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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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liegenden Straßenseite einen möglichst freien Ausblick auf 
das Meer zu bewahren. Diese Vermengung von geschlos 
sener und offener Bauweise hat das Preisgericht geglaubt 
beanstanden zu müssen, was jedoch grundsätzlich nicht 
zu billigen sein dürfte; im Gegenteil, liegt gerade darin 
auch ein Mittel zur eigenartigen Ausnutzung aller von der 
Natur der Stadtlage gebotenen praktischen und Schönheit- 
liehen Wohnbedingungen und damit zu der von mir schon 
öfter befürworteten Befreiung vom Schematismus einer 
Zonenteilung. 
Doch in alledem lag nicht der Schwerpunkt des Wett 
bewerbes. Dem Entwürfe von R. Weyrauch und M. Mayer 
wäre sicherlich der Preis entgangen, wenn er nicht kluger 
Weise in der Variante A den im Programme geforderten 
Weg zur Verlegung der Westküstenbahn verfolgt hätte. In 
dem sonst so sorgfältig vorbereiteten Wettbewerbe war mit 
dieser Forderung eines bestimmten, mitten durch die zu 
künftige Stadt gehenden, 40 m breiten Straßenzuges, in den 
unter Umständen die Westküstenbahn zu verlegen sei, 
eine in ihrer ganzen Tragweite wohl nicht übersehene und 
in ihrem Wortlaute auch nicht einmal ganz zweifelsfreie 
Bedingung gestellt, die manchen Teilnehmer mit seiner 
besseren Überzeugung in Widerspruch gebracht, andere zu 
einer für ihn verhängnisvoll gewordenen Abweichung ver 
führt hat. Von welcher Bedeutung gerade diese Eisenbahn 
frage war, ergibt zunächst die Verhandlung des Preisge 
richts, die nunmehr mit Beziehung auf das bereits im Jahr 
gang III, S. 40 mitgeteilte Ergebnis in mehr oder minder 
freier Wiedergabe folgen möge. • 
Entwurf „Storstad“ von Zivilingenieur Nils Geller- 
stedt und Architekt Axal Bergman, Stockholm (I. Preis, 
Vergl. Tafeln 25 u. 26.) 
Das neue Strandgebiet am Öresund ist sehr gut ange 
ordnet; ebenso die Art, wie die Eisenbahn durch die Stadt 
geführt ist, sorgfältig überlegt. Die Auffahrtwege zur 
Hochfläche sind auch besonders gut durchdacht. Die Haupt 
straßen sind vortrefflich angeordnet und weisen ein klares 
Netz von Straßenbahnen auf. 
Besonders verdient der innere Ringweg Aufmerksam 
keit. Die Einteilung der Blöcke ist, von einigen unbe- 
gründetenAnordnungen abgesehen, durch und durch zweck 
mäßig. Die offenen Plätze und öffentlichen Gebäude 
sind in vielen Schaubildern von malerischer Wirkung dar 
gestellt. 
Überhaupt ist die künstlerische Behandlung des Ent 
wurfes als eine ausgezeichnete anzuerkennen. 
Entwurf „Ringmauer mit 5 Türmen“ von Ingenieur 
(jetzt Professor a. d. T. H. zu Stuttgart) Dr. Ing. Robert 
Weyrauch in Berlin und Architekt Regierungsbaumeister 
Martin Mayer in Hamburg (II. Preis. Vergl. Tafel 27 u.28 
und Textbilder 1 u. 2.) 
Bei der Anordnung des aufzufüllenden Ufergebiets sind 
die Verfasser zwar von dem richtigen Gedanken ausge 
gangen, daß dieses Gebiet mit freistehenden Häusern be 
baut werden soll, aber ihr Vorschlag, Allee-Bäume zu 
pflanzen, ebenso die Anordnung eines Hafens für Lustboote, 
ist wahrscheinlich auf Grund der Örtlichen Verhältnisse 
unausführbar; Allee-Bäume können hier nicht wachsen 
und die Einfahrt zum Bootshafen würde äußerst schwierig, 
wenn nicht unmöglich sein. Die Führung der Eisen 
bahn ist im Plane A dem Programm entsprechend, wäh 
rend im Plane B die Bahn innerhalb der Baublöcke ge 
führt ist. Hätten die Verfasser nur die letztere Lösung 
vorgeschlagen, so wäre es zweifelhaft gewesen, ob sie für 
Abb. 1. 
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Abb. x. Lageplan an der Stelle C der Variante A des Entwurfs auf Tafel 27. 
einen Preis hätten in Betracht kommen können; aber 
beide Lösungen sind, wie dargestellt, ausführbar. Die 
Auffahrtstraßen zu der Hochplatte und die Aussichtstraßen 
sind vortrefflich angeordnet, ebenso die übrigen Verkehrs 
glieder. 
Die Blockteilung ist, abgesehen davon, daß einige Blöcke 
sehr groß sind (sie können zwar noch geteilt werden), 
zweckmäßig. Öffentliche Plätze und Gebäude sind, wie 
man aus Teilzeichnungen und Schaubildern ersehen kann, 
im allgemeinen vortrefflich angeordnet. Den Parkan 
lagen ist genügend Grundfläche gegeben. 
Vom künstlerischen Standpunkt ist der Entwurf be 
sonders schön. 
Entwurf „Framtids-Staden“ von Architekt Torben 
Abb. 2. 
Abb. 2. Lageplan an der Stelle Z der Variante B des Entwurfs auf Tafel 27.
	        
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