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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
73 
Garten architektonisch zu gestalten, so war mir ein Hin 
weis auf den bekannten Behrens-Garten mehr hinderlich 
wie förderlich. Und nun Olbrich. Seine Farbengärten 
sind noch in aller Erinnerung. 
Die Verwendung von Blumen, die auf einen Ton ab 
gestimmt werden (übrigens früher schon mit Erfolg, aller 
dings ohne das schmückende Beiwort Farbengärten, ver 
sucht), hat sicherlich eine hohe künstlerische Berechtigung 
und wird zweifelsohne in Zukunft an passender Stelle, be 
sonders bei Ausschmückung von Stadtplätzen, bei Einzel 
dekorationen usw. gute Verwendung finden; der allgemeinen 
Einführung, etwa bei den Vorgärten, sprechen aber so 
manche Gründe entgegen, daß ich an diese allgemeine Ein 
führung nicht glaube, sie auch nicht erhoffe. Beherzigens 
wertes zeigenBehrens und Olbrich wieder in derVerwendung 
plastischen Schmucks im Garten, und wünsche ich dieser 
Anregung reichsten Erfolg. Auch ist beiden gemeinsam die 
reichliche Verwendung der Blumen. Vielleicht könnte ich 
nun noch andere Vertreter derselben Richtung nennen, doch 
wesentlich Neues bringen diese Neuen nun nicht mehr, es 
ist ja auch nunmehr Hauptaufgabe zu verwirklichen, was 
jene Männer erstrebten. 
Leicht erklärlich ist es nun, daß solche Lehren, solche 
Auffassungen den Widerspruch mancher Fachleute heraus 
forderten, die in anderer Auffassung ihren Beruf bisher 
ausübten, und diese andere Richtung auch ihre Kämpen 
ins Feld schickte. Der bedeutendste und interessanteste 
dieser Gegenkämpen scheint mir unstreitig Willy Lange 
zu sein. Auch Lange ist keiner, der Stillstand, während 
alles um ihn voran strebte, im Gegenteil. Rastlos arbeitete 
auch dieser Mann an seiner Weiterentwicklung und an der 
Weiterentwicklung seiner Kunst. Er kommt, auf anderen 
Gartenbegriffen aufbauend, unter Ausnutzung der neu 
zeitlichen Forschungen auf dem Gebiete der Naturwissen 
schaft (Ökologie), zu ganz anderen Ergebnissen, als jene 
Modernen. Und trotzdem ist auch Lange ein durchaus 
Moderner. Er verteidigt nicht etwa, was jene Männer ver 
urteilten; denselben Verirrungen, die jene so scharf geißeln, 
gilt auch sein Kampf, aber seine Auffassung von Garten 
kunst ist trotzdem eine andere. Nach seiner Auffassung ist 
es, wenn ich ihn recht verstanden habe, Aufgabe der 
Gartenkunst, das Charakteristische (Physiognomie) einer 
Pflanzenformation zu erfassen und, im Ausdruck und Stim 
mungswert gesteigert, bei Schaffung neuer Gartenszene 
rien wiederzugeben. Hierzu gehört ein feines, tiefes Natur- 
empflnden, beruhend auf warmer Naturliebe, hierzu gehört 
nicht zum geringsten als Grundlage eine eingehende Kennt 
nis der Natur. 
Was man in der Landschaftsgärtnerei bisher gar 
nicht oder sehr selten kannte, ein klares Leitmotiv, wie es 
jedes echte Kunstwerk hat, hält Lange auch für den Garten 
notwendig, immer wieder betont er dies und sucht es in 
seinen Arbeiten folgerecht durchzuführen, oft verstandes 
gemäß. Lange ist Philosoph und Künstler zugleich, meistens 
überwiegt der Philosoph, und dies Philosophieren Langes 
macht seine Aufsätze oft so schwer verständlich. Es ist 
dies wohl auch der Grund, daß seine Theorien unter 
Fachleuten so wenig Anerkennung gefunden haben, ob 
wohl sie als Weiterentwicklung der Skelleschen, von 
Pücklerschen, Meyerschen Theorien, aber wohlgemerkt 
der unverwässerten Theorien jener Männer, betrachtet 
werden können. 
