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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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werden; wenn die Betriebsart es bedingt, kann die Polizei 
verwaltung im Einzelfall eine noch größere Höhe zulassen. 
Umfassungs- und Innenwände von Fabriken können über 
die für Wohnhäuser bestimmten Begrenzungen hinaus in 
ausgemauertem Eisenfachwerk hergestellt werden, und die 
Polizeiverwaltung kann schließlich in besonderen Fällen 
noch weiter gehende Begünstigungen gestatten. Auch bei 
Anlage der Aborte für gewerbliche Niederlassungen sind 
besondere, den Verhältnissen angepaßte Bestimmungen er 
lassen! auf je 15 weibliche oder 20 männliche Personen ist 
ein Abort zu rechnen. 
Dagegen dürfen in den Bezirken der Bauklassen III c 
und IV „Fabriken nicht errichtet, wiedererrichtet oder in 
bestehenden Gebäuden eingerichtet werden. Das gleiche 
gilt für Anlagen, die durch Verbreitung schädlicher oder 
belästigender Dünste, Rauch, Staubmengen, oder durch 
Erregung ungewöhnlichen Geräusches und Erschütterungen 
Gefahren für die Bewohner benachbarter Grundstücke zur 
Folge haben, oder welche die Sicherheit oder Leichtigkeit 
des Verkehrs auf öffentlichen Wegen beeinträchtigen.“ Die 
Erweiterung bestehender Fabriken kann die Polizeiverwal 
tung ausnahmsweise gestatten. 
In München ist eine Staffelbauordnung eingeführt mit 
zwei Hauptabschnitten: geschlossenes und offenes Bau 
system. Im geschlossenen Bausystem sind 5 Staffeln. 
Staffel 1 läßt zu: Erdgeschoß und 4 Stockwerke, Staffel2: 
Erdgeschoß und 3 Stockwerke bis 18 m Höhe, Staffel 3: 
ebenso wie Staffel 2, aber geringere Höhe bei den Hinter 
gebäuden, Staffel 4: Erdgeschoß und 2 Stockwerke bis 
15 m Höhe, Staffel 5: [Erdgeschoß und 1 Stockwerk bis 
12 m Höhe. Staffel 6—9 gehören zur offenen Bauweise. 
Staffel 6 läßt zu: Erdgeschoß und 3 Stockwerke bis 20 m 
Höhe, Staffel 7; Erdgeschoß und 3 Stockwerke bis 18 m 
Höhe, Staffel 8; Erdgeschoß und 2 Stockwerke bis 15 m 
Höhe, Staffel 9: Erdgeschoß und 1 Stockwerk bis 9 m 
Höhe. Bei den einzelnen Staffeln ist auch noch Umfang 
und Höhe etwaiger Hintergebäude, die Größe des Hofes 
und der etwa zulässigen Lichthöfe bestimmt, und die zu 
lässige Abmessung bei Gruppenbebauung festgesetzt. Hier 
ist also eine genaue Abgrenzung der Gebiete nach ihrem 
jeweiligen Zweck erfolgt. 
In Baublöcken, die zu den Staffeln 5, 8 und 9 gehören, 
ist die Errichtung von belästigenden gewerblichen Anlagen 
vollständig ausgeschlossen, in anderen Staffeln schon durch 
die Gaubeschränkungen nahezu unmöglich gemacht. Da 
gegen sind besondere Industrieviertel festgesetzt worden, 
in denen die Anlage von Fabrikgebäuden begünstigt wird. 
In diesen Industrievierteln kann die Lokalbaukommission 
für gewerblichen Zwecken dienende Gebäude besondere 
Erleichterungen gewähren, nicht aber für Wohnhäuser. 
Sehr zu beachten ist eine Unterscheidung der Betriebe in 
Industrievierteln, die München getroffen hat. In einem der 
Fabrikviertel, im Sendlinger Oberfeld, werden gewerbliche 
Anlagen „welche durch die Zuführung von Gasen, Dämpfen, 
Gerüchen, Rauch, Ruß und Staub für die Bewohner der 
benachbarten Grundstücke oder für das Publikum über 
haupt erhebliche Nachteile, Gefahren, oder erhebliche Be 
lästigungen herbeiführen können, sowie Vergrößerungen 
derartiger bereits bestehender Anlagen, nicht zugelassen, 
Dampfkraff darf nur als Reserve benutzt werden“. In 
allen anderen Industrievierteln Münchens gelten diese Be 
schränkungen nicht. 
