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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Theaterplatzes liegt, würden Treppen und Rampen hinaufge 
legt werden können, etwavier,wie dies inAbb.B,Tafelg3 dar- 
gestellt ist. Über die Anordnung des oberen Platzes und 
seiner Wände wurde bereits gesprochen. Die Bauten zu 
beiden Seiten wurden als symmetrisch zu gestaltende 
große Gruppen mit drei Obergeschossen und Eckaufbauten 
gedacht, um somit die Großartigkeit dieses Knotenpunktes 
und seine Wirkung auf das Gesamtbild zu steigern. 
Der Grundriß der Platzanlage zeigt gewisse, durch die 
zweckmäßige Anordnung der Bäuviertel bedingte Ver 
schiebungen. Diese können auf die schönheitliche Wir 
kung einen schädlichen Einfluß nicht ausüben. Vielmehr 
dürften die Unregelmäßigkeiten in der gewählten Form 
nur zur Belebung des Ganzen beitragen. Namentlich ist 
die Schiefstellung des* oberen Platzes zur Axe der 
Strehlener Straße durch den Wunsch begründet, den An 
blick der Baugruppen in leichter Übereckstellung, also 
nicht in völliger Symmetrie, zu gewinnen. 
Zweckmäßig wäre die einheitliche Gestaltung der kon 
zentrisch zur Mitte des unteren Platzes angelegten Gärten 
durch eine planmäßige Ausschachtung der dem Platze zu 
grunde liegenden alten Tongrube. Ferner wäre durch 
eine die Hauptmaße feststellende Bestimmung eine gewisse 
rhythmische Übereinstimmung der nach innen gerichteten 
Schauseiten der Häuser im Umkreise des Theaterplatzes 
anzustreben. 
4. Der Zellesche Weg und dessen Entlastungsstraße. 
Der Zellesche Weg als Grenzstraße zwischen der 
Dresdner und Zschertnitzer Flur wurde in seiner alten 
Linienführung belassen und nur verbreitert, und zwar auf 
Zschertnitzer Seite je nach Bedürfnis um 12 m oder 
weniger, da er jetzt 5—6 m Breite hat und eine zukünftige 
Breite von mindestens 25 m in Aussicht zu nehmen ist. 
Denn diese Straße dürfte dereinst einen sehr starken Ver 
kehr, auch einen solchen von Lastenfuhrwerk, Straßen 
bahnen u. dgl. zu Übernehmen haben. Die Straße völlig 
gerade anzulegen, lag kein triftiger Grund vor. Im Gegen 
teil ist von ihrer den Bodenverhältnissen angemessenen 
Krümmung ein mehr künstlerischer Anblick zu erwarten, 
wenn die in den inneren Krümmungsflächen und an den 
vorspringenden Ecken zu errichtenden Bauten architek 
tonisch ausgezeichnet werden. Die Bebauung mit drei 
geschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, doch in offener 
Anordnung, ist an dieser Straße gerade wegen des zu er 
wartenden Verkehrs angemessen. Hier dürften Hand 
werker und Kaufleute sich anzusiedeln wünschen, welche 
vom Verkehr Vorteil zu ziehen gedenken und auch von 
den Villenvierteln der Zschertnitzer Flur in Anspruch ge 
nommen werden dürften. 
Dagegen ist die Entlastungsstraße als eine solche für 
den leichten Wagenverkebr und für Fußgänger gedacht. 
Es sind daher schwache verlorene Steigungen als das ge 
ringere Obel gegenüber den starken Anschüttungen an 
gesehen worden, welche eine Anlage mit gleichmäßiger 
Steigung zwischen den sie kreuzenden, meist in der An 
schüttung liegenden Straßen ergeben würden. Die an 
liegenden Grundstücke sind in dem Dresden näher liegen 
den Teile durchweg für Villen mit nur zwei Geschossen 
berechnet. 
