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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
WAS VOM GRUNEWALD NOCH ÜBRIG BLEIBEN 
* * WIRD, wenn die von der Regierung, dem Kreis und einzelnen 
Gemeinden aufgestellten Pläne zur Aufteilung von Grunewaldgelände zur 
Verwirklichung kommen, ist eine zeitgemäße Frage, deren Beantwortung 
sich ohne viel Mühe ermöglichen läßt. Mit der Herstellung der Döbe- 
ritzer Heerstraße scheidet zunächst aus dem Grunewaldgebiet alles Land 
aus, das zwischen Westend und Spandau liegt sowie zwischen der Spandau- 
Charlottenburger Chaussee und der verlängerten Bismarckstraße bezw. dem 
Kaiserdamm, Dieses Gebiet der künftigen Gemeinde Ruhleben fällt be 
kanntlich dem Kreis Teltow zu, nachdem Charlottenburg den Erwerb 
wegen der allzuhohen Forderungen der Regierung abgelehnt hat. Auch 
auf der Südseite des Kaiserdamms fällt der Wald zwischen Charlottenburg 
und Havel, und zwar in einer Breite von 300 m, der Bebauung zum 
Opfer. Unmittelbar an die Südseite des Kaiserdamms soll sich der Volks 
park anschließen, dessen Gründung seit Jahr und Tag vorbereitet wird. 
Er wird von der Charlottenburger Gemarkungsgrenze bis zum Teufelssee 
im Westen sich ausdebnen und in seinem südlichen Teile in unmittel 
bare Nachbarschaft mit der Villengemeinde Grunewald kommen. Wie im 
Norden die Heerstraße, wird im Süden der geplante Grunewald-Kanal dem 
Waldbestande Abbruch tun. Denn die Kanalanlage ist nur möglich, wenn 
das Ufergelände an der Seenkette entlang bis hin zum Wannsee nutzbar 
gemacht, d. h. der Bebauung erschlossen wird. Zudem schreitet von 
Dahlem und Zehlendorf her die Bebauung weiter in den Grunewald hinein. 
Kommt das Kanalprojekt wirklich zur Ausführung, so würde von dem 
Grunewald nur noch der Teil erhalten bleiben, der sich zwischen der 
alten Chaussee Hundekehle-Beelitzhof und dem Heerstraßengebiet aus 
dehnt. Damit aber würde der Grunewald, das Hauptausflugsziel der Ber 
liner, nahezu die Hälfte von seinem bisherigen Umfange für immer ver 
lieren. 
T T nter den Vorlesungen, die der Verein für volkstümliche Kurse von 
Berliner Hochschullehrern im Wintersemester halten läßt, befindet 
sich auch ein für das Städtebauwesen wichtiger: „HYGIENE UND 
TECHNIK IN HISTORISCHER DARSTELLUNG“. Von 
Privatdozent Dr. Th. Weyl. Dienstags, abends 8*/* bis 10 Uhr; 
1. Wasserversorgung. Älteste Trinkwasserversorgungen in Ceylon, 
Jerusalem (zirka 1000 v. Chr.) und Ninive (700 v. Chr.). Zisternen in 
Alexandrien, Konstantinopel, Venedig und Aden. Talsperren in Persien, 
Konstantinopel, Einsiedel, Remscheid, Schlesien. Nilstau bei Assuan. 
Römische Wasserleitungen in Rom, Gallien (Nimes), Spanien (Terragona), 
Deutschland (Straßburg), Aquädukte in Konstantinopel (Valens, Justinian 
usw.). Neuere Aquädukte (Montpellier, Paris, Neapel). Brunnen in Kon 
stantinopel, Neapel, Deutschland (schlechte Brunnen im Regierungsbezirk 
Potsdam), Sandfiltration (Berlin, Hamburg). Ozonwasserwerke. Ent 
eisenung. Verteilung des Wassers in Altertum und Neuzeit. 
