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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

3. Jahrgang 
1906 
6. Heft 
71 
DER STÄDTEBAU 
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INHALTSVERZEICHNIS: Axbciterkolonien. Von Dr. Ing. Karl Henrici, Aachen. — Der Kampf um die Denkmalpflege. Ein Beitrag zur Lösung 
der Frage der Denkmalpflege. Von Conrad Satter, Schloß Lichtenberg im Odenwald. — Zur Ästhetik des bepflanzten Platzes. Von Dr. A. E. Brinckmann, 
Posen. — Wiener Platzanlagen und Denkmäler. Von Josef Aug. Lux, Wien-Döbling. — Chronik. — Bücberschau, 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
ARBEITERKOLONIEN.*) 
Von Dr. Ing. KARL HENRICI, Aachen. 
Die Gründung von Arbeiterkolonien ist in sehr vielen 
Fällen eine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit. Ar 
beiterkolonien müssen hergerichtet werden, um manche 
große industrielle Unternehmungen ins Leben rufen und 
im Gang erhalten zu können, und große industrielle Unter 
nehmungen müssen ins Leben gerufen werden, um dem 
gewaltigen Volkszuwachs in Deutschland Existenzmittel 
zuzuführen. Es ist jedoch nicht möglich, allgemein gültige 
Regeln oder Normen darüber aufzustellen, wie Arbeiter 
kolonien zu gestalten seien. Das ist weder möglich be 
züglich ihres baulichen Bestandes, noch bezüglich ihrer 
Organisation und ihrer Verwaltung. 
Wie groß ist z. B. der Unterschied zwischen der Woh 
nungsversorgung für Arbeiter in Industriezweigen, in denen 
auch die Frauen und heran wachsenden Kinder beschäftigt 
werden, und solchen, wo das nicht der Fall ist; ferner 
zwischen Kolonien inmitten engbebauter großer Städte 
und solchen auf dem Lande! ferner zwischen Kolonien 
für hundert oder für tausende von Arbeitern! usw. Von 
großem Einfluß auf die Gestaltung kann es auch sein, ob 
die Kolonie als Bestandteil eines einzelnen industriellen 
Betriebes auftritt und sich in ihrer Verwaltung ein patri 
archalisches System durchführen läßt, oder ob sie durch 
Privatunternehmung, durch gemeinnützige Baugesellschaf- 
ten oder auf dem Wege der Selbsthilfe durch Spar- und 
Baugenossenschaften ins Leben gerufen wird und jeder 
beliebige Arbeiter darin aufgenommen werden kann. 
*) Vortrag, gehalten am 6. Juni 1905 in Hagen auf der Konferenz der 
Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen, 
Dies fuhrt in der Behandlung der Aufgabe zu einer 
notwendigen Beschränkung: 
Ich kann nur einen bestimmten Fall ins Auge fassen 
und wähle den, bei welchem die Anlage einer Arbeiter 
kolonie aus irgend welchen Gründen zur Notwendigkeit 
wird und bei welchem als Träger des Unternehmens der 
Arbeitgeber auftritt, sei dieser der Staat, eine Stadt oder 
die Leitung eines großen industriellen Betriebes. Und noch 
weiter will ich meine Aufgabe begrenzen und nur von 
größeren sogenannten Ortschaftskolonien reden, in 
welchen die Kolonisten zu einem in sich abge 
schlossenen Gemeinwesen vereinigt werden sollen, 
und welche demgemäß mit allen Einrichtungen auszu 
rüsten sind, die zur Befriedigung aller materiellen und 
geistigen Bedürfnisse der Einwohner ausreichen. 
Manchmal liegt für den Arbeitgeber selbst zur Grün 
dung solcher Kolonien keine zwingende wirtschaft 
liche Notwendigkeit vor, und er könnte es ruhig der 
Privatunternehmung überlassen, für das nötige Angebot 
von Wohnungen zu sorgen, und wenn er sicher wäre, daß 
diese ihre Sache gut machen und allen Anforderungen auch 
ethischer und ästhetischer Art gerecht werden würde, dann 
wäre es vielleicht das Beste, was er tun könnte, wenn er 
ihr die Sache überließ^. Dies trifft aber leider in sehr 
vielen, wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht zu, und 
es wird dann zur Pflicht des Arbeitgebers, im Interesse 
der Wohlfahrt seiner Arbeiterschaft das Unternehmen selbst 
in die Hand zu nehmen und aus der Anlage nach besten 
Kräften und im besten Sinne des Wortes eine Wohlfahrts 
einrichtung zu machen. Darunter verstehe ich nichts
	        
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