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Volume H. 5 Werbung

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
von der Firma Küppersbusch bezog, befinden sich 11, die einen Inhalt von 
je 600 1 fassen. Das erwähnte Krankenhaus, das auf 2000 Kranke berechnet 
ist, kocht mit seiner Kesselanlage bis zu 8500 1 mit einem Male. Zu solchen 
Leistungen gehören natürlich wackere Kochapparate, die gleichsam wie der 
Ritter Bayard „ohne Furcht und ohne Tadel“ sind. Die hermetisch schließen 
den Deckel der Kessel hier vor uns blitzen wie Silber, und das ist nicht etwa 
vernickelt oder nickelplattiert, sondern, wie wir von unserem Begleiter hören, 
ist der Innenkessel samt dem Deckel in seiner vollen Wandstärke aus 
massivem Reinuickel hergestellt. Das Weinbaus Rheingold besitzt im 
ganzen 14 derartige Kessel, von denen je 4 zu 200 1 Inhalt in den beiden 
anderen KUchen aufgestellt sind, und diese werden sämtlich mit Dampf 
geheizt. — 
Die besten Speisen können nicht munden, wenn sie dem Gast in der 
Temperatur der gemäßigten Zone vorgesetzt werden, und um dies zu ver 
hüten, sehen wir hier wieder sinnreiche Vorrichtungen angebracht. Da gibt 
es lange, mit Gas geheizte, ganz in Eisen ausgeführte Tische, die als An 
richten dienen und in ihrer ganzen Ausdehnung durch viele hunderte oder, 
sagen wir richtig, viele tausende kleine Gasflämmchen warm gehalten werden. 
Diese Anrichten erstrecken sich von den Speiseausgaben zwischen den 
Herden nach den Speiseaufzügen, so daß die fertigen Gerichte über $ie hin 
weg zum Speiseaufzug wandern und eine Abkühlung durch den Transport 
ausgeschlossen ist. Ferner sind aber die Speiseaufzüge geheizt und zwar in 
der hier wohl einzig möglichen Weise, mittels elektrischer Heizung. Die Ge 
samtlänge der Wärmanrichten in dieser einen Küche beträgt 40 Meter. — 
Nur noch eben wollen wir uns die umfangreichen Spülanlagen ansehen. 
Diese sind geschieden in solche für Silbergerät, für Kupfergeschirr und für 
Porzellan und bilden zahlreiche Gruppen zu zwei, drei, vier und sechs Spül 
becken. Die einzelnen Spülbecken haben etwa 1 m im Quadrat und sind 
durchgehends in verzinktem Schmiedeeisen ausgeführt. Sämtliche Spülbecken 
erhalten ihr warmes und kaltes Wasser aus vernickelten, recht groß dimen 
sionierten Zapfbatterien, so daß die Gefahr, ungenügende Wassermengen zum 
Spülen zu verwenden, als ausgeschlossen gelten kann. 
Fürwahr, wir sehen in dieser Kücheneinrichtung die äußerste Nützlich 
keit mit der äußersten Gediegenheit gepaart. Die ganze Schöpfung erscheint 
uns wie eine elegante Maschine, deren „zum Räderwerk gewordener Ge 
danke“ in seiner verblüffenden Einfachheit die großartigste Wirkung erzielt. 
