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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
BÜCHERSCHAU. 
B auzeitung für Württemberg, baden, Hes 
sen, ELSASS-LOTHRINGEN. IV. Jahrgang 1907. Ge 
schäftsstelle ; Stuttgart, Büchsenstr. 26 B. Bezugspreis bei der Post 
vierteljährlich a M. 
B aupolizeiliche Mitteilungen, iv. Jahrgang i 9 o 7t 
Herausgegeben von Senator Dr. Tlathner, Hannover. Verlag von 
Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin W. 66. Preis jährlich 8 M. 
K UNSTWART, Halbmonatsschrift, Herausgeber F. Avenarius. 
Jahrgang XX, 1907. Verlag von Georg D. W. Callwey, München. 
Preis vierteljährlich 3,50 M. 
ÜHRER ZUR KUNST, herausgegeben von Dr. Herrn. Popp, 7: 
Die Ausbildung des Künstlers von Dr. Hans Schmidkunz. 
Verlag von Paul Neff (Max Schreiber, Eßlingen 1907. Preis 1 M. 
AS BÜRGERHAUS IN DER SCHWEIZ, Ein Aufruf, her- 
ausgegeben im Aufträge des Schweiz. Ingenieur- und Architekten 
vereins. 1907. SchultheD & Co., Zürich, Preis: geh. 3 Frcs, 
W IE IST DIE SCHAFFUNG VON GROSS-BERLIN 
DURCHFÜHRBAR? Vortrag von Theodor Köhn, Stadt 
baurat a. D, Berlin, Carl Heymanns Verlag 1907. Ladenpreis 0,60 M. 
A RBEITSVERTRÄGE FÜR DAS BAUGEWERBE von 
Architekt B. D. A. Emil Beutinger. Verlagsanstalt Alexander Koch, 
Darmstadt. Preis geh. 6 M. 
ANTWORT AUS DEM LESERKREISE. 
u der im fünften Hefte des laufenden Jahrganges enthaltenen An 
frage aus SCHMALKALDEN gestatte ich mir folgendes mit 
zuteilen. 
Auch hier In Lübeck sind bis in das 19. Jahrhundert hinein die 
Häuser fast ausschließlich mit hohem Dache versehen und mit dem 
Giebel an die Straßenfront gestellt worden; die in Schmalkalden viel 
fach vorkommenden „Winkel“ sind hier sehr selten und dann auch 
stets straßenwärts geschlossen. In der Regel stoßen also hier die Ge 
bäude mit seitlichen Brandmauern aneinander oder es sind gemein 
schaftliche Brandmauern vorhanden. Die Rinnen sind entweder ge 
meinschaftliche, selbst bei getrennten Brandmauern, oder es sind für 
die beiden Nachbarhäuser besondere Rinnen vorhanden, und zwar 
manchmal auch bei gemeinschaftlichen Brandmauern, 
Die einander zugeneigten Dachflächen haben selten Durchbrechungen 
erhalten, meistens sind bei jedem Hause nur ein oder zwei Dachluken 
angeordnet worden, die einen Austritt auf die Rinne ermöglichen, 
.Bemerkt muß werden, daß die Dachböden früher nicht geteilt waren, 
sondern in ganzer Ausdehnung zum Lagern von Waren usw. benutzt 
wurden, daher reichten für die Beleuchtung der einzelnen Dachgeschosse 
die in den Vorder- und Hintergiebeln angebrachten Fensteröffnungen aus. 
Das Bestreben, die Dachgeschosse, die ihrer früheren Zweckbe 
stimmung infolge der veränderten Verkehrsverhältnisse meistens ent 
zogen wurden und leer standen, besser auszunutzen, hat dazu geführt, 
bewohnbare Räume wenigstens in dem ersten Dachgeschoß anzulegen, 
wobei es Infolge der großen Tiefenausdehnung der hiesigen Grundstücke 
unvermeidlich wurde, die Dachflächen durch Lichtöffnungen zu durch 
brechen, die zum Teil recht erhebliche Ausdehnung zeigen. Bel neue 
ren Privatbauten ist leider nur ausnahmsweise das hohe Ziegeldach 
angewandt worden; meistens werden jetzt auch ln dem Gebiete der 
alten Stadt die Häuser mit hohen seitlichen Brandmauern errichtet 
und mit flachem Dach eingedeckt, obwohl die hiesige Bauordnung vom 
25. Mai 1903, wie auch die früheren Bauordnungen von 1865 und 1881, 
keine Bestimmung enthält, welche die Anlage von Giebelhäusern ver 
hindert. 
