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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

5. Jahrgang 
1908 
12. Heft 
FÜR- DiEL KÜNSTLERISCHE AUyQESTAl; 
TUNQ-DER STÄDTE - NACH- iHREN-WiRT 
SCJ1AFTÜ CHEN • GESUNDHEITLICHEN • UNO 
S9Z.IALEN- GRUNDSÄTZEN: QEQRÜNDET-VON 
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SÄAQ^ERNST WASMUTH, BEKÜN.l vrtE 
INHALTSVERZEICHNIS: Büttstedt. Eine städtebauliche Studie von Richard Woernle und Robert Schwerdtfeger. — Städtebauliches von der 
technischen Hochschule’ in München. Von A. Blößner, München. — Städtebaufragen und Amateurphotographie. Von Joseph Aug. Lux, Dresden. — 
Platz und Monument. Besprochen von Th. Goecke. — Neue Bücher und Schriften. - Kleine Mitteilungen. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
BÜTTSTEDT Hierzu Tafeln 89—94. 
Eine städtebauliche Studie von RICHARD WOERNLE und ROBERT SCHWERDTFEGER. 
Mittlere Provinzstädte mit einiger Überlieferung und 
regelmäßiger baulicher Entwicklung geben heute fast immer 
einen ähnlichen Eindruck, wenn man sie als Fremder be 
tritt: Eine wertlose Schale, der Zuwachs der letzten Jahr 
zehnte, umgibt einen mehr oder weniger schon verdorbenen, 
im ganzen aber meist noch guten Kern. Wer viele solche 
Städte besucht hat, wird diese Voraussetzung stets erfüllt 
sehn. Und doch läßt man sich immer von neuem über 
raschen, wenn man den Stadtgürtel durchschritten hat, 
und plötzlich, nach all dem Häßlichen, das der letzten 
Hälfte des Jahrhunderts des Niedergangs seine Entstehung 
„verdankt“, das Bild der alten Stadtanlage auftaucht und 
sofort den Blick in die reizvollsten Perspektiven lenkt. 
Ein sehr schönes Beispiel dieser Art ist das Städtchen 
Büttstedt in Sachsen-Weimar, ein Ort von wenigen tausend 
Einwohnern, dessen einzige Bedeutung noch der kümmer 
liche Rest des einst weitbekannten Viehmarkts ist, durch 
den die damals befestigte Stadt angesehen und wohlhabend 
wurde. Vom ehemaligen, wenn auch bescheidenen Glanze 
spricht noch jetzt manch Bürgerhaus, das Rathaus und 
vor allem die Kirche. 
Wandert man vom Bahnhof aus in die Stadt, ist man 
gezwungen, eine lange gerade, unsagbar öde Straße zu 
durchschreiten, die alles andere als freudige Erwartungen 
erwecken mag und, sinnlos durch ein Stadtviertel ge 
brochen, ohne die geringste perspektivische Berechnung 
auf den Marktplatz mündet. (Es ist die „Neue Straße“ auf 
dem Plan.) Hat man sie aber hinter sich gelassen und 
tritt aus dem Schatten des letzten der bösen Neubauten 
hinaus, gleitet der Blick über den Marktplatz, der, ohne 
hervorragende Einzelheiten zu zeigen, doch ein Bild von 
vollkommener Platzwirkung gibt. Im Rahmen der ge 
schlossenen Platzwände, die links von einer Reihe ein 
facher Wohnhäuser, rechts von der gestreckten Vorder 
front des Rathauses mit dem davor liegenden Stadt 
brunnen gebildet werden, erscheint der Chor der St. Micha 
elskirche, der mit trefflicher Wirkung zu dem tempe 
ramentvollen und doch feierlichen Turm überleitet, wo- 
1BB
	        
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