Wir wissen kaum, was wir mehr bewundern sollen, die Zweckmäßigkeit, mit 
der jedem Bedürfnis Rechnung getragen ist oder die Größe der Anlage oder 
die Feinheit und Einfachheit der Ausführung. Tatsächlich sind die Einrich 
tungen so einfach und glatt gearbeit, daß sich keine Ecke findet, worin Schmutz 
sich ablagern kann. — 
Nun aber das Wunderbarste: Wie unser kundiger Führer uns berichtet, 
hat die Firma F. Küppersbusch & Söhne diese Riesenanlage von 13 Stück 
Doppelherden mit insgesamt 118 Bratöfen, von 14 Stück Kochkesseln mit 
einem Gesamtinhalt von 2800 1, von einer großen Zahl Etagenbratöfen, Grill 
apparaten, Tranchier- und Wärmetischen und vielen anderen Nebenvorrich 
tungen im Zeitraum von 6 Wochen von Grund auf angefertigt und betriebs 
fähig aufgestellt. Die rechtzeitige Eröffnung des Weinhauses Rheingold war 
wesentlich von der rechtzeitigen Ablieferung der KUcheneinrichlung abhängig, 
und am bestimmten Tage stand sie fix und fertig da; man fühlt sich fast in 
das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ versetzt. — 
Eine innere Stimme, in Deutschland „Durst“ genannt, sagt uns, daß 
wir des Merkwürdigen nun genug gesehen, und wir begeben uns in den 
Roten Saal, wo unser Auge sich an dem kunstvollen „Rheingold-Brunnen“, 
unsere Zunge sich an einem edlen Tropfen Rüdesheimer und einem vorzüg 
lichen Mahle labt. Noch vieles wußte unser Freund zu erzählen von seinem 
Hause und dessen Riesenwerkstätten in Gelsenkirchen-Schalke, aus denen 
solche Schöpfungen, wie wir sie gesehen haben, hervorgehen, doch wir 
wollen -uns damit begnügen, das zu berichten, was wir mit eignen Augen 
gesehen haben. Rings um uns wogt ein blühendes Leben, leuchten frohe 
Gesichter und Männlein und Weiblein verzehren nach ewigen ehernen 
Naturgesetzen bei einem guten Tropfen woflgsmut, was da unten in 
der Werkstatt, in der Herzkammer des großen Betriebes mit allen 
technischen Mitteln der Neuzeit bereitet wird. Wenn wir auch den schon 
oben erwähnten Standpunkt Brillat-Savarins nicht teilen, daß die Probleme 
der Weltgeschichte im Kochtopf gelöst werden, so sehen wir doch, daß die 
Zufriedenheit und damit die Liebenswürdigkeit der Menschen durch ihre gute 
Verpflegung wesentlich gefördert wird und wie ein Nachhall der Instrumente, 
die wir in der Küche geschaut, wie eine funkelnde Fermate nach allen hier 
gewonnenen Eindrücken erschallt uns das muntere Stimmengewirr, ver 
mischt mit silbernem Lachen und Gläserklang, erscheint uns die „rheinische 
Gemütlichkeit“, die im Rheingold ihre Stätte in der Weltstadt fand. M. 
V?eit Jahren wird seitens der Städteverwaltungen dem besseren Ausbau 
der Straßen immer mehr Wert beigelcgt, indem man, je nach ihrer Be 
deutung, ohne Rücksicht auf die Kosten, die Breite der Straßen zur Anlage der 
Fuß-, Reit-, Fahr- und Promenadenwege, sowie der Baumpflanzung bestimmt. 
Betreffs der Beschattung der Fußsteige und Promenadenwege hat man 
ifl den meisten Großstädten dasjenige nashzuholen versucht, was in früheren 
Jahren in dieser Hinsicht leider versäumt worden ist und ist namentlich bei 
Herstellung von neuen Straßen bestrebt, diese durch Anlage von schönen 
Baumreihen zu schmücken. 
Leider findet man nach Jahren, daß die Bäume sich nicht so gut ent 
wickelt haben, wie man erwartet hatte, daß sic teilweise kümmerlich oder 
verkrüppelt sind und durch neue ersetzt werden müssen, wodurch die ge 
machten kostspieligen Pflanzungen an Wert und Ansehen verlieren und 
Gegenstand nachträglicher teurer Unterhaltungskosten sind. 
Diese nicht unbeträchtlichen Unterhaltungsausgaben würden vermieden 
und die Bäume von ihrer ersten Anlage bis zu ihrer vollen Entwicklung zu 
einer gleichförmigen, herrlich ausschauenden Baumallee, unter der einher 
zu promenieren für jeden Fußgänger ein Genuß ist, sich entwickeln, wenn 
von vornherein die nötigen Anlagen für die richtige Pflege der Bäume und 
den Schutz derselben gemacht würden, welche gar nicht so teuer sind und 
sich schon in wenigen Jahren durch Ersparnis an Ersatz und Unterhaltungs 
kosten ausglichen. 
Da sich alle Dünste und Gase, nicht nur diejenigen aus der Erde, 
sondern auch aus den Unmengen von Gas- und Kanalanlagen unter den 
Straßen — namentlich der Asphaltdecke — ansammeln und schließlich einen 
Ausweg nach der Oberfläche suchen, so geschieht dieser durch den 
nicht befestigten Untergrund der Bäume, wodurch die Wurzeln der 
selben notwendig und im Laufe der Zeit bei nicht genügender Pflege der 
Bäume so stark angegriffen werden, daß denselben die Kraft zum Weiter 
entwickeln fehlt, und hierdurch, lediglich und allein, die Baumpflanzungen, 
welche sonst schon sicher eine Zierde der Straße und eine Freude der An 
lieger und Passanten und im Sommer eine unersetzbare Schattenspenderin 
geworden wären, allmählich ruiniert werden. 
