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Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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die sich alle gegenseitig auch nicht störend beeinflussen 
dürfen, wird aber ungefähr die halbe Btirgersteigbreite in 
Anspruch genommen! 
Daß für die wohltätige Baumpflanzung in haupt 
städtischen Straßen kein Raum mehr übrig bleibt, selbst bei 
Bürgersteigen von mehr als 5 m Breite ist schon als ein 
bedauerliches Ding bemerkt. Außerdem ist für eine zu 
künftige Weiterentwicklung des Leitungsnetzes nicht der 
geringste Spielraum mehr gegeben, worauf doch bei einem 
Ausblick auf eine der von Jahr zu Jahr fortschreitende 
Technik wünschenswert Rücksicht zu nehmen wäre. Man 
denke nur an die zwar gegenwärtig bei uns noch nicht 
übliche Zentralheizung für ganze Baublöcke, an besondere 
Trinkwasserleitungen neben der Brauchwasserleitung, 
pneumatische Leitungen usw,, für deren Unterbringung in 
Zukunft vielleicht noch in ganz anderer Weise wie gegen 
wärtig der Fall ist, gedacht werden müßte. Hiernach kann 
Genzmer («Die städtischen Straßen“ Seite 248) nur durch 
aus beigestimmt werden, wenn er nicht nur grundsätzlich 
für die Verlegung der Entwässerungskanäle in den 
Fahrdamm eintritt, vielmehr auch die Verlegung eben 
dahin empfiehlt für Telegraphen- und Telephon 
leitungen, sofern sie in eisernen Muffenröhren unter 
gebracht sind, weiter für pneumatische und elektrische 
Starkstromleitungen ebenfalls in eisernen Schutzröhren, 
Rohrpostleitungen u. dergl., bei welchen Aufgrabungen nahe 
zu ausgeschlossenerscheinen. Nur aufdieseWeise istesmög- 
lich den Bürgersteig zur Unterbringung derjenigen Versor 
gungsleitungen zur Verfügung zu stellen, an denen häufigere 
Ausbesserungen, Auswechselungen und Anschlüsse, über- 
haupt Untersuchungen die schnellere Ausführung wegen 
leichterer Befestigung der Decke als wünschenswert er 
scheinen lassen, — außerdem aber für etwa in Zukunft 
noch zu erwartende Leitungen möglichsten Spiel 
raum zu behalten. Alle übrigen Leitungen, bei welchen 
solche für den Verkehr lästigen Aufgrabungen kaum Vor 
kommen, — aus den voraufgegangenen Erörterungen dürfte 
hinlänglich klargestellt sein, um welche es sich handelt — 
müßten grundsätzlich ihre Aufnahme im Fahrdamm 
finden, wo sie sogar viel ruhiger liegen und die Zufälle an 
der einen Leitung sich auf die benachbarte nicht übertragen. 
Wegen der Einbettung der verschiedenen Rohre in den 
Untergrund und ihrer gegenseitigen Lage zu einander mag 
noch bemerkt werden, daß naturgemäß der Entwässerungs 
kanal den tiefsten Rohrgraben erfordert, da auf die Keller 
entwässerung möglichst Rücksicht genommen werden soll, 
ebenso auch auf die Sohlenlage des die Vorflut gewährenden 
Hauptkanals. Sonst werden nur geringere Tiefen erfordert, 
die geringste für die Kabelleitungen. Aber jede der neben 
einander verlegten Leitungen liegt auf einem anderen Bau 
horizonte! Schon darum muß es als Vorteil erachtet 
werden, wenn durch Hinauslegung der tiefen Baugrube 
für den Kanal nach dem Fahrdamme keine Gefähr 
dung der im Bürgersteig sich drängenden Rohrstränge 
entsteht, deren Verlegung trotz sorgfältigsten Einstampfens 
und Einwässerns den Zustand des Untergrundes ja stetig 
verschlechtert. Bodensenkungen werden dabei zwar nie 
zu vermeiden sein, zumal bei schlechter Bodenbeschaffen 
heit*, aber welche Gefährdung für eine wichtige Rohr 
leitung im Abstande von *4—1 m von der Kante einer 
2—3 m und noch tiefer heruntergreifenden Ausschachtung 
