Path:
Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
SS 
Darstellungen früherer Lagen in einem später ange 
fertigten Kartenbilde geben. Willkürlich gemachte Sam 
melbände, wie sie namentlich in älterer Zeit leider beliebt 
waren, bereiten dem Kartenbibliothekar besondere Schwie 
rigkeiten; unser Verfasser empfiehlt im allgemeinen Rück 
sichtslosigkeit gegen sie. Die Übersichtlichkeit der Real 
kataloge verlangt natürlich eine besondere Aufmerksam 
keit, zumal bei der oft so großen Anzahl von Karten 
blättern eines einzigen Kartenwerkes. So hören wir z. B., 
daß in der Königlichen Bibliothek der Supplementkatalog 
für die 3699 preußischen Meßtischblätter allein einen statt 
lichen Folioband von fast 400 Seiten bildet. (Daß Meß 
tischblätter, auch solche zu 1:25000, und natürlich erst 
recht Generalstabskarten, für den Bedarf an Kenntnis von 
Städten einen weitaus zu kleinen Maßstab haben, sei hier 
zur Sicherheit nochmals erwähnt.) 
Ist endlich das systematisch geordnete Zettelmaterial 
für die Anlegung der Realkataloge benutzt, so wird seine 
systematische Anordnung aufgelöst und die alphabetische 
hergestellt, sodaß dadurch der allerdings nur für in 
timere Benutzung zugängliche Hauptkatalog vorhanden ist. 
Die Aufbewahrung geschieht natürlich nicht etwa im 
Wandhang 0. dergl., der Hauptsache nach auch nicht in 
Aufstellung, sondern durch wagerechte Lagerung in Schrän 
ken, Für diese wird eine Höhe von 1,55, eine Breite von 
1,25, eine Tiefe von 1 m (samt Fuß und Holzwänden) emp 
fohlen. In einem solchen Schranke befinden sich 18 je 
5 cm hohe Schieber. Jeder von diesen faßt 80 bis 100 Karten; 
sie werden ohne besondere Umschläge mit der Rückseite 
nach oben hineingelegt, nachdem 'sie auf dieser Rück 
seite links unten ihr Zeichen bekommen haben. Die 
Abteilungszeichen und Markierungen der Einzelzeichen 
sind an den Schränken und an den Schiebern ange 
bracht. 
Lotrechte Aufstellung geschieht nur für Atlanten und 
für solche Karten, welche sich in entsprechenden Um 
schlägen befinden. Dafür werden Gestelle verwendet, deren 
größte im Äußeren eine Höhe von 95 cm und eine Tiefe 
von 85 cm haben. — Die Unterscheidung der Formate ist 
die gleiche, wie die bei Büchern: Großfolio, Quart, Oktav. 
Die Nummern der einzelnen Stücke sind in der Karten 
abteilung der Königlichen Bibliothek springend, so daß 
z. B. bei den Stadtplänen die Nummern der Kartenwerke 
mehr als 10 mal so hoch gehen, als Stücke wirklich vor 
handen sind (sie schließen mit 53440). 
Eine Kartensammlung soll keine Verleihbibliothek sein» 
sondern eine Präsenzbibliothek. Umso nötiger wird eine 
bequeme Darreichung der Schätze. Dazu kommt noch, 
daß überhaupt die Karten an die Benutzung größere räum 
liche Ansprüche stellen, als es Bücher tun. Die Schränke 
dürfen einander nicht enge gegenüberstehen, da sonst die 
Karten aus ihnen nicht bequem herausgezogen werden 
können; das für Bibliotheken im übrigen zweckmäßige 
Speichersystem mit derartiger Schrankstellung und mit halb 
hohen Geschossen kann hier nicht angewendet werden. 
Ein besonderes Erfordernis sind natürlich entsprechend 
große Tische zum Auflegen usw. Wir hören, daß auf jeden 
Benutzer anderthalb Quadratmeter zu rechnen seien. 
