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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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dessen Steilheit es verlangt, eine andere Richtung einzu 
schlagen. In großen Serpentinen und einer Steigung, die 
zwischen 3 und 5,5 % schwankt, führt diese Zufahrtstraße 
an der Schießstätte vorüber zu dem Punkte, wo der Weg 
zum Ludwigsturme jetzt plötzlich nach links abhiegt und 
steil wird. Von hier könnte, wenn man das oberhalb 
liegende Gelände noch der Bebauung zuführen will, eine 
Baustraße mittels einer Schleife im Walde gewonnen werden. 
Im übrigen ist das ganze Gebiet durch annähernd 
horizontal verlaufende Straßen in größere und kleinere 
Baublöcke aufgeteilt, soweit nicht die jedenfalls als unter 
geordnete Straßen beizubehaltenden jetzigen Feldwege diese 
Aufgabe erfüllen, Diese Straßenbreiten sind hier, da keinen- 
falls reger Fuhrwerksverkehr zu erwarten ist, auf das 
zulässig Mindestmaß festzusetzen, damit in dem steilen 
Gelände die Herstellungskosten nicht unnötig groß und die 
Unterhaltungskosten nicht lästig werden. Ins einzelne 
gehende Vorschläge für die Bebauungsart werden später 
zu machen sein; allgemein genügt es wohl vorläufig fest 
zulegen, daß störende Gewerbe ausgeschlossen und nur 
weiträumige und in der Höhe beschränkte Bebauung hier 
erlaubt sein soll. 
Ähnliche Voraussetzungen und Annahmen sind bei 
dem südöstlichen Teile Nr. 3 zu machen, wo Verkehrs 
fragen insofern zu erledigen waren, als eine Verbindung 
der Münnerstädter Landstraße mit dem Bahnhofe ohne zu 
große verlorene Steigung erwünscht war. Leider ist in 
dem schon ausgeführten Teile der Straße zunächst dem 
Bahnhofe die Steigung etwas groß; im übrigen aber kann 
die Straße fast eben mit enger Anpassung an alles Be 
stehende durchgeführt werden. 
Außer dieser Verkehrstraße war die Aufgabe gestellt, 
das am Berg günstig gelegene Gelände der Bebauung auf- 
züschließen, eine Aufgabe, die mit einem System von 
mäßig ansteigenden Straßen und einem zweiten annähernd 
horizontalliegenden gelöst wird, Die wichtigste von diesen 
Straßen geht von der Von-der-Tann-Straße gegen Süden 
aus und erreicht mit einmaliger Wendung die Höhe, 
soweit sie zur Bebauung geeignet ist. Eine ähnliche 
Schleife mit demselben Endpunkte findet sich am nörd 
lichen Abhang. Alle diese Straßen haben Anschluß nach 
Süden gegen die Bodenlaube, wo die alten Wege teils aus 
gebaut, teils vom Verkehrstandpunkt als untergeordnete 
Verbindungen beibehaltcn worden sind. Der steile Hohlweg 
zum Wasserhochbehälter wäre unverändert, d. h. nur in 
bescheidenem Maße verbessert als Fußweg beizubehalten. 
Der nordöstliche Teil (Nr, 2) hat, wie gesagt, ver 
schiedene Zwecke zu erfüllen. Hier ist deshalb die Auf 
stellung in möglichst regelmäßige und kleiner bemessene 
Baublöcke zu erkennen, welche den Zweck hat, den 
Baubedürfnissen der kleineren Betriebe und der Her 
stellung billigerer Wohnungen zu dienen. Durchgehende 
Verkehrstraßen können nur die des Talbodens und allen 
falls noch die Verlängerungen der Max- und der Haarder- 
straße sein. Zur Aufschließung des nördlichen Stadtteils 
dient eine Straße auf dem alten an der westlichen Seite 
des Krankenhausgartens abzweigenden Feldwege. Im 
übrigen geben hier die Lage der Grundstücke und die zu 
lässigen Steigungen den ganzen Plan fast von selbst. Da 
angenommen werden muß, daß hier für Gärten nicht so 
gesorgt bleibt, wie in den beiden anderen Stadterweite 
rungsgebieten, so war es nötig, hier größere freie Plätze 
vorzusehen, als es dort zweckmäßig erschien. Im allge 
meinen war man bestrebt, die Durchführung des Planes 
dadurch zu erleichtern, daß auf bestehende Wege und 
Grenzen die peinlichste Rücksicht genommen werde. 