2. Bäder. Das Bad nach antiken Vasen. Bäder in Rom (Karakalla 
Thermen), Pompeji. Maurische Bäder in Sevilla und Granada. Deutsche 
Bäder im Mittelalter nach Bildern deutscher Meister. Deutsche Volksbäder im 
20. Jahrhundert. Brausebäder. Schwimmbäder. Schulbäder. 
3. Entwässerung und Kanalisation. Entwässerung in Assyrien (Palast 
von Rimrud, 600 v. Chr.). Entwässerung von Rom (Kloaka maxima), 
Pompeji. Deutscher Abort vom Jahre 1480. Ehgraben in Zürich. Kanali 
sation von Paris, Berlin, Neapel. Rieselfelder von Berlin. Reinigung 
der Abwässer nach dem biologischen Verfahren (England). Mechanische 
Reinigung der Abwässer (Köln, Frankfurt a. M.). 
4. Müll- und Straßenreinigung, a) Müll: Hunde als Straßenreiniger 
in Konstantinopel. Mülltransport. Sortierung des Mülls (Puchheim bei 
München). Amerikanische Müll Verwertung, b) Straßenreinigung; Staub 
freie Straßen (Westrumit). Besprengung der Straßen (Herkules & Salus- 
Maschine). Amerikanische Maschinen. Schneebeseitigung. 
5. Krankenhäuser, Älteste Krankenhäuser in Indien. Früheste christ 
liche Krankenhäuser im Orient. Verbreitung der Krankenhäuser im Okzi 
dent (Italien, Spanien, Frankreich, Schweiz und Deutschland). Die Aus 
satzhäuser und der Aussatz. Die Pesthäuser. Die Syphilis. Die Kranken 
häuser der Renaissance (Mailand, Siena, Genua, Florenz und Rom). Ent 
artung der Krankenhäuser (Hotel Dieu zu Paris, Charit^ zu Berlin). Das 
moderne Krankenhaus (England, Frankreich, Deutschland). 
6. Ungesunde und gesunde Großstädte. Übervölkerte Großstädte im 
Altertum (Rom). Ungesunde Städte im späteren Mittelalter bis zur Neu 
zeit (Genua, Marseille, Neapel, Berlin und Hamburg). Ungesunde Woh 
nungen in Berlin. Gesunde Städte der Gegenwart. Stadterweiterungen 
(Neapel, Brüssel, Hamburg). Arbeiterstädte besonders in Deutschland 
(Krupp, Meister-Lucius usw.). Gartenstädte. 
Die Vorträge werden durch Lichtbilder erläutert. 
Vortragsraum: Saal in der Ansiedlung des Berliner Spar- und Bau 
vereins, Am Nordufer, fünf Minuten vom Bahnhof Putlitzstraße des Nord 
rings entfernt: Eingang zum Saal: Fehmarnstr. 10a. 
Die Vorträge finden statt am Dienstag, den 22,, 29. Januar, 5,, 12., 
19. und 26. Februar. 
Erster Vortrag: Dienstag, den 22. Januar. 
| Aer Magistrat der Stadt CHARLOTTENBURG hat bei den Stadt- 
•A— 1 * verordneten die Wahl einer aus fünf Mitgliedern des Magistrats und 
zehn Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung bestehenden Deputation 
beantragt, die den Auftrag erhalten soll, Vorschläge zu machen, in welcher 
anderen Weise als durch ihren Verkauf eine Verwertung der zu unmittel 
baren Verwaltungszwecken nicht erforderlichen städtischen Ländereien für 
die Stadt geschehen kann. Es soll durch diesen Antrag verhütet werden, 
daß die der Stadt gehörenden umfangreichen Ländereien in Westend und 
dem Gebiete der Jungfernheide bei etwaigem Verkaufe der Grundstück 
spekulation anheimfallen. 
BRIEFKASTEN. 
S TADTBAUAMT SONDERBURG: Kann vielleicht aus dem 
Leserkreise jemand Auskunft geben, wo oder in welcher Stadt von 
der Stadtbehörde Arbeiterwohnungen erbaut sind und welchen Erfolg die 
Stadt davon gehabt hat und wie im allgemeinen die Erfahrungen in der 
artigen Anlagen sind.*) 
In hiesiger Stadt ist beabsichtigt wegen Wohnungsmangel derartige 
Hauser zu bauen, und diese dann unter Umständen zum Selbstkostenpreis 
an Arbeiter zu verkaufen. Fr. 
*) In größerem Umfange und mit Erfolg bekanntlich in Ulm a. D. 
unter dem tatkräftigen Oberbürgermeister Wagner. 
Verantwortlich Für die Schriftleitung: Theodor Goccke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraßess. 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W. 66. — Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin W. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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