Die Bauordnung Münchens kommt manchen Anforde 
rungen für industriellen Niederlassungen innerhalb der für 
diese festgesetzten Grenzen entgegen. Es können z, B. 
Fabriken ausnahmsweise auch dort erbaut werden, wo 
die Baufluchtlinien noch nicht festgesetzt sind, wenn nur 
für eine genügende Entwässerung und eine hinreichende 
Zufahrtstraße gesorgt wird. Allerdings sollen dann an die 
Baugenehmigung Bedingungen geknüpft werden, durch 
welche die spätere Durchführung von Baulinien sicherge 
stellt ist. Die Lokalbaukommission kann ferner vor 
schreiben, also von Fall zu Fall entscheiden, „welche 
Festigkeitszahlen den Tragfähigkeitsberechnungen zugrunde 
zu legen sind, und in welchen Fällen und mit welchen 
Mitteln die Eisenkonstruktionen vor Zerstörung durch Oxy 
dation oder Feuer zu schützen sind.“ Freistehende, und 
außerhalb der Gebäude befindliche Kamine für Fabriken 
und sonstige industrielle Unternehmungen dürfen mit bau 
polizeilicher Bewilligung auch von Eisen hergestellt werden. 
Bei Fabrikgebäuden mit mehr als einem Stockwerke kann 
die Baukommission die Anlage von unverbrennlichen, d. h. 
steinernen oder überwölbten Treppen fordern, die Zahl 
dieser Treppen bei Fabrikgebäuden von größerer Aus 
dehnung bestimmen und schließlich verlangen, daß aus 
Gebäuden, in denen ein besonders feuergefährlicher Be 
trieb stattfindet, feuerfeste Treppen ins Freie führen. Brand 
mauern können bei größeren Fabrikgebäuden in ange 
messenen Abständen nach der Einteilung der Grundrisse 
verlangt werden, oder, daß die eine oder andere Quer 
mauer wenigstens im Dachraum als Brandmauer hoch 
geführt wird. Öffnungen, die zur Durchführung von Trans 
missionsweilen durch die Brandmauern unerläßlich sind, 
„müssen an beiden Seiten durch Büchsen geschlossen 
werden, deren Flanschen in die Brandmauer eingeachraubt 
sind. Zwischen den Büchsen und der Transmissionswelle 
ist ein Spielraum von höchstens 15 mm zulässig.“ Bei' 
Türöffnungen zu Brenn- und Destillier- usw. Räumen 
müssen mindestens 15 cm hohe feuersichere Schwellen an 
gelegt werden usw. 
Auch in Düsseldorf sind in bestimmten Stadtteilen 
Anlagen ausgeschlossen, „welche bei regelmäßigem Be 
triebe durch Verbreitung schädlicher oder belästigender 
Dünste, starken Rauches oder größerer Staubmengen, oder 
durch Erregung ungewöhnlichen Geräusches, Belästigungen 
oder Nachteile für das auf den Straßen verkehrende Pu 
blikum, oder Gefahren für Leben und Gesundheit der 
Nachbarn oder des Publikums herbeiführen können.“ Die 
Erweiterung schon bestehender gewerblicher Anlagen ist 
dagegen in einzelnen, für Neuanlagen verschlossenen Ge 
bieten noch zulässig. In allen Stadtgebieten aber können 
besondere Anforderungen für Gebäude und Gebäudeteile 
gestellt werden, „in denen Fabriken oder solche gewerb 
liche Betriebsstätten eingerichtet werden, welche starke 
Feuerung erfordern, zur Verarbeitung. leicht brennbarer 
Materialien dienen, eine besonders große Belastung oder 
Erschütterung, oder einen starken Abgang unreiner Stoffe 
bedingen.“ „Die Polizeibehörde ist berechtigt, die Anlage 
oder deren Veränderung zu untersagen, wenn feuer-, bau- 
oder gesundheitspolizeiliche Rücksichten dies erforderlich 
erscheinen lassen, oder die aus diesen Rücksichten etwa 
notwendigen Einrichtungen oder Bedingungen vorzu- 
schreibeh.“ „Räume, in denen mit starkem Geräusche ver 
bundene Gewerbe betrieben werden, oder in denen Rauch,
	        
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