Path:
Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
der beiden über Eck einmündenden Schrägstraßen er 
scheint gar nicht so unbedingt notwendig. Immerhin wäre 
auch hier wenigstens die Durchführung des Laubenganges 
erwünscht, der sich vor den Häusern entlangzieht, und 
bis zum Gurtgesims eine leidliche Geschlossenheit und 
damit übrigens auch beim Regenwetter einen gedeckten 
Übergang zu erhalten. Um so notwendiger ist aber die 
Zusammenziehung der beiden Hauptbaukörper durch Über 
bauung der an der Augusta-Anlage gelassenen Öffnung, die 
eine Platzwirkung überhaupt nicht aufkommen läßt, zumal 
damit eine mit der Größe des Friedrichplatzes einigermaßen 
harmonierende Architekturgruppe geschaffen werden kann. 
Nach Mitteilung des Künstlers, von dem auch die 
Unterlagen zur Planbesprechung herrühren, steht die Stadt 
verwaltung dem „Gedanken des Torbaues“ in jeder Hinsicht 
freundlich gegenüber — doch gilt es noch private Wider 
stände zu entkräften. 
Die Bewohner der Augusta-Anlage behaupten, daß 
durch die Ausführung einer solchen Überbauung der Aus 
blick auf den Friedrichplatz gestört und ihre Häuser damit 
entwertet würden. Von anderen wird auch dagegen ins 
Feld geführt, daß man dadurch den Ausblick auf die in 
blauer Ferne erscheinende Bergstraße verdecke. 
Was die erstgenannten Bedenken der Anwohner an 
belangt, so kann eine Entwertung schon um deswillen 
nicht eintreten, weil von .vornherein beim Verkauf der 
Bauplätze vereinbart worden ist, daß der Stadtgemeinde 
das Recht der Überbauung der Augusta-Anlage in der von 
Schmitz vorgeschlagenen Weise Vorbehalten bleibe. Sind 
also die rechtlichenBedenkenhinfällig, so ist zur ästhetischen 
Seite zu bemerken, daß der Anblick eines schönen Gebäudes 
zweifellos eben so viel wert ist, wie der Anblick eines 
Platzes, dessen Bepflanzung bekanntlich in unserm Klima 
sechs Monate lang im Argen liegt, während eine Platz 
fassade unabhängig von der Jahreszeit schön sein kann. 
— Den Ausblick auf den Platz von den Häusern der 
Augusta-Anlage aus, behindert übrigens die mit der Zeit 
immer mehr heranwachsende alleenartige Baumpflanzung. 
Auch geht die Rücksicht auf die Allgemeinheit den privaten 
Interessen voran, da die Schönheit des Platzes und die 
der Augusta-Anlage, die beide von dem Überbau abhängig 
sind, in die erste Linie zu stellen ist. Die weiteren Be 
denken gegen die verminderte Sichtbarkeit des Bergstraßen 
gebirges sind ebenfalls hinfällig, denn gerade durch die 
mit der Überbauung erreichte Umrahmung und Einfassung 
wird die Bergstraße erst recht mit in das Städtebild hinein 
gezogen, eine Ansicht, der jeder beistimmen wird, der sich 
mit der künstlerischen Idee der Umrahmung einmal ernstlich 
befaßt hat. 
Auch der Bepflanzung des Friedrichplatzes lagen Pläne 
des Künstlers zu Grunde, deren Ausführung aber nicht in 
allen Teilen seinen Wünschen entspricht. An der oberen 
Böschungskante war eine geschnittene Baumreihe geplant, 
ebenfalls in der Absicht, die Größenerscheinung des Platzes 
zu mäßigen. Leider sind dazu nur spärliche Anläufe ge 
nommen worden. 
Die vor dem Wasserturme liegende Kaskade und die 
gegenüberliegende Terrasse mit den beiden adlergekrönten 
Pilonen am Eingänge der Augusta-Anlage sind noch Reste 
der ersten Ausgestaltung des Platzes, die mit der Zeit wohl 
auch wieder fallen dürften. Hinter der bastelartigen Ter 
rasse steigt die Überbauung der Augusta-Anlage auf. Sie 
stand aber in dem Modell noch nicht an der Stelle, wo sie 
der Entwurf vorsieht. Es war die richtige Aufstellung, die 
um zwei Joch des Laubenganges weiter zurückgerückt 
gedacht ist, bei dem schon vorgeschrittenen Stande der Aus- 
stellungsarbeiten nicht mehr möglich und so konnte die 
Triumphbogenwand nur um ein Joch gegen den Halbkreis 
des Friedrichplatzes zurückgerückt werden. Denkt man sich 
aber die Anlage an der richtigen Stelle, so entsteht hier 
ein kleiner, an dreiSeitenvollkommen geschlossen wirkender 
Vorplatz, auf dem die Aufstellung eines Denkmals geplant ist. 
Zum Schlüsse ist zu bemerken, daß die Anlage des 
Friedrichplatzes, wie sie heute geworden und zwar stück 
weise geworden ist, in vielerlei Hinsicht zwar ein Kompromiß 
bedeutet — wie der Künstler selbst pessimistisch meint; denn 
in Wahrheit ist die Anlage des Friedrichplatzes doch ein gut 
Stück vorwärts auf dem Gebiete des Städtebaus und sicher 
lich trotz alledem ein Ruhmeszeichen für die Stadtgemeinde. 
Hoffen wir daher das Beste für die weitere Ausgestaltung, 
auf günstige Gelegenheiten, die wie die Ausstellung es er 
möglicht, das runde Wasserbecken mit den beiden Cen 
taurengruppen — vorläufig auch nur als Modelle — auszu 
führen, in Zukunft auch den Plan verwirklichen lassen, 
den Wasserturm mit Säulenhallen in Gestalt eines „Bel 
vedere“ zu umgeben, und die im Lageplan nur punktierten 
Laubengänge auch in der Elisabeth- und Friedrichstraße 
durchzuführen. 
EIN BEBAUUNGSPLAN 
FÜR DIE FLUR ZSCHERTNITZ BEI DRESDEN. 
Von Df. CORNELIUS GURLITT, Dresden. Hierzu Doppeltafel 91/92 und Tafeln 93 und 94. - 
Im Jahre 1898 erhielt ich von der Direktion der 
Dresdner Baugesellschaft den Auftrag, für die Zschertnitzer 
Flur, die die Gesellschaft zum großen Teil eigentümlich 
besitzt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Der Direktor 
Herr Fürstenberg sprach dabei eine Anzahl von Wünschen 
aus, die die Bearbeitung besonders lehrreich zu machen 
versprachen. Nachdem ich mich in meinem Kollegen an 
der Technischen Hochschule, Baurat (jetzt Geh. Baurat) 
Frühling*) eines sachkundigen Mitarbeiters vergewissert 
hatte, übernahmen wir den Auftrag. 
Die Flur Zschertnitz liegt im Süden der Stadtflur von 
Dresden auf einem Höhenzuge, der das Elbtal abschließt. 
Nach Norden schließt das Gelände als Grenze gegen 
*) Vgl. A. Frühling, Bebauungsplan der Flur Zschertnitz b. Dresden. 
Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen 189g, Heft 5. 
1B6
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.