für eine Kanalbaugrube erwächst, wie bei einem Wasser 
rohrbruch die ganze Umgebung in Mitleidenschaft gezogen 
wird, so daß nun erst Aufgrabungen größten Maßstabes 
notwendig werden — das sind allbekannte Erfahrungen, 
die eigentlich zu systematischer Ordnung der Rohrver 
teilung im Straßendamme in anderer Weise hätten führen 
müssen, als wir sie tatsächlich in großstädtischen Straßen 
ausgebildet finden. Der Hauptgrund für die bevorzugte 
Inanspruchnahme der Bürgersteige, möglichst auch für die 
am tiefsten liegenden Entwässerungskanäle, darf wohl 
allein in der gesteigerten Anwendung durchgängiger Be 
tonierung der Fahrdämme für Stampf-, Asphalt-, Holz 
klotzpflaster usw. gesucht werden, deren Aufbruch mit 
allen Folgen allerdings die möglichste Freihaltung dieses 
teuersten Straßenteiles dem Tieibautechniker als Ideal er 
scheinen läßt! — 
Welche Lage man für die Wasserleitungsrohre 
wählt, wenn nun einmal solche im Bürgersteige als 
wünschenswert oder notwendig vorgesehen ist, ist ziemlich 
gleichgiltig. Bei Rohrbrüchen können ebenso leicht die 
Hausgrundmauern unterspült und die Keller durchfeuchtet 
werden bei größerem oder geringerem Abstande von der 
Gebäudefront, zumal es sich doch nur um geringfügige 
Abstände von allenfalls rund 1 m handeln wird. 
Dagegen soll allerdings die Gasleitung niemals un 
mittelbar an die Hausmauern herangeführt werden, da 
erfahrungsmäßig eine unbedingte Dichtigkeit der Gasrohre 
nicht zu erzielen und auch nicht ausgeschlossen ist, daß 
bei solcher Durchlässigkeit, zumal in der kälteren Jahres 
zeit eine ansaugende Wirkung vom kühleren Erdreich 
nach der wärmeren Kellerwohnung eintritt. Andererseits 
wird wie allbekannt, für das Gedeihen einer Baumpflan 
zung das Freihalten des Untergrundes in dem Baumstreifen, 
also zunächst der Bordkante gefordert. Hierzu mag nun 
bemerkt werden, daßinMagdeburg durchaus nicht ungün 
stige Erfahrungen mit Bäumen gemacht sind, die nach Lage 
der Verhältnisse oberhalb einer Gasrohrleitung ge 
pflanztwerden mußten, — allerdings handelte es sich um 
eine hohe Kiesaufschtittung von 5—6 m, die eine strahlen 
förmige Verteilung etwa ausströmenden Gases erleichtert, so 
daß also die Baumwurzeln überhaupt nicht erreicht werden. 
Wenn man bedenkt, daß der Streifen für die Baumpüanzung 
unmittelbar neben der Bordkante nicht mit Pflasterung ver 
sehen zu werden pflegt, allenfalls mit Kies oder mit durch- 
läßiger Mosaikpflasterung, während im übrigen die Bürger- 
steigfläche eine dichtschließende Abdeckung mit Beton als 
Unterlage für die Asphaltierung erhält, so findet doch natur 
gemäß die Ausbreitung des entströmenden Leuchtgases 
immer nach den durchlässigeren Schichten statt, d. h. 
hier nach dem Baumstreifen, so daß die Wurzeln doch 
mittelbar erreicht werden. Bei etwaiger Undichtigkeit der 
Gasrohrleitung wird in dem nicht befestigten Teile also 
sogar die größte Entlüftungsmöglichkeit für den Untergrund 
gewährleistet! Damit soll nun keineswegs einer Anord« 
nung der Gasrohrleitung unter den Bäumen das Wort 
geredet werden! Wenn es die Verhältnisse irgend ge 
statten, wird die größtmögliche Entfernung wohl immer 
— nicht nur vom Gartentechniker — vorgezogen werden; in 
Wirklichkeit dürfte aber der nachteilige Einfluß einer Gas 
leitung bei dem so wie so stark verunreinigten Untergründe 
eines Bürgersteigs überschätzt werden und nicht die Ge 
fährlichkeit, selbst für eine darüber stehende Baumreihe 
besitzen, sofern bei Verlegung der Leitung mit besonderer
	        
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