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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
162 
Gedacht ist dabei in der Axe auf der Höhe ein 
öffentliches Gebäude» dahinter ein Wasserturm, der hier 
für den Fall» daß die Baugesellschaft für sich allein die 
Wasserfragc regeln wollte, aufgestellt werden könnte; seit 
lich der Terrassen und Treppen eine Restauration und 
Markthalle, dahinter je eine Villa. 
Doch ließen sich mit Darangabe des ganzen Gelände 
stückes hier auch bloß durch Erdarbeiten und gärtnerische 
Anlagen die Schwierigkeiten überwinden. Es galt beim 
Entwürfe nur festzustellen, in welcher Weise späterhin der 
Abtrieb des Bodens am schicklichsten zu erfolgen habe. 
Dabei ist zu bedenken, daß für den Straßenbau und für 
sonstige Aufschüttungen in der südlichen Hälfte der Flur 
von hier herab am bequemsten Boden wird genommen 
werden können, daß mithin die endgültige Regelung dieses 
Bauteiles bis zuletzt aufgeapart werden dürfte. Doch kam 
es den Bearbeitern darauf an, das der späteren Regelung 
vorzubehaltende Viertel möglichst eng einzugrenzen. 
Dagegen ist es dringend erwünscht, daß die Abschal 
tung im südöstlichen Viertel nicht in alter Weise betrieben, 
sondern daß schon jetzt dort auf die Verwertung als Bau 
land Rücksicht genommen werde. Und zwar müßte dies 
dadurch geschehen, daß von der Kohlenstraße zur Pro 
menadenstraße eine zur Bebauung geeignete Böschung 
geschaffen werde. Zu diesem Zwecke wurden zwischen 
die beiden Häuserfronten 65 m breite Höfe angelegt, inner 
halb welcher die Höhenunterschiede in angemessener 
Weise zum Austrag gebracht werden können. 
15. Die Dammüllerschen Grundstücke. 
Auch hier ist es der Fürsorge eines gut durch 
gearbeiteten Schichtplanes zu überlassen, daß die Straßen 
alsbald in der richtigen Anordnung aus dem gewachsenen 
Boden herausgehoben werden. Es konnte im Plane nur 
dafür gesorgt werden, daß diese die Verbindung zwischen 
Kohlenstraße und Räcknitzer Straße in gleichmäßigem 
Gefälle herzustellen, während die Zwischenlinien von ge 
ringem Belang für den Verkehr sind, außer etwa der 
Straße in Verlängerung der rechten Talstraße. Festgehaltcn 
mußte werden die Fortführung nach der linken Talstraße 
und der vom Dorfplatze kommenden Straße und als Neben 
linie die der Parkanlage in der Talsohle. Für den Ver 
kehr der Luftströmungen wird diese Ausschachtung mit 
ihren Villenvierteln zwischen Vierteln mit geschlossener 
Bauweise nicht ohne Bedeutung sein. Jedenfalls ist ein 
Stillstand der Luft weniger zu fürchten, als ein sehr 
starker Zug an den hohen Häuserreihen zu beiden Seiten. 
16. Die Straße westlich von den Dammüllerschen 
Ausschachtungen. 
Die Anlage dieser Straße ist erleichtert durch einen 
von der Räcknitzer Straße aus die Höhe ersteigenden 
kleinen Taleinschnitt. In ihrem nördlichen Teil wurde sie 
auf die Grenze zwischen die beiden Grundstücke gelegt, 
in ihrem südlichen auf das Grundstück des westlichen 
Nachbarn, da die Ausschachtung hier die DammÜllersche 
Grenze bereits erreicht hat. Sie erhält hierdurch eine 
leicht geschwungene Führung, in der sie eine Höhe von 
20 m bei rund 500 m Länge zu ersteigen hat. Die Tiefe 
der bereits vorhandenen Ausschachtungen zwingt zur Auf 
führung von Anschüttungen für die nach den Talstraßen 
führenden Verbindungslinien. Namentlich die südliche von 
diesen hat rund (175—182) 7 m zu ersteigen. Der Umstand, 
daß die Straße somit teilweise hoch über den ausgeschach 
teten Villenvierteln hinführt, wurde dazu benutzt, daß ge 
legentlich Austritte zum Genuß der Aussicht angelegt wurden. 
