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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
it dem 21. Jahrgänge hören die Mitteilungen des GE^Ä^ERBE- 
MUSEUMS ZU BREMEN auf zu erscheinen. Das, was 
sie dem bremischen Gewerbestande, den Freunden alter Kunst und neuer 
Bestrebungen im Kunstgewerbe sein wollten, als sie im Jahre 1885 von 
Direktor H. Töpfer ins Leben gerufen wurden, wird heute von der Kunst 
berichterstattung der Tagespresse und von einer großen Schar von Fach 
zeitungen und allgemeinen Kunstzeitschriften den Lesern so reichlich ge 
boten, so schnell und pünktlich, wo es sich uro Tagesfragen handelt, so 
glänzend und vielseitig in der Darstellung durch Bild und Wort, daß es 
eine wenig dankbare Aufgabe bildet, neben diesen tüchtigen Leistungen 
des kunstgewerblichen Zeitungswesens allein aus den Kräften des Mu 
seums, denen es an anderen dringenden Aufgaben nicht mangelt, eine 
solche Monatsschrift nicht nur zu ernähren, sondern auch genügend lehr 
reich und gehaltvoll zu gestalten. — Trotz dieser Schwierigkeiten, die 
sich seit Jahren schon in gleicher Weise empfinden ließen, wäre auch 
heute noch der Nutzen eines eigenen, für die Besprechung wichtiger 
Museumsangelegenheiten geschaffenen Organs groß genug und sehr 
schätzenswert. Nachdem indessen durch das gemeinsame Interesse der 
Bremischen Sammlungen vom Januar 1908 an unter der Schriftleitung 
von Dr. G. Pauli eine Veröffentlichung entstanden ist, die unter dem Titel 
eines Jahrbuchs der Bremischen Sammlungen auf breiterer Grund 
lage und mit umfangreicherem wissenschaftlichen Arbeitstoffe die Ziele 
aufnimmt, die jene Mitteilungen bisher für das Gewerbe-Museum verfolgt 
haben, so wird es dem Museum auch künftig nicht an einer Gelegenheit 
fehlen, seinen Besitz und seine Absichten durch Wort und Bild einem 
größeren Kreise anregend nahe zu bringen. Das Jahrbuch tritt auch in 
sofern an Stelle der Mitteilungen, als es den Museen, Anstalten und 
Schriftleitungen, mit denen das Gewerbe-Museum bisher im Schriftenaus 
tausch stand, im Tausche zugehen wird. 
Wir verfehlen nicht, bei dieser Gelegenheit für die freundliche Zu 
sendung der bisherigen „Mitteilungen des Gewerbe-Museums zu Bremen“ 
unseren verbindlichen Dank abzustatten. D. 8 
T7 ÖNIGLICHES STAATSMINISTERIUM DES INNERN 
IN BAYERN an die K. Regierungen, Kammern des Innern und 
die K. Landbauämter. 
1. Erhaltung der im Staatsbesitz befindlichen Baudenkmäler betr. 
Im Einvernehmen mit den übrigen K. Zivilstaatsministerien ergeht 
folgende Weisung: 
Da der Staat den in seinem eigenen Besitze stehenden Baudenkmälern 
grundsätzlich denselben Schutz angedeihen läßt, den er im Interesse der 
Denkmalpflege den Gemeinden, Kultusstiftungen und in gewissem Maße 
auch den Privaten zur Pflicht macht, ist es geboten, daß die K. Landbau 
ämter auf diesem Gebiete den Anforderungen der Denkmalpflege ein 
besonderes Augenmerk zuwenden. 
Vor allem muß bei den unter die Bestimmungen der §§ 14, 15 der 
K. Verordnung vom 23. Januar 1872 (Reg. Bl. S. 338) fallenden und der 
Würdigung des Baukunstausschusses unterstehenden wesentlichen Ver 
änderungen in der äußeren Gestalt staatlicher Gebäude den Aufgaben des 
Denkmalschutzes volle Aufmerksamkeit schon bei der bauamtlichen Sach- 
iustruktion zuleü werden. 
Gleiche Sorgfalt ist aber auch bei solchen Änderungen im Innern 
und Äußern dieser Bauwerke zu beachten, die zwar nicht untec die er 
wähnten Bestimmungen fallen, aber doch das Baudenkmal ungünstig 
beeinflussen können. Es wird in dieser Beziehung beispielsweise auf Ver 
änderungen in den Fensteröffnungen infolge anderer Benutzungsweise, auf 
den Abbruch einzelner Gebäudeteile, örtliche Aufbauten, Veränderungen 
im Dacbeindeckungsmaterial u. dgl, hingewiesen. Da in diesen Fällen 
eine besondere Sachinstruktion in der Regel nicht erfolgt, haben die 
K. Landbauämter künftig in den zur Vorlage gelangenden Etatskosten 
voranschlägen sowie auch bei den besonderen Anträgen, soweit veranlaßt, 
ausdrücklich zu bemerken, daß den beantragten Änderungen vom Stand 
punkte der Denkmalpflege kein Bedenken entgegensteht. 
Im Übrigen ist es angezeigt, daß die K. Bauämter, namentlich wenn 
wesentliche Änderungen an staatlichen Baudenkmälern beabsichtigt sind, 
schon bei Beginn der Sachinstruktion dem K. Gencralkonservatorium 
der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns Gelegenheit zur Äußerung 
geben, wodurch neben der Sachförderung auch die Einheitlichkeit in der 
Würdigung der Denkmalpflegeinteressen und in der Ausübung der staat 
lichen Denkmalpflege unterstützt wird. 
