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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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c) bei Gebäuden der vorerwähnten Arten, wenn deren äußere Gestalt 
und Form einer wesentlichen Veränderung unterworfen werden soll. 
(§ 15) Alle Pläne für die eben bezeichneten Gebäude sind einer 
besonderen Prüfung in ästhetischer Hinsicht bei der obersten Baubehörde 
zu unterziehen. Zu diesem Behufe ist aus den künstlerisch geschulten 
Mitgliedern der obersten Baubehörde und namhaften Allerhöchst ernannten 
Künstlern ein sogenannter Baukunstausschuß gebildet, der auch sonst in 
wichtigen mit der Denkmalpflege in Berührung stehenden Baufragen seitens 
des Staatsministeriums des Innern zur gutachtlichen Äußerung heran 
gezogen wird, 
3. ln München tritt an die Stelle des Baukunstausschusses die aus 
zahlreichen Münchener Künstlern und Vertretern der einzelnen Ministerien 
gebildete Monumentalbaukommission. 
4. Dem Berichte des Stadtmagistrates Memmingen ist eine orts- 
polizeüiche Vorschrift, die Denkmalpflege in Memmingen betreffend, bei 
gegeben. Solche Vorschriften — mit ähnlicher Bestimmung wie in § 6 
a. a. O. — sind — vielfach mit ins einzelne gehenden Bestimmungen — 
in den meisten bayerischen Gemeinden, in denen Denkmalpflege in Frage 
kommt, zufolge der Ministerialentschließung vom r. Januar 1904 erlassen 
worden. Als beratendes Organ beim Vollzüge dieser Vorschriften stehen 
den Behörden und Gemeinden die Königlichen Landbauämter, der bayerische 
Architekten- und Ingenieur-Verein mit seinen acht Kreisvereinen, vor allem 
aber der bayerische Verein für Volkskunst und Volkskunde in München 
zur Verfügung, 
Die Tätigkeit dieses Vereins, der vor etwa sechs Jahren ins Leben 
gerufen worden ist und die namhaftesten Künstler Bayerns zu seinen 
Mitgliedern und vielfach auch zu seinen Mitarbeitern zählt, ist für das 
Bauen in den Städten, Märkten und auf dem flachen Lande und für die 
Beziehungen dieser Bautätigkeit zur Denkmalpflege (auch Naturpflege) von 
größter Bedeutung. Dieser Verein hat es sich neben anderen Bestrebungen 
des Heimatschutzes zur Aufgabe gemacht, die Behörden, Gemeinden und 
Privaten Bayerns in Fragen der Denkmalpflege, der Pflege der heimischen 
Bauweise, des Städtebaues und der Baulinienziehung, der Naturpflege, kurz 
des Heimatschutzes im weitesten Sinne des Wortes tunlichst kostenlos 
zu beraten. 
Die Behörden, Gemeinden und Privaten sind durch das Königliche 
Staatsministerium des Innern (als Baupolizeistelle) wiederholt, insbesondere 
in den (schon früher in unserer Zeitschrift Jahrgang 1906, Seite 27. 139 — 
mitgeteilten oder angezogenen D. S.) Entschließungen vom 1. Januar und 
za. April 1904 und vom 18. Juli 1905 und März 1907 an den Volkskunstverein 
gewiesen, der in drei aus namhaften Münchener Künstlern gebildeten Sonder 
ausschüssen für Denkmalpflege, heimische Bauweise und Städtebau die ein 
schlägigen Anfragen und Gesuche sorgfältigst und mit großem praktischen 
Erfolge behandelt. So gehen vom Verein alljährlich Hunderte von Gutachten 
und Skizzen meist kostenlos oder doch nur gegen Ersatz der Baraaslagen, 
Entwürfe gegen geringe Gebühren, an Verwaltungsbehörden, Gemeinden, 
Pfarreien, Kirchenverwaltungen, Vereine, Baumeister und dergl. auf deren 
Ersuchen hinaus. Die Mannigfaltigkeit dieser gemeinnützigen Vereins 
tätigkeit, an welcher sich eine stattliche Zahl Münchener Künstler beteiligt, 
ist aus der Monatsschrift des genannten Vereins zu entnehmen, wo die 
Mitglieder der betreffenden Ausschüsse namentlich genannt sind. Auch 
das beiliegende Arbeitsprogramm des Vereins dürfte von Interesse sein. 
