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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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daß umgekehrt alles sich ebenso wieder auseinanderlegen 
ließe, so haben wir das, was wir unter Positivum ver 
stehen wollen. Wir können nun ebensogut statt Negativum: 
Prinzip der Hohlgestaltung, der Konkavität, und statt 
Positivum: Prinzip der Vollgestaltung, der Konvexität, 
setzen und erhielten damit das, was Camillo Sitte in seinem 
Städtebau als Gegensätze der in Rede stehenden Auffassungs- 
weisen bereits hervorgehoben hat. 
Nun entspricht nach meiner Meinung das Prinzip 
der Konkavität vorwiegend dem, was das Wesen der 
historischen Städtbaukunst ausmacht und das der Kon- 
Abb. i. 
vexität dem, was das Wesen der modernen Städtebau 
kunst ist, womit ich freilich nicht etwa sagen will, die 
alten Städte seien unmittelbar durch Herausschneiden von 
Straßen und Plätzen aus einer zusammenhängenden Häuser 
masse so geworden, vielmehr glaube ich, daß ihre Ent 
stehung wohl ganz so wie jetzt, nur in weitaus lang 
samerem Zeitmaße, zu denken ist, aber ein anders gearteter 
Antrieb für die Entstehungsweise doch vorausgesetzt wer 
den muß; denn wie könnte sonst eine so ausgesprochene 
Verschiedenheit erklärt werden. Ich erblicke den Unter 
schied nur darin, daß die Alten bei ihrem Städtebau vor- 
Abb. 2. 
Beispiele alter Bebauung. Abb. x: Rothenburg, Abb. 2: Nördlingen, Abb. 3: Dinkelsbühl, Abb. 4: Ansbach.
	        
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