Soweit unser Gewährsmann. Es ist wohl nicht nötig, 
die Dringlichkeit einer weiteren Sammlung von Stadt 
plänen, sei es in einer Zentrale, sei es an vielen Stellen, 
noch eingehender auseinander zu setzen. Lediglich auf die 
Notwendigkeit einer Vergleichung vielfacher Materialien 
sei noch hingewiesen. Durch eine solche wird es auch 
möglich werden, die so nötige Typenlehre des Städte 
baues zu fördern. Wir kennen nur erst wenig die Unter 
scheidungen zwischen Zentralstadt und Langstadt, Radial 
stadt und Parallelstadt, sodann die Typen der Roststadt 
und der Schachbrettstadt, der Zwiebelstadt und der Birnen 
stadt, der (namentlich in Asien heimischen) Borkenkäfer 
stadt, der Gürtelstadt an Tälern und Häfen usw, (z. B. 
Brussa in Kleinasien) u. dergl. mehr. 
Sind dies Typen, die sich sofort rein optisch darstellen, 
wenn man einen Stadtplan überschaut, so gibt es auch 
noch Typen, deren Wesen in der Geschichte, Bestimmung, 
sozialen und territorialen Eigenart der Städte liegen, 
sich aber doch mehr oder weniger auch optisch aus 
prägen, So die Burgstadt und speziell die Hügelburgstadt; 
die Flußstadt; die Talstadt, unter Umständen mit „hinauf 
kletternden“ Teilen; die Festungsstadt und Militärstadt; die 
Schutzstadt und die Marktstadt; dann weitere Typen der 
Verkehrstadt wie die Durchgangsstadt, die Stauungs 
stadt usw. Auch der Gegensatz aristokratischer und de 
mokratischer Städte wird für einen an solches Schauen 
von Stadtplänen gewöhnten Blick kaum schwer sein: das 
eine Zentrum dort, die mehreren Zentren hier; die orga 
nische Gliederung dort, die mechanische Gleichmäßigkeit 
hier, u. dergl. mehr; vielleicht daß sogar fürstliche, oli- 
garchische und ähnliche Städte unterschieden werden. 
Daß geometrische Spielereien, wie die Sternstadt, die 
Fächerstadt u. dergl. mehr, auf Absolutismus oder Feuda 
lismus zurückgehen, wissen wir; die primitive Geometrie 
kann solchen politischen Formen mit der Demokratie ge 
meinsam sein; und doch wird der Beschauer auch von 
geometrisch gekünstelten Stadtplänen solche feinere Unter 
scheidungen bald intuitiv erkennen. 
KLEINE MITTEILUNGEN. 
y\ie SCHWEBEBAHN, die in Elberfeld über der Wupper schwe- 
bend, gerade nicht zur Verschönerung des Stadtbildes beiträgt, scheint 
aUmMlich festeren Boden in Berlin zu gewinnen. Zeitungsnachrichten zufolge 
soll die Verkehrsdeputation des Magistrats beschlossen haben, dem Anträge der 
„Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen“ 
zur Erbauung einer Versuchsstrecke stauzugeben. Einer Versuchsstrecke 
und zwar in der Brunnenstraße vom Rosenthaler Tore ab bis zur Invaliden 
straße, um die Wirkung auf den Straßenverkehr prüfen zu können, da die 
vor einiger Zeit von derselben Gesellschaft veranstaltete Ausstellung von Mo 
dellen, Konstruktionszeichnungen und Schaubildern den Mut zur Tat noch 
nicht hatte reifen lassen. Man wird sich nunmehr ernsthaft mit der Frage be 
fassen müssen, wie das Laufgerüst für die Schwebewagen in die Städte ein- 
zuführen geht, ohne das Straßenbild zu verunstalten. Die Lösung dürfte 
in neuen, gleich mit Rücksicht auf die Schwebebahn anzulegenden Straßen 
unschwer erreichbar, aber auch in der bereits bebauten Stadt wohl möglich 
sein, wenn von vornherein fUr eine künstlerische Mitwirkung gesorgt wird. 
Doppeltafel 46/47 gibt das Schaubild und einige Einzelheiten des 
Entwurfes von Professor Bruno Möhring wieder, der selbst dazu schreibt:
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.