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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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ist; und daß ebenso die gesundheitlichen Rücksichten den 
Umbau nur einiger bestimmter Gebäude bedingen. 
In einer Stadt von so großer historischer und künstle 
rischer Bedeutung muß vor allem das Streben maßgebend 
sein, den Stadtcharakter, das Stadtbild, zu er 
halten. Deshalb können die Unterzeichneten nur dort in 
Änderungen einwilligen, die durch dringend notwendige Ver 
kehrsverbindungen, insbesondere durch die Führung einer 
elektrischen Straßenbahn, nicht entbehrt werden können; 
sowie in einigen, kaum 2 Meter breiten Gäßchen, wo eine 
Straßenverbreiterung und der Umbau alter, den gesundheit 
lichen Anforderungen nicht entsprechender Häuser wohl 
geboten erscheint. 
Hierbei muß darauf hingewiesen werden, daß die ge 
planten Baulinien in unmittelbarem Zusammenhänge mit 
den sich ergebenden Bauaufgaben stehen sollen, und daß 
sie in Zukunft um so besser entsprechen werden, je ge 
nauer ihnen bestimmte Bauaufgaben zugrunde gelegt wer 
den können. Deshalb empfiehlt es sich, bei Aufstellung 
des Bauregelungsplanes die für die nächste Zeit in Betracht 
kommenden großen Bauaufgaben in den Bereich der Plan 
verfassung derart einzuziehen, daß man die Grundrisse 
dieser Bauten in allgemeinen Zügen entwirft und skizzen 
haft, aber maßgerecht, in den Stadtplan einträgt. Denn 
gerade diese Bauaufgaben führen erst eine allen Anforde 
rungen entsprechende Lösung der Straßen- und Platzwan 
dungen von individuellem Gepräge herbei. 
Abb. i. 
Abb. 1. Getreidegasse. 
Im Sinne dieser Ausführungen verfaßten die Unter 
zeichneten beiliegenden 2 Planskizzen nach folgenden 
Programmpunkten: 
1. Sammlung der notwendigsten Veränderungen 
auf einige wenige Punkte der Stadt, und zwar 
möglichst auf solche, die mit großen, nahe bevorstehenden 
Bauaufgaben in Verbindung gebracht werden können; 
2. Führung einer elektrischen Straßenbahn vom 
Staatsbahnhofe in das Innere der Altstadt und von da nach 
dem Nonntale, sowie durch das Neutor nach Riedenburg; 
3. Unterscheidung zwischen Verkehrstraßen und den 
in Salzburg typisch auftretenden Durchgängen für den Per 
sonenverkehr durch Planung sowohl von Straßendurch 
brüchen und neuen Straßen, als auch von offenen und 
überdeckten Durchgängen nur für Fußgeher; 
4. Wiederherstellung von Straßenüberbrückungen 
nach durchgeführter Erbreiterung an jenen Stellen, wo 
heute Überbrückungen bereits bestehen. Solche Bogen, 
über denen sich die Straßenwandungen in voller Höhe 
fortsetzen, was einen Grund mehr für die Schönheit und 
Geschlossenheit der Salzburger Straßenbilder ausmacht, 
sind vornehmlich: der Rathaus-, der Ritzer, der Hage- 
nauer und der Bogen in der Dreifaltigkeitsgasse nächst 
dem Königsgäßchen. Ihre Wiederherstellung nach erfolgter 
Straßenverbreiterung ist ebenso durch das künstlerische 
wie durch das wirtschaftliche Interesse geboten; denn 
durch ihre Herstellung braucht der Raum über dem 
Straßengrund nicht verloren zu gehen, sondern kann wieder 
zu Wohnzwecken verwendet werden; 
5. Durchführung der notwendigsten Straßenver 
breiterungen in der Weise, daß die Häuser nur auf einer 
Straßenseite beim Umbau zurückweichen müssen, was 
rascher durchgeführt werden kann und weniger häßliche 
Übergangszustände erfordert, als wenn die Baulinie an 
beiden Straßenseiten in die Häuser einschneidet; 
6. Einbeziehung der in naher Zukunft zu gewärtigen 
den Bauaufgaben in die Verfassung des Bauregelungs 
planes durch Einzeichnung mutmaßlicher Grundrisse in 
den Stadtplan; 
7. Erstattung eines Vorschlages für den Wiederauf 
bau des „Linzer Tores“, das leider ohne zureichende 
Gründe, nur aus Unverstand, abgetragen wurde, wodurch 
die Stadt Salzburg eines ihrer interessantesten Wahrzeichen 
verlor. Die glücklicherweise erfolgte Aufbewahrung der 
wichtigsten Werkstücke des schönen Denkmales macht 
seinen Wiederaufbau zu einer Ehrenpflicht für die Stadt, 
In den Planskizzen erscheinen die vorgeschlagenen Bau 
linien rot, die Baufluchten, deren Beibehaltung empfohlen 
wird, schwarz gerändert und die vorgeschlagenen Neu 
bauten rot angelegt. 
Die erstatteten Vorschläge sind die folgenden: 
A. Am linken Salzachufer: 
Gruppe I. Die wichtigste Verkehrslinie der Altstadt 
am linken Ufer ist der Straßenzug; Kranzlmarkt —Ge 
treidegasse. Aus Rücksicht auf die städtischen Geld 
mittel, auf eine absehbare Durchführung und auf die mög 
lichste Erhaltung dieses schönen Stadtbildes (siehe Abb. 1) 
wird beantragt, von einer Verbreiterung des ganzen Straßen 
zuges abzusehen und nur einige stückweise Erbreiterungen, 
als Ausweichen für den Verkehr, und einige neue Quer 
verbindungen herzustellen. Zu einer solchen Erbreiterung
	        
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