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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
54: 
sich nicht an erster Stelle im neuen Städtebilde breit mache und der ganze Bau, 
seinen Charakter als Tor verlierend, nicht als ein unerklärlicher Ausbau 
über dem Bürgersteig erschiene. Das alte Tor hätte aber dann durch den 
unten im Sinne des 20., oben in dem des 15, Jahrhunderts gehaltenen 
Ausbaue seinen archäologischen und geschichtlichen Wert verloren, während 
die verschiedenen Torwege bald als lästig empfunden worden wären. 
Ein dritter Plan auf Abb. 5 dargestellt, wurde vom Architekten S. de 
Clercq veröffentlicht. Er wollte einen Teil des Hofteichs zuschütten, damit 
eine breite Kaianlage für Straßenbahn und Wagenverkehr möglich würde 
und außerdem noch Raum übrig bliebe zur Errichtung eines öffentlichen 
Abb. 3. 
Gebäudes. Dieser Plan bietet viele Vorteile. Alle Forderungen des Ver 
kehrs sind berücksichtigt. Das öffentliche Gebäude würde dieser Schmal 
seite des Hofteiches einen passenden Abschluß geben und es würde auch 
den auf Plaats und Buitenhof mündenden Straßen als Point-de-vue dienen. 
Dazu würde der „Gevangenpoort“, der für Fußgänger geöffnet bleibt 
und einen geschützten Durchgang bietet, seinen Charakter behalten, ohne 
daß das traurige Gebäude an die erste Stelle rückte. Endlich wäre dieser 
Plan bei weitem billiger, als die Enteignung der Häuser, welche nach den 
beiden anderen Entwürfen nötig wäre. 
Es ist aber sehr die Frage, ob die öffentliche Meinung eine, sei es auch 
nur teilweise und für die Gesamtwirkung nicht schädliche ZuschUttung von 
„Hofvyvcr“ gutheißen würde. Das Kunstgefühl der Haager Bevölkerung ist 
inbezug auf den Haagschen Bosch und auf den Hofvyver ein sehr empfind 
liches und etwas sentimental angehauchtes, und läßt sich nicht leicht 
überzeugen. 
Die Platzfrage für den Friedenspalast war dadurch eine lange Leidens 
geschichte und wenn das Gebäude jetzt in eine sehr ungünstige Lage 
kommt >), so ist die Schuld bei dem Haager Gemeinderat zu suchen, welcher 
') Vergl, dieserhalb den Beitrag von K. de Bazel in No. 3 der Zeitschrift. 
dem einstimmigen Wunsche der Künstler zum Trotz seine Mitwirkung 
verweigerte, nach dem Regierungsplane das Malieveld im Haager Wald 
für das Gebäude zur Verfügung zu stellen. 
Wenn also der dem Entwürfe von de Clercq zu Grunde liegende Ge 
danke, der übrigens auch nicht neu ist, zur Ausführung kommen soüte 
und ein Teil vom Hofteich zugeschüttet würde, dann wäre dies wahr 
scheinlich dem finanziellen Schwergewichte anderer Pläne zuzuschreiben. 
Der Haager Magistrat hat versucht, einen Mittelweg einzuschlagen, indem 
er jetzt dem Gemeinderate den Plan unterbreitet hat, die Zuschüttung eines 
Streifens von 27 m Breite zur Anlage eines Kais, ohne aber den Gedanken 
Abb. 4. 
an die Errichtung eines öffentlichen Gebäudes überzunehmen. Das wäre 
sehr schade und würde auch die grundsätzlichen Gegner jeder Veränderung 
des Hofteiches nicht versöhnen. Der Streit hat sich sehr zugespitzt. Ein 
Hauptpunkt darin ist, daß jüngst der als Kunst- und AJtertumsfreund 
bekannte Mr. Freiherr Victor de Stuers, ehemaliger Referendar für Künste 
und Wissenschaften im Ministerium des Innern, sich für den Magistrats 
plan, als den einzig praktisch ausführbaren, mit einer kleinen, nicht 
prinzipiellen Änderung, ausgesprochen hat. Ihm können die dadurch 
völlig überraschten Gegner wenigstens nicht eines schnöden Vandalismus 
beschuldigen! 
Unterdessen hat der Zeitungskrieg und die Einsendung von Beschwerden 
in Form von Adressen nicht aufgehört. 
In einer Hinsicht ist solches erfreulich, denn es hilft mit, das in 
Städtebaufragen schlummernde allgemeine Interesse zu wecken und wach 
zu halten — so weit das in Kunstfragen architektonischer Art überhaupt 
heutzutage möglich ist. 
Zwei neuere Platz- beziehungsweise Straßenbilder bieten 
die Tafeln 31 und 32 durch geschickte Aufstellung und Gruppierung von 
Schulhäusern.
	        
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