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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
104: 
technische und Verwaltungsapparat einer großen Gemeinde 
zu erfüllen hat. 
In erster Linie soll der Stadtplan iür die Aufstellung 
von Bebauungsplänen dienen. Diese müssen nicht nur 
geometrisch genau, sondern auch übersichtlich sein 
und außer all den Angaben der Katasterkarte auch alles 
enthalten, was für die Festlegung von neuen Straßenflucht 
linien wichtig ist, also vor allen Dingen Höhenkurven, 
dann die Darstellung des Zustandes von vorhandenen 
Straßen, Wegen und Plätzen bezüglich ihrer Breiteneintei 
lung, ihrer Bepflanzung, etwaiger Straßen- oder Klein 
bahnen, alter Be- und Entwässerungsleitungen usw. usw. 
Mit Rücksicht auf diese Ausführlichkeit der Bebauungs 
pläne und zugleich auf ihre unerläßliche Übersichtlichkeit 
wird man in Zweifel geraten können, welchen Maßstab 
man zu wählen haben wird. Da die förmlich festgesetzten 
Fluchtlinien den Charakter zukünftiger und im großen und 
ganzen unveränderlicher Eigentumsgrenzen haben, werden 
sie örtlich abgesteckt, genau in ihren Festlegungsmaßen 
ermittelt und mit diesen in die Vermessungsurkunden und 
die städtischen Ausfertigungen der Katasterkarte eingetragen 
werden müssen. Für sie also noch besondere großmaßstäb- 
liche Pläne anzulegen, erscheint demnach überflüssig. 
Es genügt aus diesen Erwägungen heraus in der Tat 
auch, den Bebauungsplan und damit den Stadtplan 
überhaupt im Maßstabe j : 2000 herzustellen. Dieser Maß 
stab reicht gerade noch aus, alles das graphisch deutlich 
erkennen zu lassen, was vorhin als für den Bebauungsplan 
erforderlich bezeichnet wurde, und gibt, namentlich bei 
kleineren Gemeinden eine gute Übersicht, die sich im letz 
teren Falle über die ganze Gemarkung auf einem einzigen 
Planblatte im gewöhnlichen Großadlerformat (66 cm zu 
100 ccm) erstreckt. Die zeichnerische Darstellung des Be 
bauungsplanes richtet sich ganz nach den bezüglichen mi 
nisteriellen Bestimmungen. 
Ist der Bebauungsplan in allen Einzelheiten förmlich 
festgesetzt, so muß er mit den festgesetzten Linien verviel 
fältigt werden. Auf die Vervielfältigung dieser und der 
anderen Vermessungswerke kommen wir später zurück. 
Der Druckplan 1 : 2000 ist nun der eigentliche Hand - 
plan für alle Zweige der Stadtverwaltung. Er wird zur 
Ausarbeitung aller Entwürfe benutzt, die nicht — wie 
z, B. die Grundrisse von Gebäuden — mit allen gering 
fügig 611 Einzelheiten maßstäblich genau schon im Lage- 
plan dargestellt werden müssen, sondern ihre Ergänzung 
durch Längen- und Querproflle erhalten; er dient als 
zeichnerische Erläuterung bei der Abfassung städtischer 
Kauf- und Pachtverträge; alle geplanten Unterneh 
mungen der Stadt werden auf ihm nach Bedarf kenntlich 
und den städtischen Kollegien verständlich gemacht werden; 
er ist dem Publikum als Druckplan käuflich zugänglich 
und leistet ihm dieselben Dienste wie der Gemeinde. Kurz, 
ohne ihn kann recht eigentlich gar nichts unternommen 
werden. 
Reicht er einmal irgendwo nicht aus, so dient ein 
Ausschnitt aus der ungedruckten Katasterkarte 1 :500 oder 
ein Druckhandriß 1 :200, die für den besonderen Zweck 
aus den Vermessungsurkunden vervollständigt werden, zu 
seiner Ergänzung. Aber so vielen Ansprüchen der Stadt 
plan auch genügen muß, allen vermag er doch nicht ge 
recht zu werden; wo er versagt, kommen 
c) Die Bau- und Betriebspläne 
zu ihrem Rechte. 
