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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

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DER STÄDTEBAU 
Abb. 4. 
können. Weitere Aufbauten sollten aber möglichst unter 
bleiben oder falls sie zur Erfüllung des Gebäudezweckes 
ausnahmsweise zugelassen werden, hinter die Bauflucht 
zurücktreten, wie es Architekt Otto Lasne in München in 
dem dicht neben dem Warenhause Schwarz zur Ausfüh 
rung bestimmten Entwürfe eines Neubaus für den kaiser 
lichen Rat Obexer geplant hat. In nicht immer leichten 
Kämpfen hat es der Architekt vermocht, den Bauherrn zu 
dieser erreichbaren Schonung des Straßenbildes zu bewe 
gen, insbesondere auch zur besseren Einpassung in das 
Straßenbild, dazu die Architektur des Hauses in einfachen 
Tiroler Formen zu halten. Wie aus den Tafeln 95 und 96 er 
sichtlich, dürfte danach eine Schädigung der Maria-The- 
resien-Straße nicht zu erwarten sein, wenn diese auch 
in Zukunft nicht mehr ganz so weiträumig erscheinen 
wird. Bleibt doch der herrliche Gebirgshintergrund fast 
unverändert samt dem Blick auf den alten reizvollen 
Stadtturm in der die Maria-Theresien-Straße fortsetzen 
den schmalen Herzog Friedrich-Straße Denn in dieser 
kann die ohnehin schon hohe Bebauung nicht weiter ge 
steigert werden und von den beiden Eckhäusern am Burg 
graben und am Marktgraben ist das erstere vor noch nicht 
langer Zeit — freilich wenig glücklich — neuerbaut; das 
letztere soll dem Vernehmen nach von der Gemeinde er 
worben werden. 
Geschädigt wird dagegen, wenn auch auf der anderen 
Straßenseite Neubauten höher geführt werden, — und dies 
erscheint unvermeidlich — die dort in die Flucht eingebaute, 
NACHTRÄGE. 
T n meinen Beiträgen zum ,.Städtebau“, die unter den Titeln „Samm- 
lungen von Stadtplänen“ (IV/6, Juni 1907) und „Neue Bücher“ (IV/7, 
Juli 1907) erschienen sind, habe ich mehrere Seiten unseres Gebietes 
behandelt, nachdem bereits meine „Pflege der Städte*‘ im „Architekt“ 
(X i, Januar 1904) das Thema der Stadtpläne vorgebracht hatte, mit dem 
Bedauern Uber das Fehlen eines reichlicheren Vorrates von Stadtplänen 
in größeren Maßstäben, 
Nun werde ich zu einigen Ergänzungen veranlaßt und gebe diese 
hier um so lieber, als es sich nicht eigentlich um Berichtigungen, sondern 
Abb. 5. 
niedrige Spitalkirche, deren Turm sich jetzt so schön vom 
südlichen Nachbarhause ablöst, weil dieses nur im mittleren 
Teile die volle Höhe erhalten hat, während die Verminderung 
um eine Stockwerkshöhe nach den Giebelseiten hin die 
verschiedenen Höhenlagen vermittelt. Vielleicht läßt sich 
auch in Zukunft eine ähnliche Lösung ermöglichen — 
trotz alledem würde bei einer allgemeinen Steigerung 
der Bauhöhe das Ergebnis nicht ebenso befriedigend aus- 
fallen können. 
Eine weitere Schädigung würde der Straße die Archi 
tektur der Neubauten zufügen können, wenn sie sich nicht 
derselben Zurückhaltung befleißigt, wie sie bei den alten, 
meist schlichten Häusern geübt worden ist und wie sie 
sich Lasne bei dem von ihm geplanten Neubau auferlegt 
hat. Leider läßt sich dies von einem anderen grellfarbigen 
Neubau schräg gegenüber, der jüngst in arg mißverstandener 
Tiroler Bauweise ausgeführt worden ist, nicht sagen. 
Wenn übrigens die ganze Angelegenheit noch zu einem 
annehmbaren Ausgleiche geführt hat, so gebührt dem städti 
schen Baurate Klingler ein wesentliches Verdienst daran. 
Als Architekt hat er rechtzeitig die Gefahr erkannt und 
Mittel und Wege zu finden gewußt, sie möglichst abzu 
wenden. Man darf da wohl die Frage aufwerfen, was 
geworden wäre, wenn ein Ingenieur an der Spitze des 
Stadtbauamts gestanden hätte, wie in Österreich noch fast 
durchweg der Fall. Nur Karlsbad hat u. W. außer Innsbruck 
noch einen Architekten als städtischen Baurat, den früher 
in Salzburg gewesenen Drobny. 
Von Dr. HANS SCHMIDKUNZ, Berlin-Halensee. 
vielmehr um sachliche Mitteilungen handelt, die dem Leser doch auch 
Positives bieten dürften. 
Zunächst ist zurückzukommen auf das mehrfach vorgebrachte Be 
dauern über den Mangel an genügend viel Stadtplänen in größerem Maß 
stabe, Herr Vermessungsdirektor R, Gerke in Dresden macht mich aufmerk 
sam, daß die Dinge zum Teil doch schon etwas günstiger liegen, als ich 
sie dargestellt hatte. Sein Vermessungsamt selbst scheint bereits eine 
bemerkenswerte Sammlung von Plänen zu besitzen. Anknüpfend an meine 
Angaben (in IV/6) über Aufbewahrung von Plankarten, berichtet er, daß
	        
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