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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
ISO 
zu erhalten. Für den Fußgängerverkehr pflegen iro Weich 
bilde der Großstädte zwei Wege von je 3 bis 4 m Breite 
auszureichen. Durch besondere Promenadenwege werden 
jene Fußwege nur wenig entlastet. Namentlich dort 
sind sie für den „Verkehr“ bedeutungslos, wo Schauläden 
an den Hauptverkehrsadern sich befinden. Für die noch 
schüchtern bebauten Außengebiete bedürfen die Fußwege 
in der Regel nur einer Breite von etwa 2 m, sobald hier 
Vorgärten sich befinden, die später ganz oder zum 
Teil zur Erbreiterung der Fußwege eingezogen werden 
dürfen. 
Für die übrigen Verkehrsadern (Nebenverkehrs 
und Geschäftsstraßen) genügen wesentlich geringere Ab 
messungen des Fahrwegs, während die sonstigen Maße 
kaum einer Veränderung bedürfen. 
Der Geschäftstraße schadet ein zu großer Gebäude 
abstand.*) Da alle „Verkehrsadern“ mit der Zeit zu solchen 
sich umzuwandeln pflegen, so darf mit der Bemessung 
ihres Fahrwegs nicht über das wirkliche Bedürfnis hinaus 
gegangen werden. In den eigentlichen Geschäftstraßen 
flutet in der Regel hauptsächlich der Personenverkehr, 
während der Wagenverkehr nur selten große Flächen be 
ansprucht Wie weit Fahrräder, Automobile und Straßen 
bahnen der Berücksichtigung bedürfen, kann nur im Einzel- 
fall entschieden werden. 
Für die „herrschaftlichen“ Wohnstraßen sind 
Fahrbahnbreiten von 7,5 m als Mindestmaß zu bezeichnen. 
Die lebhafte Zunahme der Automobile läßt es sogar als 
wahrscheinlich erscheinen, daß dieses Maß für die Zu 
kunft nicht überall ausreichen wird, vielmehr in Groß 
städten 10 m als ein angemessenes Durchschnittsmaß min 
destens für diejenigen Wohnstraßen anzusehen ist, welche 
der reicheren Bevölkerung Ansiedlungstätten eröffnen. 
Gleise sollten in Wohnstraßen überhaupt nicht geduldet 
werden, weil der von den Motorwagen ausgehende Lärm 
als gesundheitswidrig bezeichnet werden muß und gerade 
in sonst ruhigen Straßen zur unangenehmsten Wirkung 
gelangt, während der Gesamtlärm der Verkehrsadern ihn 
nur wenig hervortreten läßt. Für die Fußwege pflegen 
*) Die Erfahrung lehrt, daß eine Geschäftstraße nur so breit sein 
darf, um von jedem Fußwege noch die beiderseitigen Schauläden über 
blicken zu können, wenn sie ihren Zweck vollkommen erfüllen soll. 
Breiten von 1,5 bis höchstens 2 m auszureichen; besondere 
Radfahrwege nur ausnahmsweise ein Bedürfnis zu sein. 
Stets empfiehlt sich (in der Ebene) für schmal angelegte, 
z. B. auf das Mindestmaß gebrachte Straßen dieser Art 
Vorgartenanlage von größtmöglicher Breite, um später im 
Ertordernisfalle einen Teil derselben Verkehrszwecken 
dienstbar zu machen. 
Für die Wohnstraßen der auf mäßiges Ein 
kommen angewiesenen Bevölkerung reicht eine 
Breite des Fahrwegs von 7,5 m stets aus, für die Klein 
wohnungsstraßen eine solche von 5 m einschließlich 
des für Fahrräder erforderlichen Raumes, deren Bedürf 
nissen die Pflasterungsart dieses Straßenteiles entsprechen 
sollte. Die Fußwege dürfen in diesen Straßen dagegen 
nicht unter zusammen 4 m angelegt werden, weil der 
Personenverkehr in ihnen zu gewissen Tageszeiten ein 
ungemein hoher werden kann und die dichtere Besiedlung 
dieser Straßen an sich eine Erhöhung des Personenverkehrs 
(gegenüber den „herrschaftlichen“ Wohnstraßen) ergibt. 
Wo Zweifel über den zu gewärtigenden Anbau und 
Verkehr walten, empfiehlt es sich, die Breite der befestigten 
Straßenteile nicht über das sicher zu erwartende Bedürfnis 
hinaus anzunehmen, dagegen durch Parkstreifen- oder 
Vorgarten-Anlage die Möglichkeit der späteren Erbreite 
rung zu schaffen, welche erst nach der Abnutzung des 
ersten Pflasters sich notwendigzu erweisen pflegt. Besondere 
Aufwendungen für die Umänderung werden daher nur in 
seltenen Ausnahmefällen als notwendig sich erweisen, 
während ein zu großes Ausmaß volkswirtschaftliche Nach 
teile im Gefolge hat. 
Die Promenadestraßen, welche aus der Stadt in 
reizvolles Gelände oder zu großen Parkanlagen führen, 
müssen auch für ihre dem Verkehr dienenden Teile Aus 
maße erhalten, welche denen der Hauptverkehrsadern ent 
sprechen. Allerdings wird diese Verkehrsbreite nur an 
Feiertagen zum Erfordernis werden, die Pflasterart kann 
daher einer wesentlich geringeren Inanspruchnahme gemäß 
gewählt werden,*) nicht aber darfeine Breitenbeschränkung 
stattfinden. Sie würde bald große Nachteile im Gefolge 
haben. 
*) Der Verkehr schwerer Lastfuhrwerke findet hier in der Regel 
nicht statt. 
NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 
Besprochen von Dr. RUD. EBERSTADT, Berlin. 
E WALD GENZMER, Über die Entwickelung des Wohnungs- 
wesens in unseren Großstädten und Vororten; Hochschulfestrede. 
25 S. 8°, Danzig, 1906. 
D IE MANNHEIMER WOHNUNGSFRAGE UND DIE 
BAU- UND BODENPOLITIK DER STADTGEMEIN 
DE, Denkschrift des Oberbürgermeisters Beck, Mannheim 1906. 107 S. 
gr. 8 
O EHMCKE, TH,, Bauordnung für Großstadterweiterungen undWeit- 
räurnigkeit mit besonderer Berücksichtigung Berlins, Berlin 190S, 
35 S. 8». 
K ALCKSTEIN, W. VON, Die im Deutschen Reiche erlassenen 
Vorschriften über Benützung und über Beschaffenheit von Wohnungen, 
Auf Grund der Sammlungen des Bremer Sozialen Museums bearbeitet. 
Bremen 1907. 
Wenn die Oenzmer’sche Schrift sich nicht selber als Abdruck einer 
Festrede bezelchnete, so würde man sie schwerlich als eine Gelegenheits 
arbeit erkennen; denn sie enthält Gedanken und Anregungen von allge 
meinem und dauerndem Wert. Ihrem Inhalte nach beschäftigt sich die 
Schrift zunächst mit den allgemeinen städtischen, weiterhin mit den ört- 
liehen Danziger Bau- und Wohnungsverhältnissen. Genzmer schildert die 
Nachteile und Gefahren der Zusammendrängung der Bevölkerung. Die 
Mittel der Abhilfe sucht er auf drei Hauptgebieten: Verkehrswesen, Be 
bauungsplan, Bauordnung. Leistungsfähige Verkehrswege und Verkehrs
	        
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