Diese sind namentlich für den städtischen Hochbau 
und für die Einzelheiten der Ingenieurbauwerke 
aller Art, namentlich aus dem Gebiete der Kanalisation, 
des Brücken- und Schleusenbaues, der Straßenbahn u. a. 
notwendig und werden, je nach dem Zwecke, entweder 
aus ergänzten Abzeichnungen der Katasterkarte 3 : 500 oder 
der Handrisse 1 :200 oder aus ganz neuen Sonderkartie 
rungen in einem noch größeren Maßstabe (1 :100 bis 1:50) 
gewonnen. Die zahlenmäßige Aufnahme und die Berech 
nung aller Klein- und Grenzpunktkoordinaten gestattet eben 
die jederzeitige bequemste und genaueste Kartierung jedes 
beliebigen Planteiles in jedem beliebigen Maßstabe, ganz 
dem jeweiligen Bedürfnis entsprechend. 
Von besonderer Bedeutung unter diesen Bau- und Be 
triebsplänen sind die Streckenpläne der Kanalisa 
tion. Sie entstehen dadurch, daß der fertige Kanalrohrbau 
vor Zuschüttung der Baugrube mit allen Einzelheiten genau 
von seiner Axe aus — die wieder anderweitig iestzulegen 
ist — aufgemessen und in Straßenplänen 1:500 dargestellt 
wird, auf denen auch die angrenzenden Grundstücke auf 
10—20 m Tiefe von der Bauflucht ab kartiert sind. Die 
Mittellinie des Kanalrohrbaues wird vom Auslauf der be 
treffenden Strecke aus, der Steigung folgend, stationiert 
und auf diese Stationierung jeder — auch der kleinste - 
besondere Bauteil, z. B. die Stutzen der Regenrohre, der 
Gullys, der Lampenschächte usw. rechtwinklig bezogen. 
Alle Maße müssen aus dem Streckenplan ohne Mühe so 
fort ersichtlich sein. Auch diese Pläne werden umgedruckt. 
Für die Darstellung der Wasserleitung, der elek 
trischen Leitungen, der Gasleitungen usw. genügen 
entsprechend ergänzte Abdrücke des Stadtplanes 1:2000; 
zur Abrechnung der Straßenregelungs- (pflaster-) 
arbeiten nimmt man gewöhnlich Pläne 1:500 mit ent 
sprechender Farbenabtönung der einzelnen Pflaster- und 
sonstigen Befestigungsarten. 
Viel Arbeit und Sorgfalt erfordern die Entwurfs 
pläne für etwaige Fluß- und Hafenbauten. Für ihre 
genaue Herstellung sind Stationierungen an beiden Ufern, 
die Richtung von der Quelle nach der Mündung verfol 
gend, und neben den Lageplänen eingehende Profilpläne 
notwendig. Auch hier genügen für die Darstellung der 
Situation und der Profillängen die Stadtpläne. 
d) Lagerbuch und LagerbuchplAne. 
Über den gesamten Grundbesitz der Stadt muß ein 
Lagerbuch geführt werden, zu dem wiederum Pläne ge 
hören, auf denen der jeweilige Stand des Gemeindeeigen 
tums übersichtlich dargestellt ist. Man nimmt dazu am 
besten Nachzeichnungen der Katasterkarte und zur größeren 
Übersicht einen Ubersichtsplan, auf den wir noch nachher 
zu sprechen kommen. 
Das Lagerbuch enthält gewissermaßen die Kaufs- und 
Wertentwicklungsgeschichte eines jeden der Stadt noch 
gehörigen oder früher zu eigen gewesenen Grundstückes. 
III. Die Höhenmessungen und die Höhenpläne. 
Ebenso wichtig wie ein guter Lageplan ist auch ein 
zuverlässiger Höhenplan für die Stadtverwaltung. Ja, die 
meisten Gemeinden behelfen sich viel länger ohne eine 
Neuvermessung des Stadtgebietes mit den dürftigsten und
	        
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