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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Es sei nur erwähnt, daß zwischen die Blockpolygon- 
ztige noch Messungslinien der verschiedensten Art gelegt, 
daß deren Schnitt- und Endpunkte als sogenannte „Block 
kleinpunkte“ vermarkt und berechnet werden und daß 
also, ehe es zur unmittelbaren Einmessung der gegebenen 
Lage kommt, ein immer enger werdendes Liniennetz ein 
zurichten und zu vermarken ist, das — von dem Haupt 
dreiecksnetze ausgehend — Maschen von 3000 m bis zu 
10 m Seitenlänge hinab aufweist und, wenn es von einem 
einzigen Landmesser bearbeitet würde, allein eine Lebens 
aufgabe voll von ununterbrochener angestrengtester kör 
perlicher und geistiger Arbeit darstellen würde. 
Früher mußten alle diese ausgedehnten und dabei 
meist mit der Schärfe von Millimetern durchzuführenden 
Rechenarbeiten mit Logarithmentafeln erledigt werden. 
Seitdem aber die Rechenmaschine ihre moderne Ver 
vollkommnung erfahren hat und seitdem sie neben dem 
Rechenschieber bei der Stadtvermessung von Hannover 
zum ersten Male im ganzen Umfange auf alle Rechen 
arbeiten des Landmessers Anwendung gefunden hat, ist es 
gelungen, die Rechenwege zu verkürzen und trotzdem 
mehr als früher alle wichtigen Punkte der Aufnahme, also 
namentlich auch die Grenzpunkte, rechnerisch in Koordi 
naten festzulegen. Denn der wichtigste Gegenstand der 
Stückvermessung bleiben doch 
d) Die Eigentumsgrenzen. 
Bevor diese aufgenommen werden können, müssen sie 
erst „festgestellt“ und vermarkt werden, da sonst die spä 
teren Karten keine Beweiskraft vor Grundbuch und Ge 
richt haben würden. 
Die Grenzfeststellungen sind eines der schwierig 
sten und verantwortungsreichsten Arbeitsgebiete des Stadt- 
vermessungsingenieurs. Denn draußen in der freien 
Feldlage müssen sie auf, oft ein Jahrhundert alte, Ver- 
koppelung-sreresse und -karten zurückgreifen; in 
ehemaligen Dorflagen sind die vorhandenen Grund 
steuergemarkungskarten und die vielfach recht ver 
zwickten Gerechtsamen aus den früheren Bauernschaften 
und in der Stadt selbst längst vergessene, nur noch in 
den Archiven auffindbare Baugesetze- und Baupolizei 
ordnungen aus früheren Jahrhunderten für die Grenzen 
von meistens ausschlaggebender Bedeutung, ganz abgesehen 
von den unzähligen „materiellen Irrtümern“, die über 
all — fast bei jedem Grundstücke — im vorhandenen Ka 
taster und Grundbuch herumspuken und nur durch ausge 
dehnte, sorgfältigste Untersuchung, Prüfung aller etwa beige 
brachten Privaturkunden und durch die schwierige Einigung 
aller Interessen aus der Welt geschafft werden können. 
Jedenfalls verursachen die Grenzfeststellungen und die 
Aufnahme der zur Berichtigung von Kataster und Grund 
buch unerläßlichen Grenzverhandlungen in der Haupt 
sache ebensoviel Arbeit wie die eigentliche Messung. 
e) Die Vermarkung. 
Dreiecks-, Polygon-, Block-, Klein- und Grenzpunkte 
müssen vor allen Dingen, sollen sie dauernde Bedeutung 
haben, gut vermarkt werden. Die Vermarkung richtet 
sich nach der Beschaffenheit der Örtlichkeit und 
dem Werte der Punkte. Am sorgfältigsten sind die 
Dreiecks-, die Polygon- und die Grenzpunkte zu ver 
marken. Wb die ersteren als sogenannte „exzentrische“ 
(außerhalb der Mitte einer trigonometrischen Vermessungs 
stelle belegene) Punkte auf den Galerien von Türmen und 
Kuppeln liegen, während die eigentliche Mitte in der Turm 
spitze befindlich ist, werden sie durch senkrecht einzemen 
tierte oder eingebleite Zinn- oder Messingbolzen versichert, 
bei denen der genau eingemessene Funkt durch ein senk 
rechtes, 2—5 mm weites und etwa 5 cm tiefes Loch ge 
kennzeichnet ist. 