Gegen Dresden zu würde eine Gabelung der Straße 
einerseits nach der Dresdner Straße, andererseits in der 
Richtung auf die Reichenbachstraße zu sich nötig machen, 
damit ihr genügender Verkehr zugeführt werde. 
Im allgemeinen war bei der Enttastungsstraße geplant, 
diese zu chaussieren und somit den Gegensatz zu dem im 
Fahrdamm zu pflasternden Zelleschen Weg praktisch fest 
zulegen. Lastverkehr wäre daher von der Entlastungs 
straße auszuschließen, während diese für eine Straßen 
bahnlinie sich sehr wohl eignen würde, 
5. Die Kohlenstraße 
(Josephstraße) und deren Entlastungsstraße. 
Die in ihrem unteren Teile Josephstraße genannte 
Kohlenstraße ist jetzt 6—8 m breit. Sie würde zweck 
mäßig auf 18—30 m verbreitert, wozu die beiden anliegen*- 
den Fluren Landstreifen abzutreten hätten. Die Verhält 
nisse sind hier ähnlich jenen am Zelleschen Weg. Es 
wurde daher an der Kohlenstraße eine stärkere Ausnutzung 
der Grundstücke vorgesehen, während die Entlastungs 
straße wieder mehr für bessere Wohnungen und Villen 
Vorbehalten wurde. Auch hier ist die Kohlenstraße als in 
Zukunft gepflastert, die Entlastungsstraße als chaussiert 
gedacht. 
6. Die Paradiesstraße. 
Diese Straße ist bereits fertiggestellt. Ihre Bebauung 
hat teilweise begonnen. Die bisher geplanten Querstraßen 
wurden tunlichst aufgenommen, doch konnte ihnen nicht 
überall Folge geleistet werden. 
Über die Kreuzung der Dresdner Straße siehe bei 
dieser (Nr, 1). 
Die obere Endung der Straße, wie sie jetzt vorliegt, 
ist nicht günstig, da die Steigung hier sehr stark ist. Da 
aber durch das Zusammentreffen mit der Räcknitzer 
Straße hier ein wichtiger Knotenpunkt entsteht, wurde die 
Paradiesstraße durch die alte Dorfanlage in Verbreiterung 
des bestehenden Weges durcbgelegt und somit ein An 
schluß an die rechte Talstraße geschaffen. 
7. Die Mockritzer Straße. 
Jetzt nur 3 m breit, wurde in einer Breite von 16 m 
angelegt, der Wagenverkehr in ihr findet durch ihre un 
günstigen Steigungsverhältnisse seine Grenzen. Trotzdem 
durfte auf diese unmittelbare und schon heute stark be 
nutzte Verbindungslinie mit Mockritz und dem ganzen 
Hügelkamm nicht verzichtet werden. Doch wurde diese 
Steigung durch Rampen bei Kreuzung der Dresdner 
Straße und kurz vor der Räcknitzer Straße gebessert. An 
letzterer Stelle wurde in die Axe der Straße eine Aus 
sichtsterrasse angeordnet, welche Spaziergängern ein un 
behindertes Verweilen an dieser, einen schönen Fernblick 
gewährenden Stelle ermöglicht. 
Die bei Besprechung des Moreaudenkmal-Platzes er 
wähnte Serpentine zur Ersteigung der Höhe hinter Räcknitz 
wird vielleicht die noch bequemere und breitere Aus 
gestaltung des oben besprochenen Straßenteiles wünschens 
wert. Doch mußte die Erledigung dieser Frage zurück 
gestellt werden, solange über die Ausgestaltung der an 
stoßenden Flur Dresden keine sicheren Unterlagen Vor 
lagen. 
Die Verlängerung der Straße ist durch die gegebenen 
Verhältnisse bedingt und faßt den teilweise schon ange 
legten Rundplatz im Zuge der Kohlenstraße, an welchem 
jetzt eine für die Zschertnitzer und Mockritzer Jugend be
	        
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