Um die behördliche Tätigkeit auf diesem Gebiete der staatlichen 
Denkmalpflege zu erleichtern, wird unter Bezugnahme auf die Ministerial 
entschließung vom 22. April 1904 (M. A. Bl. S. 113) angeordnet, daß die 
K. Landbauämter ein Verzeichnis der ihrer Dienstaufsicht unterstellten, 
geschichtlich oder architektonisch interessanten Baudenkmäler anlegen. 
(Es folgt nunmehr eine genaue Beschreibung dieses Verzeichnisses 
nebst Bestimmungen über seine Ausfüllung und amtliche Behandlung. D. S.) 
2. Aufnahme interessanter Bauwerke betr. 
Der Bayerische Verein für Volkskunst und Volkskunde in München 
und der Münchener Architekten- und Ingenieurvercin haben darauf hin- 
gewiesen, wie wichtig es ist, daß von interessanten, alten bürgerlichen 
Wohnhäusern, die Neubauten Platz machen müssen, vor dem Abbruche 
vollständige Pläne aufgenommen werden, daß sie also durch Bauverständige 
ausgemessen, in Grund- und Aufriß gezeichnet, ferner daß die charakte 
ristischen Bauteile in großem Maßstabe dargestellt, der plastische Schmuck 
und die farbige Verzierung durch Zeichnung, Malerei oder Photographie 
festgehalten werden. Es handelt sich hierbei nicht nur um geschichtlich und 
künstlerisch bedeutende Bauwerke der großen Städte, sondern auch um ganz 
einfache Bürgerhäuser, die eine Vorstellung von dem Bauen und Wohnen der 
vergangenen Jahrhunderte geben können und für einzelne Städte und 
Gegenden typisch waren. 
Nähere Richtpunkte für die Aufnahmen sind im Anhänge gegeben. 
Die für eine solche Aufnahme in Frage kommenden Bauwerke 
werden in der Regel ohne weiteres dem nach Ministerialentschließung vom 
22. April 1904 (M. A. Bl. S. 123) angelegten Verzeichnisse der in den 
einzelnen Distriktsverwaltungsbezirken vorhandenen interessanten Bauwerke 
entnommen werden können. Es wird sich auch empfehlen, diese Bau 
werke in den Stadtplänen oder Baulinienplänen kenntlich zu machen. 
Den Gemeindeverwaltungen wird nahe gelegt, im Sinne der gegebenen 
Anregungen allmählich an die Aufnahme dieser nicht selten ein Stück 
hochinteressanter örtlicher Kulturgeschichte darstellenden Bauwerke heran 
zutreten, dies aber jedenfalls vor dem Abbruche oder Umbau solcher 
Bauwerke zu veranlassen. Diese Arbeit muß natürlich in sachkundige Hände 
gelegt werden, und es empfiehlt sich, da wo die Voraussetzungen hierzu 
gegeben sind, die Förderung der Angelegenheit einer kleinen Kommission, 
bestehend aus Vertretern der Gemeindeverwaltung, aus Künstlern und Kunst 
historikern, zu Übertragen. — Die Baupolizeibehörden werden beauftragt, 
entsprechend mitzuwirken und gegebenenfalls die Gemeindeverwaltung auf 
den bevorstehenden Abbruch solcher Bauwerke und die wünschenswerte 
sachverständige Aufnahme derselben besonders hinzuweisen. Die K. Land 
bauämter haben itn gleichen Sinne zu verfahren und veranlaßtenfalls bei 
den K. Bezirksämtern und Gemeindebehörden anregend zu wirken. 
(Es folgt dann der Anhang mit einer näheren Ausführung über die 
Art der Qebäudeaufnahme. D. S.) 
T3ERICHTIGUNG zu Heft VI, S. 74, Spalte 2. Es haben 
Ä—J namentlich der Straßburger Professor Johannes Fritz und Pro 
fessor Dr. Eberstadt in Berlin das Verdienst, die deutschen Städte im 
Zusammenhang auf ihre ältesten Anlagen hin untersucht zu haben, 
und Fritz konnte die überraschende Tatsache feststellen, daß den 
meisten Städten ein gleicher, immer wiederkehrender Stadtplan zu 
grunde gelegen hat. Es ist einleuchtend, daß wir uns hier nur mit 
mittelalterlichen Städten befassen wollen, Gründungen der späteren 
Zeit, aus dem 17. und 18, Jahrhundert, wie Mannheim, Karlsruhe, 
Darmstadt und andere sollen ausgeschlossen sein. Wie in Griechen 
land können wir in Deutschland drei selbständige Perioden im Städte 
bau unterscheiden, eine erste im 13. und »3. Jahrhundert, eine zweite 
im 17, und 18. und eine dritte um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
(siehe hierzu Dr. R. Eberstadt: Das Wohnungswesen, Jena 1904, 
S. 9 ff.). Es sei hierbei besonders auf die grundlegenden und sehr 
beachtenswerten Untersuchungen über die Entwicklung der städtischen 
Bauweise in der letztgenannten Schrift und auf die weiteren Veröffent 
lichungen Dr. R. Ebcrstadts über „Rheinische Wohnverhältnisse 
und ihre Bedeutung für das Wohnungswesen in Deutschland“ sowie 
„Die Spekulation im neuzeitlichen Städtebau“ (Jena, Verlag von 
Gustav Fischer) hingewiesen. Der Verfasser. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 35. 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W. 66. — Gedruckt bei Julias Sittenfeld, Hof buchdrucker., Berlin W. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W,
	        
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