Zu ebener Erde versichert man die Dreieckspunkte 
außerhalb der bebauten Stadt mit etwa 1,0 m hohen 
und 25—30 cm breiten Steinsäulen aus Sandstein oder 
Granit, deren Querschnitt geviertförmig ist und die im 
unteren Ende stärker sind als im oberen. In letzterem ist 
ein senkrecht — in der Längsaxe des Steines — stehender 
verzinnter Eisenbolzen von 5 cm Durchmesser und 8 bis 
10 cm Länge mit einem senkrechten Loche von 1 cm lichter 
Weite und ungefähr 5 cm Tiefe eingelassen, dessen Kopf 
abgewölbt über den Stein emporragt und die eingegossene 
laufende Nummer des Punktes trägt, (Abbildung 3.) Der 
Stein steht etwa 25 cm über die Erdoberfläche hinaus. 
Unter dem Stein wird zuvor ein 30 - 50 cm langes und 
3 cm weites Stück Gasrohr senkrecht in den Fußboden 
getrieben, dessen Längsachse mit der Achse des Stein 
bolzens in einer Senkrechten liegen muß. Der höchste 
Punkt des Bolzens wird später einnivelliert. Eben 
so werden im Felde und auf ungepflasterten Straßen die 
Polygonpunkte vermarkt. 
Innerhalb der bebauten Stadt wendet man für die 
Vermarkung der Dreiecks- und der Hauptpolygonpunkte 
überall dort, wo nicht betonierter Asphalt oder betoniertes 
Reihenpflaster vorhanden ist, sogenannte Vermarkungs 
kasten an. Diese bestehen aus zwei Teilen: einem unge 
fähr 70—100 cm langen und 5—7 cm starken Gußeisenrohr 
und einer gußeisernen Schutzkappe, die beide in Abb. 4 
näher dargestellt sind. Für den Deckel, der abzunehmen 
geht und die eingegossene laufende Nummer des Punktes 
trägt, muß ein besonderer Schlüssel vorhanden sein. Der 
zu vermarkende Punkt liegt in der senkrechten Längsaxe 
des Eisenrohres unter der Erde. 
Im Asphalte dienen zur Vermarkung dieser Punkte ein 
fach die in Abb. 3 bezeichneten Bolzen, die mit Zement 
guß eingelassen werden, so daß die Abwölbung mit der 
Nummer über die Asphaltfläche hinausragt. Auch in Sand 
steinschwellen, Saumquadern usw. wendet man die gleiche 
Vermarkung an. 
Da nun die Straßenkörper in ununterbrochener Bewe 
gung sind und deshalb auch die zuverlässigste Vermarkung 
vor Verschiebungen nicht sicher ist, von denen gerade die 
jenigen um einige Zentimeter bis zu einem Dezimeter 
wegen ihrer geringen Auffälligkeit die gefährlichsten sind, 
so ist bei diesen wichtigen Netzpunkten außer der un 
mittelbaren Vermarkung noch eine mittelbare notwendig. 
Diese mittelbare Vermarkung besteht darin, daß man 
die Dreiecks- oder Polygonlinien über die Brechpunkte 
hinaus bis an die Häuser verlängert und dort die Ver 
längerungen durch kleine gußeiserne Bolzen versichert, die 
wagerecht in die Wand eingelassen werden. Sind die 
Brechungswinkel der Linien zu schwach, so daß also die 
Verlängerungen zu lang werden würden, so konstruiert 
man im Brechpunkte senkrecht zu einer der dort zusammen 
treffenden Linien einen rechten Winkel und vermarkt dessen 
Schnitte mit den Hauswänden wie zuvor.
	        
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