Auch müssen die Bäume gegen Anfahren durch Fuhrwerke, Beschädi 
gung von Passanten, namentlich Kindern, entsprechend geschützt werden. 
Alle diese Nachteile lassen sich durch Anlage von Baumschützern und 
Baumrosten beseitigen, welche, nachdem man ihre ausserordentliche Zweck 
mäßigkeit erkannt hat, jetzt allerdings auch von manchen größeren Städten 
gemacht werden, aber noch keineswegs in dem Umfange, wie es eigentlich 
sein sollte. 
Baumschutzkörbe findet man ja fast überall, in dieser oder jener Form, 
leider aber meist recht häßliche und ungenügend. Auch hier wird, wie so 
häufig und unzweckmäßig, ein falsches Sparsystem angewandt. 
Anders verhält es sich mit den Baumrosten, die in verhältnismäßig 
wenig Städten zu finden sind, und doch sind deren Vorteile für jeden Laien 
sofort einleuchtend. Sie verhindern das Festtreten der Baumscheiben und 
diese bleiben infolgedessen durchlässig für schlechte Luft und Gase, die 
Baumscheiben treten sich nicht aus, so daß sich keine Pfützen bilden 
können, die von den Passanten oft so unangenehm empfunden werden, zudem 
wird dadurch auch das lästige Auffüllen dieser Vertiefungen erspart. 
Nach sachverständigen Urteilen amortisieren die Vorteile in wenigen 
Jahren die Kosten der Anlagen, die auch kleiner, einfacher, ganz entsprechend 
der Bedeutung der Straße nach Lage und Verkehr gehalten werden können. 
Wo heute von den Städten Hunderttausende für die Unterhaltung und 
Neuanlage von Straßen ausgegeben werden, kann dem allgemeinen Öffent 
lichen Interesse nicht dringend genug empfohlen werden, mehr und mehr 
für die Ausschmückung der Straßen mit schattenspendenden Bäumen und 
deren Erhaltung zu sorgen und ist hierdurch den Herren städtischen Garten 
beamten Gelegenheit gegeben, sich in hervorragender Weise zu betätigen, 
wodurch sie sich ein unauslöschliches Verdienst sichern würden. 
ie Anwendung BRAUNSCHER GUSSASPHALT - FAHR 
BAHNEN erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Außer der 
Stuttgarter Stadtverwaltung, welche im letzten Jahr wiederum ca. 9000 qm Guß 
asphalt-Fahrbahnen durch die Firma J. A. Braun, Stuttgart ausführen ließ, so 
daß nun seit fünf Jahren insgesamt ca. 34000 qm davon Liegen, haben die 
Städte Heübronn, Baden-Baden, Freiburg i. Br, Mülhausen i. Eis. und Augs 
burg, zum Teil sehr große StraßenzUge auf gleiche Art befestigen lassen, 
ein Beweis, wie sehr die Vorzüge und Annehmlichkeiten des Gußasphalt- 
pflasters allseitig geschätzt werden. 
Insbesondere kleineren Gemeindewesen, welche ausgedehnte, zusammen 
hängende Flächen geräuschlosen Pflasters nicht einführen können, ist diese 
Art Gußasphalt sehr zu empfehlen, weil einerseits sich die Tiere sehr bald 
an den Belag gewöhnen, Pferdestürze vermöge seiner geringeren Glätte 
weniger Vorkommen und etwaige Ausbesserungen ohne großen Apparat 
leicht von Leuten am Platze sofort ohne Betriebsstörungen vorgenommen 
werden können. Auch für größere Städte empfiehlt es sich deshalb beim 
Uebergang zum geräuschlosen Pflaster zuerst eine Probe mit Gußasphalt zu 
machen. Ueberall wo die Steigungsverhältnisse 1 >/ 4 Prozent Überschreiten, 
ist die Gußasphalt-Fahrbahn am Platze, liegen doch schon Straßen bis zu 
6 Prozent. 
er heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Sparfeaerungs- 
Gesellschaft m. b. H,, Düsseldorf, bei, auf welchen wir 
unsere Leser noch besonders aufmerksam machen möchten.
	        
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