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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
30 
Die Ausdehnung, die mit dem Weltzentrum bezweckt 
wird, umfaßt die Gelegenheit bei sehr leicht ausführbarer 
Unterhandlung und Einvernehmen zwischen Staat und Ge 
meinde, zugleich einen Gemeindeausdehnungsplan zu ver 
wirklichen, welcher in dieser Beziehung wichtige Vorteile 
darbietet und welcher, namentlich durch die Annahme des 
Friedenspalastes auf dem dafür bezeichneten Platz, aus bau- 
künstlerischem Gesichtspunkte die sehr wichtige Möglich 
keit eröffnet, auf zweckmäßige und schöne Weise zur Ver 
wirklichung von allem zu gelangen, was die Entwicklung 
des aufblühenden Ideales des XX. Jahrhunderts mit sich 
bringt, da im Lauf der Zeiten auf diese Weise alle diesem 
Zwecke dienlichen Stiftungen auf natürliche Weise sich 
der bestehenden Gemeinde anpässen können. 
Tafel 23/24 zeigt, wie diese Zusammenfügung und 
Entwickelungsmöglichkeit gedacht ist. 
Für den Kern dieses Planes, der sich gruppiert um 
einen Platz oder Park von 140000 qm Oberfläche, der 
internationalen Verbrüderung der Menschheit gewidmet, 
ist gewählt das System von in der Hauptsache konzentri 
scher und radialer Verteilung, da dieses System sich am 
besten der Bodenbeschaffenheit anpaßt, sich am meisten 
zur Verschiedenheit von Gruppierung der verschiedenen 
Nebenzentren eignet, ohne der allgemeinen Übereinstimmung 
Gewalt zu tun, und in seine Linien die Möglichkeit für 
eine sehr reiche Komposition darbietet, mit namentlich bei 
dieser offenen Bebauung sehr allmählicher und fast voll 
kommener Anschließung an die umgebende Landschaft, 
ohne darum, selbst in den weitesten Verzweigungen, den 
typisierenden Charakter zu verlieren. 
Und zum Schluß, aber nicht letzter Stelle, ist dies 
System gewählt der Sinnigkeit der Form wegen und um 
zu zeigen, wie die Ideen, im Herzen der Welt gezeugt, 
davon ausstrahlen. 
Die Haupteinteilung ist gegründet auf das durch Kampf 
errungene Friedenszeichen, das ungleicharmige Kreuz, 
VILLENKOLONIE BUG 
Von F. PÜTZER, Darmstadt. Hierzu Tafeln 19 22. 
Bekanntlich dehnen sich im Süden von Frankfurt 
meilenweite Waldungen aus. An den Frankfurter Stadt 
wald, der südlich des Mains die Stadt in 15 Kilometer weitem 
Bogen umschließt, reihen sich die Kiefembestände der vor 
mals Isenburg-Birsteinischen Waldungen, die vor wenigen 
Jahren durch den hessischen Staat erworben wurden. Dann 
folgt Eichen- und Buchenhochwald, und wo der Hochwald 
lichterwird, bei demWaldbestandeBuchschlag ™ 15 Minuten 
Bahnfahrt von Frankfurt entfernt — ist die neue Villen 
kolonie im Entstehen begriffen und zwar mit Hilfe einer 
Genossenschaft, der von der hessischen Domänenverwaltung 
ein Gelände von 30 Hektar zu billigstem Preis auf eine Reihe 
von Jahren für Bauzwecke zur Verfügung gestellt worden 
ist. Während der ersten drei Baujahre beträgt der Preis 
nur eine Mark für den Quadratmeter. Man hat mit voller 
Absicht den Geländepreis so niedrig bemessen, denn es 
sollen keine Mietkasernen entstehen, vielmehr dürfen hier 
nur Einzelhäuser gebaut werden mit Nutz- und Ziergärten. 
Auch ist der spekulativen Weiterverwertung eine gewisse 
Schranke dadurch gesetzt, daß der künftige Erwerber nur 
unter ganz besonderen Voraussetzungen ein ZweifamiUen- 
das die Welt besiegt. Der Hauptarm führt nach dem 
Platz mit der internationalen Akademie für Pädagogie, 
Hygiene und Ökonomie. Der linke und rechte Arm nach 
jenem für Anthropologie und schöne Künste. Der Unter 
arm oder der Fuß des Kreuzes trägt den Friedenspalast. 
Hinter diesen Plätzen, wo die Grenze der mehr, ge 
bundenen systematischen Anlage ist, verbreiten sich große, 
mehr frei angelegte Parks, indem die dazwischen liegenden 
Blocks, nach Nord, Süd, Ost und West gewendet, für 
weitere Bebauung bestimmt gedacht sind. Der Park hinter 
der oben genannten Akademie umfaßt das pädagogische 
Institut und das hygienische, indem das • Versuchsfeld 
für Ökonomie die ganze Stadtentwicklung mit Arbeiter 
gartenwohnungviertel ist. 
Die ganze Anlage ist in offener Bauweise gedacht, 
wodurch zugleich eine der Beschwerden gegen gerade 
Wege in Städten in Wegfall kommt. Die Hauptverbin 
dung mit der bestehenden Stadt wird gebildet von einer 
breiten Allee mit einer Straßenbrücke zur Verbindung der 
beiden Kanalufer; wo diese Allee sich dem Platze für den 
Friedenspalast anschließt, ist gleichfalls eine Straßenbrücke 
mit Station der elektrischen Eisenbahn. Um vom Kanal 
ab diese Hauptader durchzuziehen bis ins Herz der alten 
Stadt, dafür ist Gelegenheit genug durch das Wegräumen 
des allgemeinen Friedhofes, das Breitermachen der Fried- 
hofallee und einzelne wenig wichtige Durchbrüche. 
Das fernere Zusammenwachsen besorgt die nach und 
nach zustande kommende Wegeanlage des Bauplatzes der 
Gemeinde. 
Es darf als selbstredend vorausgesetzt werden, daß 
der hier angegebene Plan noch vieler Verbesserungen 
fähig ist, und daß in dem nur sehr allmählichen Zustande 
kommen, das in jeder Hinsicht gleichen Schritt mit den 
Bedürfnissen der Entwicklung der Idee halten muß, weitere 
Veranlassung finden wird, um nach Umständen viel ab 
zuändern.
	        
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