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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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stimmte Schule liegt. Da durch die Dammüllersche Zie 
gelei zunächst das westlich vom Einschnitte gelegene 
Grundstück bis auf Straßenhöhe abgetragen werden soll, 
wurde auch eine Verlegung der Straße mehr nach Westen 
in Aussicht genommen, um somit für einen inmitten der 
oberen Hälfte der Flur zu legenden öffentlichen Bau und 
vor diesem für einen Markt einen geeigneten Platz zu 
schaffen. Über die weitere Ausgestaltung der am süd 
lichen Ende der Mockritzer Straße gelegenen Viertel siehe 
unter Nr. 14. 
8. Das alte Dorf Zschertnitz. 
Die beiden Viertel Östlich von der Mockritzer Straße 
und südlich von der Räcknitzer Straße, wie überhaupt für 
die um den alten Dorfplatz gelegenen Grundstücke wurde 
geschlossene Bauweise geplant. Dem alten Platz, den die 
verlängerte Paradiesstraße durchschneidet, wurde eine 
Form gegeben, nach welcher sich zwei verkehrsfreie Drei 
ecke von geschlossener Wirkung ergeben, die für einen 
Marktverkehr geeignet sind. Es ist diesem auch durch die 
entsprechende Anlage des Fahrdammes weiterer Raum 
geschaffen. 
Die anstoßenden Grundstücke, für Häuser von drei 
Hauptgeschossen bestimmt, sind so angeordnet, daß hier 
ein bürgerliches Bauwesen Goden finden kann, dem um 
den alten Dorfplatz gruppierten Teile mithin der Charakter 
eines geschlossenen Vorstadt-Mittelpunktes eigentümlich 
werden kann. 
9. Die Bebauung der nördlichen Hälfte der Flur, 
Im wesentlichen ist für die ganze nördlich von der 
Dresdner und Räcknitzer Straße gelegene Flurhälfte, als 
die Dresden zu gelegene, die offene Bauweise vor 
gesehen. Außer in den Hauptstraßen wird dieser Flurteü nie 
einen starken Verkehr erhalten. Es ist daher auch auf 
diesen keine Rücksicht genommen, vielmehr die Aufteilung 
so vollzogen, daß jeder Grundstücksbesitzer rasch eine der 
Verkehrstraßen erreichen kann, ohne die mit der un 
mittelbaren Lage an solchen verbundenen Nachteile be 
fürchten zu müssen. Im Innern der größeren Villenviertel 
wurde den einzelnen Grundstücken eine kleinere Fläche 
zugewiesen, da hier auch auf einer solchen eine gute länd 
liche Bebauung mit hinreichendem freien Raum für Luft 
und Pflanzen möglich ist, namentlich, wenn die hier un 
nötige Breite des staubgebenden Fahrdammes an den 
Straßen eingeschränkt wird. 
Selbst bei einer sehr großen Ausdehnung der Bebauung 
des Hinterlandes nach südöstlicher Richtung Über die 
Zschertnitzer Flur hinaus mit dichter Bevölkerung, wird 
der Verkehr den hier in Frage kommenden Stadtteil nicht 
treffen, da er schwerlich je den Weg über den Hügel auf 
einer anderen Straße als durch die Unterführung im Zuge 
der Räcknitzer Straße, weiter nördlich aber Über den 
Zelleschen Weg wählen dürfte. Es liegt unseres Ermessens 
nicht im Interesse der Bewohner dieser Stadtgegend, den 
Verkehr künstlich herbeizuziehen. 
10. Parallelstraße oberhalb der Dresdner Straße. 
Eine solche wurde in der Voraussicht angeordnet, daß 
sie auf Dresdner Flur erwünscht sein würde und um zu 
zeigen, wie deren Einmündung in die Räcknitzer Straße 
durch die Rampe der Mockritzer Straße gedacht sei. Es 
würde diese Straße unterhalb des neuen Dresdner Wasser 
werks hinfUhren und dem Anstieg auf die Höhe durch 
diagonale Straßenführung mit zu dienen haben. Eine ab 
schließende Planung ist hier nur in Übereinstimmung mit 
der Stadt Dresden möglich. 
11. Die beiden Talstraßen. 
Um das rechts der rechten Talstraße gelegene, bis 
zum Dorfplatz reichende Viertel gut verwertbar zu machen, 
wurde hier auf Vorgärten verzichtet, während diese im 
oberen Lauf der rechten Talstraße rechts erscheinen. In 
das Tal selbst, dessen natürliche Sohle erhalten bleibt, 
ziehen sich die Gärten hinab, in welche man von der 
Straße aus Einblick behält. Im oberen Verlauf ist die 
Sohle desTales für eine öffentliche Gartenanlage Vorbehalten. 
Die Unke Talstraße ist für den Verkehr von geringerer 
Bedeutung. Auch an ihr sind an der Talseite Villen an 
geordnet, die jedoch der Vorgärten entbehren. Durch 
diese würde die Bebauung verteuert, weil die Anlieger 
gezwungen wären, ihre Kellergeschosse des steilen Ab 
falles der Grundstücke wegen stark aus dem Boden heraus 
zuheben. Der Abschluß der rechten Seite dieser Straße 
ist für einen Monumentalbau vorgesehen, welcher somit 
an der Talstraße, nach deren Verlängerung, und Mock 
ritzer Straße im Mittelpunkt des Verkehrs dieses Stadt 
teiles sich erheben würde. Ein Turm wurde an der Stelle 
angedeutet, wo die wichtigsten Straßenachsen sich kreuzen. 
Von den beiden Verbindungstraßen wurde die untere, 
weil im Zuge der Räcknitzer Straße gelegen, quer durch 
das Tal gelegt. Eine Aufschüttung von etwa 3 m war 
hier auf eine kurze Strecke nicht zu vermeiden, dagegen 
schließt sich die mittlere Verbindungstraße tunlichst der 
Höhenlage an. 
Zur oberen endlich, die im Zuge der Mockritzer 
Straße liegt, würde eine Treppe von rund 3,5 m Höhe hin 
aufzuführen haben. Diese könnte mit einem Restaurations 
gebäude in Verbindung gesetzt werden. 
12. Die Räcknitzer Straße. 
Die Verlängerung dieser Straße gegen Osten bis zu 
der Unterführung unter der Kohlenstraße geschah in einer 
Kurve, welche sich aus der Höhenlage des zu durch 
schneidenden Geländes ergab. Während sie auf dem 
Kreuzungspunkte mit der Paradiesstraße 164 m hoch liegt, 
mußte sie die erste Talstraße mit etwa 159, die linke mit 
158,5 m schneiden, während die Durchführung unter der 
Kohlenstraße durch die vorhandene Ausschachtung auf 
etwa 157 m festgelegt war. Dies war durch die gewählte 
Kurve bei guten Steigungsverhältnissen am besten möglich. 
Zudem dürften die gewählten Ecklösungen eine reiche Ab 
wechslung in den architektonischen Motiven ermöglichen, 
so daß diese Straße eines malerischen Reizes nicht ent 
behren dürfte. 
Es ist nicht undenkbar, daß diese Straße einen starken 
Verkehr erhalten werde, wenn dies gleich schwerlich 
bald eintreten wird. Es wurde daher für Verbindung auch 
nach der Dresdner und Strehlener Straße Sorge getragen, 
so daß dem nach der Unterführung zu leitenden Verkehr 
mehrere bequeme Wege nach diesem Punkte offen stehen. 
13. Der Kirchplatz. 
Über die Axenbeziehungen der Kirche zur Dresdner 
Straße wurde bereits gesprochen. Daß sie selbst nicht in
	        
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