Öffnungen mit 
einander zu verbinden. 
Abb. 2. 
Abb. 2. Rathausturm.
	        
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