Nachdem ich so in kurzen, skizzenhaften Umrissen 
die neuzeitlichen Bestrebungen auf dem Gebiete der Garten 
gestaltung geschildert habe, seien hierzu einige Bemer 
kungen gestattet, Fragen wir uns zunächst einmal, sind 
nun die Ausführungen dieser Theoretiker — das sind die ge 
nannten mehr oder weniger alle — von Einfluß auf die 
Praxis gewesen, sind jene Theorien in der Praxis in frische, 
fröhliche Tat umgesetzt worden ? Da kann man nun 
ruhigen Gewissens antworten: Ja. Der Einfluß ist fast 
überall zu erkennen, hier nur in Ansätzen sich offenbarend, 
ab und zu aber auch ganz vollendete Tat zeigend. 
Wenn diese Tat nicht vor den Augen der breiten 
Öffentlichkeit sich abspielt, wenn weder Gartenbesitzer 
noch Ausführender diese Werke sofort in den Kunstzeit 
schriften und Fachblättern bekannt geben, so ist dies aus 
mancherlei Gründen wohl erklärlich. Gehen Sie z. B. ein 
mal nach Cöln und sehen, wie Enke dort seine Willgraben- 
anlage im Volksgarten behandelte, obwohl noch ein Haupt 
stück, die Skulptur auf dem Mittelbeete fehlt! Das ist 
übrigens landschaftlich und architektonisch zugleich, dabei 
durchaus neuzeitlich geschaffen, durchaus kein Hervor 
kramen alter Stilformen. 
Aber auch in anderem Sinne ist dieser Einfluß zu 
merken. Der architektonische Garten beginnt Mode zu 
werden, nicht aus der Erkenntnis seines wahren, edlen 
Wertes, sondern lediglich seines Neureizes halber. Hui, 
Mode, vor dem Wort habe ich schon ein Grauen. Wenn 
schon Mode helfen kann, etwas Gutes rasch zur Geltung 
zu bringen, sie macht meist das Gute bald zur wert 
losen Schablone. Man kann heute schon regelmäßig 
gestaltete Gärten sehen, die ebenso sehr von echter 
Kunst entfernt sind, wie jene sogenannten landschaftlichen 
Gärten, welche Schultze-Naumburg als abschreckendes 
Gegenbeispiel aufführt. Oh, könnten wir doch dies 
Übel unterdrücken, es bedroht eine junge, Hoffnung er 
weckende Gartenkunst schon hei den ersten Schritten ins 
rauhe Leben, 
Aber auch die andere Richtung, welche in ähnlichem 
Sinne wie Lange arbeitet, macht sich bemerkbar. Ich 
führte Sie eben nach Cöln in Enkes Wallgraben; weil wir 
nun einmal dort sind, so begleiten Sie mich in seinen Natur 
park am Klettenberg. Nun, da sehen Sie eine ähnliche Auf 
fassung, wie Lange sie hegt, aber trotzdem völlig unabhängig 
von Lange entstanden, in Wirklichkeit umgesetzt, vielleicht 
nicht nach den streng wissenschaftlichen Gesetzen. Wenn 
aber hier Wissenschaft durch Gefühl und Phantasie ersetzt 
wird,ist’s um das Werk kein Schade. Lassen Sie diese Werke 
der Gartengestaltung, denen man noch andere zur Seife 
stellen könnte, beweisen, welche Auffassung richtig ist, 
oder könnten beide richtig sein, trotz Muthesius und trotz 
Bauer? Hat die alte Schule nichts Mustergültiges hervor 
gebracht? Ein einziges positives Beispiel müßte ja die 
Muthesiusche Behauptung der Wachsßgurenkabinettskunst 
widerlegen, viel besser als lange theoretische Erörterungen. 
Also die Augen auf, die Herzen auf, und dann kommen 
Sie mit mir nach Düsseldorf, begleiten Sie mich, vom Cor 
neliusplatz kommend, in den Hofgarten; wir gehen über 
die goldene Brücke und nun schauen Sie im Hofgarten 
das sich uns bietende Parkbild an, besonders bei Abend 
beleuchtung mit dem schräg einfallenden Licht, 
Wer findet das sich nun bietende Bild nicht schön, 
wer hält diese Gartenszene, und es ist eine landschaftliche,
	        
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