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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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dem Place de Vendöme und zu gleicher Zeit auf das Denk 
mal Louis XV. in der gleichen Axe zu ermöglichen. 
11. L. Aubry. Platz in der Verlängerung des 
Pont Royal. 
Der Platz öffnet sich in einer Ausdehnung von 175,50 m 
Länge nach dem Kai und hat die gleiche Ausdehnung in 
der Tiefe bis zum Ende des Pont Royal. Seine Mitte wird 
durch die Kreuzung zweier Straßen, der Rue de Bourbon 
und der Rue du Bac bestimmt. Den Hintergrund des 
Platzes, gegenüber des Kais, bildet ein großer Bau, der in 
der Mitte, den Zugang zur Rue du Bac bildend, von einem 
Triumphbogen durchbrochen ist. An diesen Bau schließen 
sich als seitliche Flügel, mit nach dem Kai umbrochenen 
Fronten, vier große Hotels an, Aubry dachte sich die 
ganze Anlage, in ihrer Gesamtheit als ein einheitliches Denk 
mal für den König. Abgesehen von den allegorischen 
Gruppen der Seitenbauten, hat er beim Mittelbau, zu beiden 
Seiten des Triumphbogens, Arkadenbauten korinthischer 
Ordnung angebracht, die in ihren Nischen allegorische, 
auf die Tugenden des Königs sich beziehende Figuren ent 
hielten und darüber «Reliefs mit Darstellungen der be 
merkenswertesten Taten des Königs. Man sollte sich so, 
in diesen großartigen Galerien wandelnd, gleichsam 
mühelos über die Geschichte des Königs unterrichten 
können. 
12. M. Contant. Platz am Quai Malaquet. 
Contants Platz öffnete sich in einer Breite von 188,50 m 
nach dem Quai Malaquet und hatte eine Tiefe von 123,50 ra. 
Den hinteren Abschluß bildete ein Hotel-de-Viile mit zwei 
großen Seitenflügelbauten, deren Enden sich einerseits an 
das Hotel de Bouillon, andererseits an das Kloster der 
Theatiner anschlossen. Was die Großartigkeit dieses Ent 
wurfes noch erhöhte, war der Umstand, daß dem Bau 
gegenüber, auf dem anderen Ufer der Seine, sich die große 
Galerie des Louvre befand, deren Mitte genau dem Hotel- 
de-Ville entsprach. Mit der weiten Ausdehnung der be 
nachbarten Kais, des Ufers und den benachbarten Bauten 
wäre die ganze Gruppe als ein außergewöhnlich großer 
Platz erschienen, auf dem schon von weitem das Denkmal 
des Königs gesehen werden konnte. Abgesehen von der 
Großartigkeit und Weiträumigkeit der Bauten des Platzes 
mit ihren weiten Treppenanlagen, den 1,65 m dicken ko 
rinthischen Säulen, den mächtigen Arkaden usw. war auch 
die Kaimauer in der ganzen Breite des Platzes künst 
lerisch hervorragend ausgestaltet. Treppen führten zu einer 
Balustrade hinauf, die mit großen Bildwerken, auf der 
einen Seite die Marne, auf der anderen die Seine, ge 
schmückt war. In der Mitte der Kaimauer floß aus fünf 
großen Urnenöffnungen das Wasser in kleine Becken und 
von dort als Wasserfälle in das Ufer. 
Das plastische, überaus fein ausgeführte Modell dieses 
Projektes, bei dem die Säulen in Elfenbein geschnitzt waren, 
hatte d*Azincourt verfertigt. 
13. N. Slotz. Ebenfalls Platz am Quai Malaquet. 
Die Platzanlage von Slotz war der von Contant ähn 
lich, unterschied sich u. a. aber dadurch, daß die Platzmitte 
gegenüber dem zweiten Torwege der Louvregalerie ge 
legen war. Der Platz hatte eine Breite von 139,50 m und 
war 58,50 m tief, auch hier bildet ein H6tel-de-Ville den 
rückwärtigen Abschluß. Die Bauten aber mit ihren riesi 
gen Triumphbogen als Straßendurchgänge und die Aus 
bildung der Kaimauer mit großartigen doppelten Rampen 
treppen und künstlichen pittoresken Felsanlagen zeichnen 
sich durch eine bedeutsame und phantasievolle Art aus. 
