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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 4.1907 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Variante zur Torhausgruppe für den Innenpark des Blockes VI. 
Daß auch für Warnemünder Gebiet Gelegenheit zum 
Bau von Weaksend-houses und jenen Sommerfrisch-Häus- 
chen nach Art der Stockholmer am Mälar-See, durch Ein 
schaltung ziemlich kleiner Baustellen gegeben ist, zeigt der 
Lageplan, Ebendort ist ersichtlich, daß auch hier von einer 
bewegten Bauflucht reichlich Gebrauch gemacht wurde 
und alle Vorschriften für Blockgrößen, Straßenbreiten, der 
Gebrauch der Baulinie als Parallele zur Straßen- und Vor 
gartenlinie, nicht schematisch zur Anwendung gelangten. 
Als herrschende Windrichtung gilt in Warnemünde 
NW, Straßenzüge in diese Windrichtung zu legen, wurde 
vermieden. Es führte dies zu schlankgebogenen oder ge 
brochenen Straßen, in der Richtung von O nach W. — 
Man beachte hierbei die Ausmündung der Straßen, z. B. die 
von Straße 4 in die Diedrichshäger Landstraße; ein un 
mittelbares Eindringen der NW-Stürme ist schwer möglich. 
Ebenso wurde Wert auf geschlossene, möglichst windstille 
Plätze gelegt — so sieht der zu Platz A kommende überall 
geschlossene Platzwände vor sich — vergl. Tafel 2. 
Die Gesamtform der Baufläche führte zumeist zu ihrer 
Zerschneidung in möglichst lange schmale Streifen. Un 
nötige Querstraßen wurden vermieden, doch auch große 
Baublöcke, die in Streifen von etwa 70 m Tiefe, wie bei 
Block I und II, aufgeteilt worden sind, wurden gebildelt. 
Das Innere von Block VI ist als kleiner Park mit beglei 
tender Reihenhausverbauung gedacht; auch könnte hier 
ein Schulbau, ein Erholungsheim usw. errichtet werden. 
Die Gruppenhäuser, zum Teil mit Frontbreite von 
7—8 m, sind verstreut, nicht straßenweise angenommen, 
um den Eindruck der offenen Bauweise zu erhalten. Als 
Schutzmauer gegen Westen wurde jedoch Block VIII durch 
gängig mit Reihenhäusern bebaut gedacht. 
IV. Das Wohnhaus- und Geschäftsgebiet. 
Statt des in Rostock und Warnemünde früher üblichen 
Bauwichs von durchschnittlich 3 m wurde geschlossene 
Randbebauung mit zusammenhängendem inneren Luftraum 
angenommen. Läßt man so eine größere Baufläche zu, so 
kann man billigerweise die Bauhöhe verringern. Diese ist 
daher auf höchstens vier Geschosse einschl. Erdgeschoß 
und ausgebautes Dach angenommen. Die Blocktiefen sind 
auf etwa 100 m bemessen, so daß bei beschränkter Errich 
tung kleinerer gewerblicher Anlagen, Erbauung von Stäl 
len usw. im Blockinnern noch genügend Luftzufuhr vor 
handen ist, in den Blöcken I, II und III ist das Innere je 
doch als grünes Gartenland angenommen. Die Bauflucht 
der Blöcke ist als eine bewegte angedeutet, auch sind 
vielfach Vorgärten in Tiefen von 6—10 m angelegt worden. 
Die Straßen kreuzen sich in der Hauptsache recht 
winklig und verlaufen gerade, doch wurde neben der reiz 
volleren Gestaltung der Straßenwandungen, durch bewegte 
Baufluchten auch noch bei Straße 15, zwischen Straße 18 
und der Dänischen Straße, nach schönen mittelalterlichen 
Vorbildern, auf welche z. B. Th. Fischer in seinen Mün 
chener Bebauungsplänen erfolgreich zurückgreift, von der 
Kunstübung der auseinanderlaufenden Straßenwandungen 
Gebrauch gemacht. Daß auch durch Versetzen der Straßen 
mündungen der fürchterlichen Öde scheinbar endloser 
Straßen begegnet wurde, ist überall aus dem Plan ersichtlich. 
Es sind immer geschlossene Raumbilder vorhanden; das 
selbe gilt von den Plätzen. Auch das wundervoll raum 
schließende Motiv der Durchfahrten wurde bei Platz M. 
angewendet. 
Besonders wertvolle Blockecken sind von vornherein 
für öffentliche Gebäude, Schulen usw. Vorbehalten gedacht, 
auch eine Vereinigung mehrerer öffentlicher Gebäude zu 
einer Baugruppe ist bei Platz Q. — siehe Tafel 3 — angedeutet. 
V, Die Arbeiter- und Beamten-Kolonie. 
Da ein Badeort, wenn er zu seinem, und in unserem 
Falle, zu der Stadt, mithin zur Allgemeinheit Nutzen blühen 
soll, allen Komfort, ja Luxus entfalten muß, meine ich, daß 
es ein Gebot des Taktgefühls ist, durch Gewährung schön 
gelegener Wohnstätten an die Arbeiterbevölkerung die ge 
rade hier besonders hervortretenden Gegensätze zu mildern. 
Es wurde jedoch mit voller Absicht von einer offenen oder 
halboffenen Bauweise Abstand genommen. 
Das Arbeitereinfamilienhaus ist ja ganz sicher das Ideal 
der Wohnstatt, aber es wird wohl auch in den meisten 
Fällen nur ein solches bleiben. Deshalb wurde also Reihen
	        
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