Eine Reihe von Bauten und Umbauten ist bereits unter dem Einflüsse 
des Volkskunstvereins zustande kommen, und verschiedene größere und 
wichtige Baulinienentwürfe und Bebauungspläne wurden unter der Vereins 
leitung ausgearbeitet, von den betreffenden Gemeinden angenommen und 
und baupolizeilich genehmigt. 
Daß der Verein auch durch Herausgabe belehrender Schriftchen mit 
Abbildungen für einzelne umgrenzte Gebiete der heimischen Bauweise, 
durch Hinausgabe von Beispielen und Gegenbeispielen an die Baupolizei 
behörden und Gemeinden, durch kleinere Ausstellungen und dergl. auf die 
beteiligten Kreise einzuwirken sucht, sei nur nebenbei bemerkt. 
Gegenwärtig sind besondere Richtpunkte für die Baugewerksmeister auf 
dem Lande in Beratung, welche diesen demnächst kostenlos zugehen werden. 
Diese mit dem Königlichen Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler 
und Altertümer Bayerns und mit den bayerischen Baupolizeibehörden in 
Fühlung stehende Vereinstätigkeit ist für die praktische Denkmalpflege in 
Bayern von großer Wichtigkeit und macht für die mittleren und kleineren 
Städte Bayerns die dort ohnehin meist mit persönlichen Schwierigkeiten 
verbundene Schaffung von sogenannten Kunstkommissionen gegenstandslos. 
Die Unterlagen aller zur Ausschreibung gelangenden Wettbewerbe 
können in den Geschäftsräumen des Verlags Emst WaSmuth A.-G. 
Berlin W., Markgrafenstraße 35, wochentäglich in den Stunden von 
10—4 Uhr unentgeltlich eingesehen werden. 
D IE AUSSCHREIBUNG DES WETTBEWERBS FÜR 
DEN BEBAUUNGSPLAN „GROSS-BERLIN“ wird eine 
Verzögerung erleiden. Es war ursprünglich geplant, das Aasschreiben 
zum x. Juli d. J. erscheinen zu lassen. Es ist jedoch nicht möglich, bis 
dahin das dem Wettbewerb zugrunde zu legende Planmaterial fertigzu- 
Stellen, Dieses Material besteht aus einem Übcrfüchtsblatt im Maßstabe 
x : 60 000, einer aus vier Blättern zusammengesetzten Karte 1 : 25 000 und 
zwölf großen Teilplänen 1 : 10O0O. Besonders das letztere Kartenwerk 
ist bei der erforderlichen Genauigkeit und weil sowohl die gegenwärtigen 
Besitzverhältnisse wie auch die bestehenden Bebauungspläne der Uber hun 
dert Gemeinden, der Baugesellschaften usw., eingetragen werden müssen, 
nur in langwieriger Arbeit herzustellen, und wird vor dem Herbst nicht 
versandfertig sein. Die erstgenannten Karten kleineren Maßstabes werden 
dagegen im Laufe des Juni fertig. Man würde deswegen wohl in der 
Lage sein, wie es geplant war, das Preisausschreiben zum 1. Juli zu er 
lassen und die Sonderpläne im Herbst nachzuliefern. Doch wurde hier 
von Abstand genommen, weil man der Meinung war, daß die Gemeinden, 
wenn sie ein derartig wichtiges Preisausschreiben erlassen, dann auch das 
als Unterlage dienende Material bereit halten müssen. Die Ausschreibung 
des Wettbewerbes wird deshalb erst zum 1. Oktober erfolgen, und als 
Schlußtermin für die Einlieferung wird voraussichtlich der 31. Dezember 
1909 festgesetzt.
	        
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