Die in anderen Bauordnungen enthaltene Vorschrift, daß Dach 
flächen nicht dem Nachbargrundstücke zugeneigt werden dürfen, besteht 
hier nicht, und über die Ausbildung von Brandmauern besagt § aa,a 
der Bauordnung folgendes: „Brandmauern, welche an ein Nachbar 
gebäude grenzen, müssen wenn sie keine Rinnen tragen, minde 
stens 30 cm höher als die Fläche der beiden Dächer oder des niedri 
geren derselben aufgeHlhrt und mit feuersicherem Stoff abgedeckt wer 
den“. Es sind also Rinnen tragende Brandmauern gestattet. Aber es 
wird, wie gesagt, trotzdem von der gegebenen Möglichkeit, Giebel 
häuser mit nebeneinander liegenden Satteldächern zu errichten, nur 
selten Gebrauch gemacht. Was die Feuersicherheit der einander zugekehr 
ten Dachflächen betrifft, so kann ich, da ich auch Leiter der hiesigen Be 
rufsfeuerwehr bin, wohl ein Urteil darüber abgeben, das dahin geht, daß 
selbst bei steilen Dächern, die mit gebrannten Dachsteinen eingedeckt sind 
(Dachpfannen, Biberschwänzen und ähnl.) eine ausreichende Sicherheit 
gegen Übertragung eines Feuers gewährleistet ist. Selbstverständlich kann 
es selbst bei guter und schneller Peuerlöschhllfe einmal Vorkommen, 
daß ein oder das andere Nachbargebäude bei einem Brande eines 
danebenliegenden Giebelhauses in Mitleidenschaft gezogen wird. Während 
meiner hiesigen zwölfjährigen Praxis ist es aber selbst bei den schwie 
rigsten Verhältnissen stets gelungen, ein erhebliches Übertreten des 
Feuers zu verhindern; dabei haben die nach den Rinnen führenden 
Aussteigeluken in der Regel dazu gedient, einen Standpunkt zur Be 
kämpfung des Feuers zu gewinnen. Nur dort, wo die Dachflächen 
der Nachbargebäude durch grosse ungeschützte Öffnungen und Aus 
bauten durchbrochen waren, fand einige Male das Feuer Gelegenheit, 
sich auch auf diese Gebäude, wenn auch in geringem Umfange, aus 
zudehnen. Es müssen nach der jetzt geltenden Bauordnung sämtliche 
in der Dachfläche befindliche Anlagen, wie Fenster, Ausgänge usw. 
von unverbrennliehen Stoffen hergestellt oder von außen damit be 
kleidet werden. Wie es sich mit der Sicherheit bei Dächern mit 
deutscher Schieferdeckung verhält, kann ich nicht beurteilen, da mir 
darüber die Erfahrung fehlt. Ein mit englischem Schiefer eingedecktes 
Dach bietet jedenfalls geringere Sicherheit als ein Ziegeldach. 
Ein Nachteil ist allerdings mit den nebeneinander liegenden Sattel 
dächern verknüpft, das ist die Entstehung der dazwischen liegenden 
tiefen Kehlen, in denen sich der Schnee sehr leicht aufhäuft, der beim 
Tauen dann häufig Nässe in die Gebäude elndringen läßt. Selbst bei 
starken Regengüssen kann bei Hindernissen in den Rinnen leicht das 
Wasser in die Gebäude elntreten. Doch ließen sich jedenfalls Maß 
nahmen treffen, die diesen Übelstand beseitigen oder doch auf ein sehr 
geringes Maß zurückführen. 
Von bautechnischem sowie bau- und feuerpolizeilichem Stand 
punkt ist gegen nebeneinander Hegende Satteldächer der Giebelhäuser 
nicht viel einzuwenden, so daß Vorschriften, die Ihre Ausführung 
unmöglich machen, zu entbehren sind, 
Wenn daher nicht, wie es leider hier der Fall Ist, der leichteren 
und besseren Raumausnutzung wegen die Ausführung der Giebelhäuser 
unterbleibt, bau- und feuerpolizeiliche Gründe stehen ihr nicht oder 
doch nur in unerheblichem Maße entgegen. 
Etwas anders, scheint es mir, verhält es sich mit den „Winkeln“. 
Derartige Zwischenräume haben sovlele Mängel hygienischer und, 
wenn sie gegen die Straßen offen sind, auch sleherheltspolizeillcher 
Natur im Gefolge, daß gegen ihre Anwendung doch sehr erhebliche 
Bedenken obwalten müssen. 
Baurat Deditius, Lübeck. 
Verantwortlich für die Schriftleitung; Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Emst Wasmutb A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 35. 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W. 60. — Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin W. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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