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Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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auch zu Ausstellungszwecken verwendbar. Offene Bau 
weise ist zwischen der Pfalzgrafenstraße, der verlängerten 
Augustaanlage und südlich vom Parkringe einerseits und 
nördlich vom Parkringe zwischen Ausstellungshalle und 
Neckar andererseits vorgesehen. An Stelle der halboffenen 
Bauweise östlich des Ausstellungsgebäudes bis zum Bahn 
damme für Kleinwohnungen, wäre geschlossene Bebauung 
mit großen Innengärten vorzuziehen. 
In künstlerischer Hinsicht kommt es also auf drei 
Hauptpunkte an. Der erste betrifft den Abschluß der 
Augustaanlage, der am besten durch Versetzung der Straße 
zu erreichen ist, wie auch die Mehrzahl der Entwürfe 
(nur gerade der an erster Stelle ausgezeichnete nicht) an 
genommen hat. 
Der zweite Punkt betrifft die Verlängerung des Luisen 
parks, die zu einer Durchquerung mit einer oder gar 
mehreren Verkehrstraßen ge- und verführt hat. Die eine 
notwendige Verkehrstraße hat Bernoulli — und ähnlich 
hat es Linkenheil versucht — mit einer Brücke über 
den vertieften Parkring geführt. Esch und Anke mit 
Waldschütz haben auf eine Verlängerung des Parks über 
haupt verzichtet und jene Verkehrstraße am Parkende 
vorbei in das Neckargebiet fortgesetzt. Im Gegensätze 
dazu haben einige preisgekrönte Entwürfe den Parkring 
reichlich oft durchschnitten. 
Der dritte Punkt endlich betrifft die Lage des Aus 
stellungsbaues, die sehr verschieden gewählt worden ist, 
jedenfalls aber so gewählt werden muß, daß der Bau nicht 
das neue Stadtviertel am Neckar gegen die Stadt hin ge 
wissermaßen versperrt — darin liegt eine Schwäche im Ent 
würfe von Spannagel —, daß der Bau nicht zu entfernt 
von der Altstadt liegt, wie die an sich schöne Anordnung 
von Bernoulli zeigt, und daß nicht der Bau durch eine 
mehr oder minder gleichgiltige oder gar versteckte Auf 
stellung, wie sie einige preisgekrönten Entwürfe aufweisen, 
der höchstmöglichen Steigerung des Stadtbildes Ab 
bruch tut. 
Möge bei weiterer Bearbeitung des Planes die reiche 
Auswahl an Gedanken noch die notwendige Berücksichti 
gung finden. 
DAS PROBLEM DES GRUNEWALDES. 
Von JOHANNES BARTSCHAT, Architekt, Berlin. 
Der Gedanke einer Bebauung des Grunewaldes war 
bisher stets auf Widerspruch gestoßen. Allerdings fürch 
tete man eine Vernichtung des gesamten Waldbestandes 
und zumal der landschaftlich bevorzugten Teile. Durch 
die anfangs wiedergegebene Erklärung des Landwirtschafts 
ministers trat eine Beruhigung ein, desgl. durch die Worte 
des Oberlandforstmeisters, der in der Budgetkommission 
des Abgeordnetenhauses sich dahin aussprach, daß an dem 
Grundstock des Grunewaldes nicht gerührt werden soll. 
Wenn aber der Grundstock nur als 4 / 9 des gesam 
ten Waldes gedacht ist, weil er dann die sämtlichen 
schönen Punkte umfaßt, also so groß ist wie die im vor 
liegenden Aufsatze zur Erhaltung bestimmten Flächen, so 
bleibt die Gefahr bestehen, daß der verbleibende große 
Teil einer spekulativen Bebauung verfallen kann. Ja, selbst 
wenn man nicht so schwarzseherisch sein wollte, ließe 
sich die Befürchtung nicht von der Hand weisen, daß in 
kurzer Zeit ein Einengen und Einkreisen des Grunewaldes 
durch die Bodenspekulation bevorstände. Denn die rasch 
fortschreitende Bevölkerungszunahme von Berlin übt einen 
gebieterischen Zwang aus, große Flächen der Bebauung 
zu übergeben. In erster Linie kommt der Westen in 
Frage. Das weiß jeder, der die örtlichen Verhältnisse 
kennt. Hier könnte nun von der Kommune ein großes 
soziales Werk vollbracht werden. Die große Zahl der 
Landhauskolonien, die in den letzten Jahren aus dem 
Boden gewachsen sind, liefern den Beweis, wie sehr der 
Großstädter danach lechzt, aus den Mietkasernen heraus 
zukommen. Es ist nicht nur das Wohnen im Eigenhause, 
das so viele Vorteile in sich birgt, sondern vor allen 
Dingen das Leben in freier Natur, in gesunder Waldesluft, 
das den Städter zum Landhause zieht. 
Alle Bestrebungen der letzten Jahre, den Landhausbau 
in Deutschland einzubürgern, sind aus den elenden Wohn 
verhältnissen zumal der Großstädter hervorgegangen. Jede 
größere Stadt besitzt heute ihre Einfamilienhauskolonien. 
(Fortsetzung und Schluß aus Heft 9). 
Überall, wo die Natur besondere Reize bietet — im Ge 
birge und an der See — finden wir Landhaussiedelungen. 
Große industrielle Unternehmungen haben für ihre Ar 
beiter Kolonien mit Einzel- und Gruppenhäusern angelegt. 
Ein Beweis, daß auch der weniger Bemittelte nicht un 
bedingt in vielstöckigen Mietkasernen eingepfercht leben 
muß. Durch Gründung von Gartenstädten, die zumal in 
England Erfolge aufzuweisen haben, durch Sommerhäuser 
usw. zeigt sich der Wunsch, aus der Enge des Häuser 
blocks herauszukommen. Der Gedanke auf eigener Scholle 
zu leben ist verlockend, und muß das Eigenhaus mit Recht 
als ein ethischer Faktor ersten Ranges gelten. Denn nichts 
stärkt das Heimatsbewußtsein so und fördert den sittlichen 
Wert der Familie zu erkennen, wie ein eigenes Besitztum. 
Das Eigenhaus kann geradezu als Symbol der Familie be 
zeichnet werden. 
Schon oft hat das Wohnungselend der Großstädter die 
Allgemeinheit beschäftigt, und wird von Fachleuten die 
Forderung aufgestellt, daß der größte Teil der Städter im 
Einzelhause wohnen soll. Aber wie weit sind wir hiervon 
noch entfernt. Der Wohlhabende baut sich sein Haus in 
freier, luftiger Gegend. Der Mittelstand, Kaufmann und 
mittlerer Beamter, ist verdammt in der Mietkaserne zu 
wohnen und dafür ‘/ 4 —‘/s seines Einkommens zu opfern. 
Diese Zustände sind oft beleuchtet worden, und man 
ist sich darüber einig, daß nur mit Hilfe der Kommune 
eine Linderung des Übels eintreten kann. Merkwürdiger 
Weise wurde bishervon seiten der städtischenVerwaltungen 
nur geringe Aufmerksamkeit der Wohnungsfrage entgegenge 
bracht. Beleuchtung, Pflasterung, Be- und Entwässerung 
und viele andere Dinge, die für die Gesundheit und das 
wirtschaftliche Leben der Bürger erforderlich sind, manch 
mal auch nur der Bequemlichkeit und des schönen Aus 
sehens wegen geschaffen werden, haben in steter Förderung 
einen hohen Stand der Entwicklung erreicht und gehören 
zu den vornehmsten Aufgaben der Selbstverwaltung.
	        
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