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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

3. Jahrgang 
1906 
4. Heft 
43 
DER STÄDTEBAU. 
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FÜR.- DiE- KÜNSTLERISCHE AU^QESTAb 
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INHALTSVERZEICHNIS: Die Stadterweiterung von Lindau im Bodensee. Von Dr. Friedr. von Thiersch, München. — Der Kaiser Franz Josef- 
Kai in Graz. Von Max Stary und W, von Semetkowski, Graz (Fortsetzung und Schluß). — Fabrik- und Industrieviertel. Von Otto Geißler, Groß-Lichter- 
felde, — Kleine Mitteilungen. — Bücher- und Schriftenschau. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
DIE STADTERWEITERUNG VON LINDAU 
IM BODENSEE. 
Von Dr. FRIEDR. von THIERSCH, München. 
Von einem Erweiterungsplan im gewöhnlichen Sinne 
des Wortes kann bei der Inselstadt Lindau kaum die Rede 
sein. Nicht umfangreiche neue Viertel sind es, die dem 
See abgewonnen und der Bebauung dienstbar gemacht 
werden sollen, es handelt sich vielmehr darum, vorhandene 
Blöcke auszubauen, begonnene Auffüllungen in ihrer Be 
bauung und in ihren Ufern zu regeln und neue Verkehrs 
anlagen anzuschmiegen. 
Verfolgt man die geschichtliche Entwicklung des Städte 
bildes, so stellt sich bald die Erkenntnis ein, wie es sich 
durch den Einfluß der Bodenbeschaffenheit, der sozialen 
Umstände, der althergebrachten Baugewohnheiten und der 
nachbarlichen Einflüsse gestaltet hat. Das Städtebild er 
scheint uns als eine Art von Organismus, dessen Einzel 
glieder nicht ohne weiteres entfernt und durch neue er 
setzt werden können. Vielmehr gilt es, Rücksicht auf das 
Bestehende walten zu lassen und das Neue pietätvoll ein 
zugliedern. Allmählich erwacht auch in der Bürgerschaft 
unserer Städte die Wertschätzung und Berücksichtigung 
der alten Schönheit, der Sinn für die Schlichtheit und 
malerische Wirkung früherer Erzeugnisse. Noch deutlicher 
aber werden diese Vorzüge denjenigen stets von neuem 
ins Auge fallen, welche nur zeitweise mit dem Städtebild 
in Berührung kommen, und denen die Auffassung alter Zeit 
gegenüber den Auswüchsen der neueren Baukunst als 
wahre Erlösung erscheint. 
Selbstredend wird es bei der Erörterung über die Be 
friedigung moderner Bedürfnisse zu lebhaften Meinungs 
verschiedenheiten kommen und hier wird die Vermittlung 
von Männern aus dem Baufache angestrebt, die auf der 
einen Seite ein herzliches Interesse für die Erhaltung alter 
Schönheit haben, zugleich aber auch Verständnis für die 
Forderungen der Neuzeit besitzen. 
Vielfach sind im vorigen Jahrhundert in deutschen 
Städten alte Baudenkmale unnötigerweise zerstört worden 
und durch Hinzufügen von Neuerungen unheilbare Schäden 
für das Stadtbild entstanden. AuchLindau ist von diesem Vor 
wurf nicht freizusprechen. Wo sich auf knappem Raume die 
Interessen der Privaten, der städtischen und staatlichen Be 
hörden „stoßen“, und weder Ausdehnung durchHinzunahme 
der Nachbargemeinden so große Schwierigkeiten entgegen 
stehen, da muß dieser Kampf ein besonders harter sein. 
Wer, von Norden kommend, die Eisenbahnstrecke 
München—Lindau benützt, erfreut sich an den schönen 
Landschaften des Allgäus. In zahlreichen Windungen durch 
zieht die Eisenbahn, sich ängstlich vor der Überschreitung 
der bayerischen Grenze hütend, das liebliche Mittelgebirge 
und senkt sich hinab zu den Ufern des schwäbischen Meeres. 
Wie auf den Fluten schwimmend erscheint die Inselstadt 
Lindau in einzigartiger^Schönheit, im Hintergründe die ge 
waltige Kette der Vorarlberger und Schweizer Alpen, Lin 
dau hat nicht seinesgleichen und beansprucht unser Interesse 
durch seine landschaftliche Lage sowie durch die ge 
schichtliche Entwicklung. 
Zwei Land-Verbindungswege, die Landtorbrücke und 
der Eisenbahndamm, sind vorhanden. Wir bringen in
	        
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