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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Ganzen nur das Interesse des Einzelnen im Auge habe, und 
diese Schranke soll der Wald- und Wiesengürtel bilden. Die 
Notwendigkeit, den Wald zu erhalten, habe man schon bei 
der im Jahre 1890 erfolgten Einverleibung derVororte erkannt 
und sei deshalb in dem vom Stadtbauamte im Jahre 1892 auf 
gestellten Bauzonenplane auch vorgeschlagen worden, die 
ganzen in das Stadtgebiet hineinragenden Bestände des Wie 
ner Waldes, die Friedhöfe, die Schmelz, den Schloßpark von 
Schönbrunn, den Prater von der Bebauung auszuschließen. 
Von diesen allgemeinen, von Herrn Goldemund wieder 
gegebenen Erwägungen der Gemeindeverwaltung und des 
Stadtbauamtes bis zu dem jetzt vorliegenden Plane war 
aber noch ein weiter Schritt, denn in diesem Plane 
finden sich noch andere neue Ideen wieder, die zuerst in 
einigen zum Wettbewerbe um den Generalbebauungsplan 
im Jahre 1893 eingereichten Entwürfen aufgetaucht waren. 
Über den Entwurf des Architekten Eugen Faßbender sagte 
damals Stübben in der Deutschen Bauzeitung vom 17. März 
1894 folgendes: „Von den zehn Zonen, die sich um die 
Altstadt legen, trägt eine den Namen „Volksring“. Sie ist in 
ihrer ganzen, zwischen zwei Gürtellinien liegenden Breite 
etwa auf 2 / 3 der Länge als Wald und öffentlicher Garten 
gedacht, ein Gedanke, dessen große sanitäre Bedeutung 
für eine dicht gebaute Millionenstadt einleuchtend ist.“ 
Stübben führt dann weiter aus einer in Nr. 9 der Zeitschrift 
des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins 
vom Jahre 1894 erschienenen Besprechung seines eigenen 
Wettbewerbsplanes die Worte von Paul Kortz an: „End 
lich ist ein Hügelring, eine Ringstraße an den Höhen (viale 
dei colli) angeordnet, die vom Nußberg nach Grinzing } 
Ober-Sievering, Pötzleinsdorf, Dornbach, Hütteldorf und 
Ober-St. Veit, zumeist auf der Höhenkote von -4- 280 m bis 
zum Tiergarten führt. Es ist eine prächtige Aussicht 
straße —Camillo Sitte wies dagegen im „Neuen 
Wiener Tageblatt“ vom 31. März 1894 auf die Hügelstraße 
des Entwurfes der Münchener Herren Lasne und Heindl 
als die bessere hin. Diese war nicht wie jene eine als 
Aussichtstraße auf ziemlich gleicher Höhenlage durch 
geführte Ringstraße, sondern als eine Verbindungsstraße der 
Vororte — siehe Abb. 1 — die jeder für sich in tief ein- 
Abb. 1, 
M, 1 : 200 000. 
geschnittenen Tälern des Wiener Waldes liegen, mit einer 
Höchststeigung von 48% gedacht. Sie sollte in Nußdorf 
beginnen mit wechselnden Steigungen, streckenweise 
horizontal an einem öffentlichen Brunnen vorbei zur Kreuz- 
erhöhungs-Kirche in Grinzing führen, in Kurven Unter- 
Sievering erreichen, zur St. Severins-Kirche wieder steigen 
bis Neustift am Walde, dann mit einer Kehrung die Täler 
ausfahrend nach Pötzleinsdorf fallen, um mit einer scharfen 
S-Kurve am südlichen Hange des Leopoldberges vorüber 
einen wunderbaren Blick über die im Südosten ausgebreitete 
Stadt zu gewähren; endlich zur Höhe des Schafberges wieder 
steigen und mit einer Kehre im Gefälle nach Neuwaldegg 
führen, wo sie im Zuge der Hauptstraße nach Dornbach 
weitergeht und in mehreren Windungen am Berghange 
wieder steigend die Platte des oberen Spiegels erreicht 
und in einer scharfen S-Kurve sich nach Hütteldorf ab 
senken. Hier war die Auswahl zwischen mehreren Wegen 
zur Fortsetzung nach weiteren Vororten gegeben; nach 
Ober-St. Veit, nach Hetzendorf und Ingersdorf, 
Die Verfasser sagten in ihrem Erläuterungsberichte 
S. 14, Absatz 4—6: „Daß die Bezeichnung Aussichtstraße 
mit vollem Recht gewählt wurde, wird anerkannt werden 
müssen. Wer je das herrliche Bild der Stadt von einem 
der vielen Aussichtspunkte, welche die Stadt berühren, ge 
nossen, wird es nimmermehr vergessen. 
Mit Baumreihen bepflanzt, von beiden Seiten durch 
Landhäuser eingefaßt, an besonders hervorragenden Aus 
sichtsstellen aber nur einseitig bebaut und mit Freitreppen 
anlagen ausgestattet, hinter denen sich ein weithin sicht 
bares Denkmal, eine Kirche, ein herrschaftlicher Sitz er 
heben könnte, wäre dies eine Straße, zu den schönsten 
zählend, die es in der Welt gibt“. 
Daß es an einer solchen Verbindung zwischen den 
Vororten und der Stadt fehlt, hat denn auch Faßbender 
hervorgehoben in einer Schrift, die im Jahre 1898 unter 
dem Titel; „Ein Volksring für Wien“ bei R. Lechner 
(Wilh. Müller, k. k. Hof- und Universitätsbuchhandlung, 
Wien, Graben 31) erschienen ist. Als im Jahre 1897 die 
Gartenanlagen mit prächtigen Baumbeständen am rechten 
Wienufer der Stadtbahn zum Opfer fielen, griff Faß 
bender zur Erhaltung und Neuschaffung öffentlicher 
Park- und Gartenanlagen im Weichbilde der Stadt 
in dieser Schrift auf den Vorschlag seines zu dem 
vorhin erwähnten Wettbewerbe eingereichten Ent 
wurfes zurück, um nochmals in eindringlicher Weise 
seine Idee einer 600 m breiten Zone, die die Stadt 
als einen Gesundheitsgürtel umschließen soll, seinen 
Mitbürgern vorzuführen, selbstverständlich mit den 
Änderungen, die inzwischen durch die vorgeschrittene 
Bebauung geboten waren. Dabei schlug er zum An 
schluß der Vororte Pötzleinsdorf, Neustift, Neuwald- 
egg, Dornbach und Gersthof eine von Ober-Döbling 
bis Weinhaus reichende Schleifenbahn vor — vergl. 
Tafel 49. Über den Volksring selbst aber führte er 
etwa folgendes aus: Vom rechten Ufer der Donau bei 
Nußdorf beginnend, zieht sich der Ring in weitem Bo 
gen über das Gelände des Kahlenberges, schließt Hei 
ligenstadt, Unter- und Ober-Döbling, Weinhaus, Her 
nals, Ottakring und Breitensee ein, bis er im Wientale 
bei Penzig die Westbahn erreicht. Hier braucht er 
in Wirklichkeit nicht weiter geführt zu werden, da er 
seine ideale Fortsetzung über Penzing und Hietzing
	        
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