Trotz der Hochlage der Straße ist es, wie bereits aus 
geführt, nötig, hier noch Nebenstraßen anzulegen, welche 
die Zufuhr zu den Haustüren ermöglichen, weil man dem 
Durchgangsverkehr nicht so starke Steigungen als hier 
nötig und dem Anlieger nicht Ausschachtungen bis zu 4 m 
Tiefe zumuten kann. Es wird daher die Häuserreihe an 
der Westseite dieser Straße teilweise sich mit ihrem Sockel 
9—10 m, mithin mit ihrem Hauptgesims 27—28 m über 
das Vorland erheben, Grund genug, um ihr eine reiche 
Ausgestaltung zu geben. 
17. Das südwestliche Viertel der Flur. 
Die hinter dem Moreaudenkmal liegenden Straßen 
züge wurden so gelegt, daß sie fast in der Horizontalen 
sich bewegen. Bei einzelnen dieser Straßen wirken die 
Verhältnisse der unter 16 beschriebenen Anlage eines 
doppelten Fahrdammes mit ein, indem hier Rampen und 
Dossierungen die Höhenunterschiede vermitteln. 
Auf die Westgrenze wurde eine Straße gelegt, welche 
die Anschlüsse auf Dresdner Flur zu vermitteln hätte, 
Auch hier ist eine endgültige Planung nur im Einver 
nehmen mit der Nachbarflur möglich. 
18. Der Platz am Moreaudenkmal. 
Die Anlage des Platzes selbst ist terrassenartig, dem Ge 
fälle des Hügels gemäß gedacht. Die üble Wirkung der Stern 
plätze, welche bei Anlage dieser in der Horizontale hervor 
tritt, ist daher hier nicht zu befürchten. Dagegen ist allen 
Teilen des Platzes der Genuß des Fernblickes gesichert. 
19. Die Serpentine zur Höhe hinter Räcknitz. 
Die Schrägstraße, welche von der Räcknitzer Straße 
herauf unter dem Platz 18 hinführt, hat vielleicht bei ge 
eigneter Fortführung gegen Westen eine bedeutende Zu 
kunft. Denn mit ihrer Hilfe wird der hinter Räcknitz 
liegende sehr steile Anstieg (1 :12) der Chaussee nach 
Dippoldiswalde bequemer sich überwinden lassen, und 
zwar mit Benutzung der Dresdner Straße. Sollte die An 
lage einer zur Höhe führenden Serpentine von Dresdner 
Seite geplant werden, so wäre für bequemere Verbindung 
der unter dem Moreaudenkmal hinführenden Straße mit 
der Dresdner Straße, namentlich für angemessene Aus 
bildung des Verbindungsstückes der Mockritzer Straße 
zwischen Dresdner und Räcknitzer Straße durch Ver 
längerung der dort angelegten Rampe, Sorge zu tragen. 
Noch ein Schlußwort zur Geschichte desvor nunmehr fast 
10 Jahren entstandenen Planes, den wir heute, den inzwischen 
gewonnenen Erfahrungen gemäß, in manchen Teilen wohl 
anders ausgestaltet hätten. Der Auftraggeber, Herr Fürsten 
berg, starb, ehe die fertige Arbeit abgeliefert werden konnte. 
Es traten andere Ansichten über die Verwendung des Ge 
ländes hervor; die Flur Zschertnitz wurde in die Dresdner 
Flur einverleibt, ein neuer Plan durch die städtischen 
Techniker aufgestellt und von den Behörden genehmigt. 
Diesen Plein stellt Tafel 94 dar. Ich enthalte mich des 
Urteils über ihn, erlaube mir jedoch, die Fachgenossen 
zum Vergleich aufzufordern.
	        
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