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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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denfrage sein. Ich habe in meinen amtlichen Vorlagen 
darauf hingewiesen, daß die Rentabilitätsberechnung Abend 
rots in seiner Abhandlung: ,,Die Großstadt als Städtegrün 
derin“, sich deshalb für Rostock noch viel günstiger ge 
stalten könnte, wenn man Warnemünde im Sinne Abend 
rots als ,,Industriekolonie“ betrachten wollte. Daß der See 
badcharakter des Ortes dabei geschont werden kann, dürfte 
der vorliegende Bebauungsplan beweisen. Natürlich müßte 
der städtische Grundbesitz dann unveräußerlich bleiben. 
Durch diesen ist Rostock in einem Vorteil anderen 
Städten gegenüber, welchen auf kommende Geschlechter 
zu vererben vielleicht Pflicht sein sollte, wenn auch die 
finanzielle Ausnützung des ererbten Besitzes auf Kosten 
späterer Geschlechter den Zeitgenossen als eine bequemere 
und volkstümlichere Politik erscheint. Über Mittel und 
Wege in dieser Hinsicht herrscht noch große Meinungs 
verschiedenheit. Ist doch z. B. das Erbbaurecht eine 
Rechtseinrichtung, die selbst den Juristen noch Unklar 
heiten bietet, daß selbst bei so hervorragenden Zentralbe 
hörden, wie dem Reichsamt des Innern, dem Reichsver 
sicherungsamt und preußischen Justizministerium, z, B. 
über die Mündelsicherheit von Hypotheken, ganz grund 
sätzliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. Hierüber 
hat sich Professor Andre-Marburg in seinem Vortrag auf 
der III. Hauptversammlung des hessischen Zentralvereins 
für Errichtung billiger Wohnungen ganz offen ausge 
sprochen. Er schlägt statt dessen vor, den Boden zu ver 
kaufen, sich aber ein Rückkaufsrecht zu bestimmter Zeit 
und zu einem im voraus festzusetzenden Preis vorzube 
halten. Hiermit fallen allerdings schwerwiegende Bedenken 
gegen das Erbbaurecht bezüglich der Gebäudeunterhal 
tung weg. 
Es würde heute zu weit führen, auf die entsprechen 
den Anregungen in meinen amtlichen Berichten einzugehen, 
sollte man ihnen aber im Stadtparlament wohlwollend ge 
genübertreten — die Verhandlungen in der Bürgervertretung 
schweben zurzeit — so würde die Durchführbarkeit der 
gewaltigen sozialen Probleme moderner Gemeindepolitik 
von seiten der beschließenden Körperschaften praktisch 
einen kleinen Schritt weiter gefördert werden können. Dar 
über vermag ich vielleicht später einmal in diesen Blättern 
zu berichten. 
BEITRÄGE ZUR FÜHRUNG, EINTEILUNG UND 
BEFESTIGUNG GROSSSTÄDTISCHER STRASSEN. 
Von H. CHR. NUSSBAUM, Hannover. 
I. Die Entlastung der Hauptverkehrsadern. 
Die Hauptverkehrsadern, welche aus dem Stadtkern 
den Außengebieten und Vororten oder den Nachbarstädten, 
Dörfern und Ortschaften zuführen, sind in der Regel in 
ihrer Lage durch die vorhandenen Landstraßen gegeben. 
Da die Besiedlung ihrer Ränder sich meist frühzeitig voll 
zogen hat, so stellen sich der ausreichenden Bemessung 
ihrer Breite häufig erhebliche oder unüberwindliche Hinder 
nisse entgegen, während der Verkehr auf ihnen mit dem 
Wachsen der Stadt ständig und ungemein rasch zuzu 
nehmen pflegt. Zuerst waren es neben dem eigentlichen 
Lastverkehr die Straßenbahnen, welche die vorhandene 
Enge fühlbar gemacht haben und zu Unfällen Veranlassung 
gaben. Heute wird dieser ungünstige Einfluß vielerorts 
von dem der übrigen Kraftfahrzeuge weit übertroffen, weil 
ihr Verkehr ein völlig ungeregelter ist, jedes Fahrzeug eine 
erhebliche Fahrbahnbreite in Anspruch nimmt und seine 
hohe Fahrgeschwindigkeit den Fuhrwerken das Ausweichen 
erschwert. Zur Entlastung der Hauptverkehrsadern hat 
man daher vielfach vorgeschlagen und gelegentlich auch 
versucht, den gleichen Zielen zuführende Nebenstraßen an 
zulegen, welche namentlich den leichten Fahrzeugen, Rei 
tern, Radfahrern und Fußgängern zu dienen bestimmt sind. 
Dieses Vorgehen ist dort von Erfolg gekrönt worden, wo 
keine Verkehrserschwerungen oder Verlängerungen in Kauf 
genommen werden mußten oder ein reizvoller, Schatten 
bietender Weg gewonnen werden konnte. Im anderen 
Falle bleiben dagegen solche Entlastungswege verkehrs 
arm, und es fehlt an einer Handhabe zur angemessenen 
Verkehrsregelung. Aus diesem Grunde bin ich der An 
sicht, daß man in solchen Fällen die vorhandene Land 
straße den leichten Fahrzeugen, Reitern, Radfahrern und 
Fußgängern überlassen und dementsprechend befestigen 
sollte, dagegen Entlastungswege zu schaffen sind für den 
Verkehr der Kraftfahrzeuge und Lastfuhrwerke, also für 
alle diejenigen Fahrzeuge, welche den ursprünglich vor 
handenen „Frieden“ der Landstraßen gestört haben. Diese 
Fahrzeuge vermag man ohne weiteres durch polizeiliche 
Vorschriften auf bestimmte Straßenzüge zu verweisen, so 
bald für die erforderlichen Zugangswege zu sämtlichen 
Stadtteilen und Außensiedlungen Sorge getragen wird. 
Die bisherigen Landstraßen eignen sich in der Regel 
schlecht für den Durchgangs- und Gleisverkehr. Ihre 
vielen Krümmungen, die erheblichen Verkehrshindernisse, 
welche infolge ihrer starken Besiedlung durch haltende 
oder ein- und ausfahrende Fuhrwerke,, durch Viehherden 
u. a. gebildet werden, die oft unzulängliche oder nach 
teilige Art ihrer Befestigung oder ihres Gefälles vertragen 
sich schlecht mit den Ansprüchen, welche an den Durch 
gangsverkehrs der Kraftfahrzeuge und Lastfuhrwerke zu 
stellen sind. Die neuen Fahrstraßen vermag man diesen 
Ansprüchen entsprechend zu gestalten, jene Verkehrshemm 
nisse ihnen fern zu halten. Ihre Führung soll ein gün 
stiges Gefälle, in der Ebene aber Wegoverkürzung an 
streben und wird hier am besten in schlanken Kurven, 
unter tunlichster Vermeidung scharfer Krümmungen, er 
folgen. Denn sie erschweren die Übersicht und für Kraft 
fahrzeuge die Lenkung, erfordern für sie eine starke Ver 
ringerung der Fahrgeschwindigkeit und geben zu stärkerer 
Abnutzung der Straßendecke, der Gleise und Räder oder 
der Gummireifen Veranlassung. Die Einteilung dieser 
Straßen dürfte zweckmäßig so getroffen werden, daß für 
jede Art Fahrzeuge ein gesonderter Straßenteil dient, damit 
die Straßendecke ihrer Eigenart entsprechend gewählt wer
	        
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