Damit ist aber auch die Gewißheit gegeben, daß der Plan 
die natürliche Schönheit des Geländes nicht zerstören, 
sondern eher noch steigern würde. 
Baulinienplan für das Gelände zwischen Bahnhof 
und Reichsstraße in Meran. Tafel 53a. 
Rücksichten auf den Verkehr von der Stadt zum neuen 
Bahnhof und umgekehrt waren in erster Linie maßgebend 
für die Führung der Straßenzüge. Der Verkehr des feineren 
Publikums im Kutsch- und Hotclwagen wird sich vom 
Bahnhof in der Richtung zur Habsburger Straße bewegen 
auf der schon ausgeführten 36 m breiten Straße parallel 
zum Bahnkörper. Diese Straße zeigt zwei Fahrbahnen 
von je 12 m Breite und in der Mitte einen beiderseits mit 
Bäumen bepflanzten Promenadenweg, welch letztere An 
ordnung sich tür eine Verkehrstraße als zweckmäßiger wie 
etwa eine gärtnerische Anlage empfehlen dürfte. 
Für eine grüne Anlage, welche inmitten des Verkehrs 
auf dem Platze des alten Bahnhofs angenommen war, wird 
als für eine Erholungsstätte geeigneter der Platz zwischen 
der Rampe zur Bahnunterführung und dem Stadtbach 
einerseits und zwischen der Beda-Weber-Straße und der 
Bahnlinie andererseits vorgeschlagen. Dieser Platz liegt 
abseits vom Lärm und Staube des Verkehrs; die schon vor 
handene schöne Allee wird als Weg benützt und die schöne 
Aussicht ins Vintschgau kann ausgenützt werden. 
Die zweite Hauptverkehrsliniegehtso wohl vomPersonen- 
bahnhof als vom Güterbahnhof aus und muß die Richtung 
zur Laubengasse einschlagen; ihr Zug ist durch den alten 
Fußsteig vorgezeichnet. Der wünschenswerten Durchfüh 
rung dieses Fußsteiges bis zumVerschubbahnhofe stehen die 
schon entstandenen Neubauten im Wege. Die Verbindung 
mit dem Personenbahnhöfe vermittelt ein monumentaler, 
regelmäßig angelegter Platz vor dem Empfangsgebäude, 
auf dessen Mitte ein Brunnen oder Denkmal Aufstellung 
finden könnte. Erwünscht ist, daß dieser Platz, in dessen 
Perspektive der Küchelberg erscheint, durch einen triumph 
bogenähnlichen Bau nach dieser Richtung abgeschlossen 
wird. Für die Verkehrstraße wird, um innerhalb des 
weiten Bebauungsgebietes einen Gegensatz zu schaffen, 
die geschlossene Bauweise empfohlen. 
Soweit im übrigen nicht schon durch Neubauten oder 
durch bestehende Wege das Bauliniensystem vorgezeichnet 
ist, wurde davon ausgegangen, daß etwa bis zum Neubau 
des Benediktinerstiftes bessere Bebauung mit Villen, Pen 
sionen und dergleichen zu erwarten ist, weshalb hier 
Blöcke von beträchtlicher Tiefe, breite Vorgärten und 
Straßen, an denen Alleen gepflanzt werden können, an 
genommen sind. Was jenseits der genannten Grenze liegt, 
wird sich für mittlere und mindere Bebauung besser eignen, 
und erhielt deshalb kleinere Straßenbreiten, schmälere Vor 
gärten und seichtere Baublöcke. 
Beb auungsplän für das Achalmgebiet zwischen 
Karlstraße, Silberburgstraße und Burgstraße in 
Reutlingen. Tafel 54. 
Das Bebauungsgebiet ist der westliche, ziemlich steile 
und stark durchschnittene Abhang der Achalm. Wegen
	        
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