Slotz, der mehr Bildhauer als Architekt war, hatte seinen 
Entwurf ebenfalls als plastisches Modell eingeliefert. Seine 
Vorliebe fär die Plastik zeigt sich auch in der Ausgestal 
tung des Hofes seines Hotel-de-Ville, den er sich als 
Nationaldenkmal gedacht hatte. Unter den Portiken im 
Umkreis des Hofes sollten die Statuen von allen Königen 
Frankreichs aufgestellt werden, auf Sockeln, auf denen 
die Haupttaten ihrer Regierung eingemeißelt waren. Auf 
der Mitte dieses Hofes, aus der ganzen Umgebung sicht 
bar, hätte das Denkmal Louis XV, sich erhoben.] 
14. O, de l’Estrade. Am Quai de Conty. 
Der Platz, auf dem das HÖtel de Conty damals stand, 
war zu dieser Zeit zum Verkauf ausgeboten und de TEstrade 
wollte hier ein neues Hötel-de-Ville errichten und diesen 
Bau mit einem Königsplatze verbinden. Sein Entwurf war 
ein langer viereckiger, durch einen Halbkreis abgeschlosse 
ner Platz, ln der Mitte des Halbkreises, nach dem sechs 
Straßen zusammenliefen, sollte das Denkmal zu stehen 
kommen, dessen Hintergrund, in der Mitte des Baues, eine 
großartige Wasserkunst bildete. In den zwei seitlichen 
Fassaden zur Rechten und Linken des H6tel-de-Ville hatte 
der Architekt Verkaufsläden vorgesehen. 
15. Auch Rousset, Architekt der Akademie, hatte 
ebenfalls mehrere Entwürfe für den Umbau des HÖtel 
de Conty als Königsplatz eingereicht. Auch er beab 
sichtigte hier eine Platzanlage mit Denkmal und einem 
HÖtel-de-Ville. 
16. Q. Rousset. Sein großartigster Entwurf aber war 
ein Platz an der Kreuzung der Rue de Bussy, 
wo mehrere Straßen (Saint-Andre-des-Arcs, Mazarine und 
de la Comedie) zusammentrafen. Es sollte ein Rundplatz 
von 139*50 m Durchmesser werden, in den zehn Straßen, 
fünf bereits bestehende und fünf neu anzulegende, ein- 
mündeten. Der Zugang von einigen Straßen zum Platze 
wurde durch große Triumphbogen hervorgehoben. Auf 
der Mitte des Platzes war ein Obelisk gedacht. Um die 
Eintönigkeit der den Platz umgebenden Bauten zu ver 
meiden, waren Fontänen und Wasserkünste vorgesehen. 
Die Neubauten, die in je einem Haus für den ersten Be 
amten der Polizei, für den Präfekten von Paris, den Vor 
stand der Kaufmannschaft und in einem HÖtel- de-Ville be 
standen, sollten in dem gleichem Stile wie die Kolonnade 
des alten Louvre errichtet werden. Das Denkmal des 
Königs inmitten des Platzes wäre von den verschiedensten 
Gegenden von Paris schon von weitem zu sehen gewesen, 
außerdem war man aber darauf bedacht, ohne Rücksicht 
auf die enormen dadurch entstehenden Kosten zu nehmen, 
eine Anzahl „points de vue“ zu schaffen. So plante man 
z. B. die Rue de la comedie mit der Rue de Conde zu 
verlängern, um die Aussicht auf einen der Pavillons 
du Luxembourg zu gewinnen, diesen aber wieder durch 
ein großes Portal in seiner unteren Galerie nach der Rue 
d’Enfer zu durchbrechen und dort in einiger Entfernung 
als Endpunkt für das Auge eine riesige Fontäne zu er 
richten. 
Loriot, Godeau und Hupeau, Architekten des Königs, 
Servandoni, Cucillier und mehrere andere hatten eben 
falls für die Kreuzung der Rue de Bussy Pläne entworfen. 
In dem Werke, betitelt „Projet d’embellissement pour 
Paris“, findet man für diese Stelle einen Entwurf beschrie
	        
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