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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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schließen sind. Es sind das hauptsächlich Flächen in der 
Nähe der vorhandenen Friedhöfe, die übrigens teilweise als 
Anlagen auszubilden wären, dann die Wiesengehänge in 
Zell, welche sich längs des Bahnhofgebietes erstrecken und 
jene große Wiesenfläche, nördlich des Auracher Hofes Hs.- 
N0.23 inZell, die im Osten vom Bahnhofsgebiet und imNorden 
von der Straße nach Bayern begrenzt ist. Für dieses Grund 
stück erscheint eine solche Anordnung deshalb außerordent- 
lieh wünschenswert, weil nur dadurch die Möglichkeit be 
steht, den herrlichen Blick auf die Niederndorfer Berge und 
die einzigschöne Linie des Vorderkaisers, die sich hier dem 
Auge bietet, zu erhalten. Es ist möglich, daß gegen diesen 
Vorschlag von den Besitzern jenes Grundstückes angekämpft 
wird, und es ist in der Tat ein starker Eingriff in das Eigen 
tumsrecht, der hier gemacht werden soll. Der Verfasser 
kennt aber keinen andern Weg, um das höchst erstrebens 
werte Ziel zu erreichen und hofft, daß gerade die Wahrung 
der eigenen Interessen die Besitzer jener Grundstücke ver 
anlassen wird, seinen Vorschlägen zuzustimmen, denn das 
eigene Interesse verlangt es, daß den weiter westlich und süd 
westlich gelegenen Grundstücken, die sich im gleichen Besitze 
befinden und vortrefflich zur Bebauung eignen, der herrliche 
Blick erhalten wird, den sie bei jeder Bebauung der in 
Rede stehenden Wiesenflächen verlieren müßten. 
Öffentliche Anlagen größeren Maßstabes sollen teils im 
Anschluß an vorhandene entstehen, teils neu geschaffen 
werden. Die erstgenannten beschränken sich auf eine Ver 
größerung der Kalvarienberganlagen und auf eine solche 
der Anlagen am Kudlbach in der Nähe des Bades Kienberg 
klamm. Die letzteren wären: eine parkartige Anlage längs 
des Innes, die sich bis zur Einmündung des Sparchenbaches 
erstrecken sollte und eine solche oberhalb Mitterndorf, zu 
den Füßen des Stadtwaides, an dessen Anfängen hier die 
beste Lage für ein großes Kurhaus usw. zu finden wäre. 
Kleinere Anlagen bezw. Schmuckplätze sind mehrfach 
vorgesehen: längs eines Innkais, der von der Apotheke ab 
wärts bis zum Anschluß an den künftigen Innpark errichtet 
werden soll und mit einer Freitreppe zu erreichen wäre, 
welche neben der Brücke geplant ist; dann zwischen der 
geplanten Straße außerhalb des künftigen Postbogens und 
dem eben genannten Innkai; ferner vor dem städtischen 
Spital; sodann am Kudlbach, zunächst des dermaligen 
Buchauerstadels und schließlich in Zell zwischen Auracher- 
hof und der Baumeister Slackschen Besitzung Hs.-No. 24. 
Was sonst grün angelegt ist, sind Vorgärten, die je nach 
ihrer Lage kleinere oder größere Breiten erhalten sollen* * 
Die breitesten derselben sind jenen Bauvierteln vorgelegt, 
welche den großen Parkanlagen oder den Waldungen zu 
nächst liegen. Solche Bauyiertel müßten insofern besondere 
Beschränkungen erfahren, als man in ihnen nur den Bau 
einzelstehender Familienhäuser oder Villen zulassen sollte, 
welche von so großen Gartenanlagen umgeben sind, daß 
ein guter Übergang zu Wald und Park entstehen würde.*) 
Es ist jedoch besonders zu betonen, daß nicht etwa ver 
*) Bei einer BUcherbcsprcchung meinte in der Frankfurter Zeitung vom 
3. XII. 05 Dr. Anton Kiesa in Godesberg unter Hinweis auf den Architekten 
Berlage, der dies jüngst eis Fehler gerügt habe: „Alle (d. h. Stadter 
weiterer) lassen die Stadt unvermittelt endigen, ohne sie allmählich in 
halbländliche Bauwerke aufzulösen, was einen besonderen Reiz Brügges 
und aller historisch entwickelten Stadtbilder ausmacht,“ Manche mögen 
dies getan haben, alle sicherlich nicht. Der vorliegende Stadterweiterungs 
plan nimmt besondere Rücksicht auf gute Übergänge von der Stadt zum 
Walde. D. H. 
langt werden soll, daß die Bauten in den zuletzt genannten 
Vierteln an die gezogene Baulinie gesetzt werden müßten. 
Im Gegenteil, eine freie Gruppierung wäre weitaus vorzu 
ziehen. Die eingezeichneten Baulinien stellen lediglich dar, 
daß darüber hinaus nicht an die Straße gerückt werden 
dürfe. Selbstverständlich gilt das auch für die bestehenden 
Anlagen und insbesondere für die Villen Rössl und Lütti 
Hs.-No. 139 und 140. 
Einzelne Bäume und Baumgruppen, die mit grüner 
Tusche gezeichnet wurden, sind allenthalben, besonders 
aber bei Platzbildungen und Straßenerweiterungen, ein 
gestreut; sie sollen die Straßenzüge beleben und mehrfach 
zur Beschattung von Brunnen dienen oder auch von Ruhe 
plätzen, die neben Bildsäulen oder sonstiger Straßen- oder 
Platzzier gestellt würden. Vorschläge zur Anpflanzung von 
Alleen sind nur in einem Falle, hier aber ausgiebig gemacht. 
Diese Allee soll den Kreuzbach unterhalb der Parkanlage 
bei Mitterndorf in einer Länge von rund 140 m und mit 
4 Baumreihen begleiten. Eine größere Brunnenanlage 
wurde; an ihrer tiefsten Stelle vorgelegt. Diese mit da 
hinter ansteigender Allee als Übergang zu Park 
und Wald müßte ein vortreffliches Bild geben. 
Damit ist die Beschreibung dessen erschöpft, was als 
künftige Lungen der Stadt in den Plänen zur Darstellung 
gebracht ist. Nicht zur Darstellung konnte der Wunsch 
des Verfassers kommen, den er im Jahre 1898 ausge 
sprochen hat: 
„daß durch eine recht baldige Aufforstung einer mög 
lichst großen, mit Promenadenwegen durchzogenen 
Fläche, längs des linken Ufers des Sparchenbaches, 
der Stadt Kufstein der so wünschenswerte Schutz 
gegen Nordwind verschafft werde.** 
„Für die gesundheitlichen Verhältnisse Kufsteins 
und ihre Eigenschaft als Fremdenstadt wäre das von 
unschätzbarem Wert, Eine künftige Generation würde 
der heutigen Dank wissen.** 
Der lebhaftesten Erneuerung dieses Wunsches sei hier 
durch Ausdruck verliehen. 
Was nun die Vorschläge des Verfassers in Bezug auf 
bisher nicht beschriebene Straßenführungen usw. anlangt, 
denen eigentlich der Rang vor der Aufzählung all* des 
Grünen zugekommen wäre, so ist aus den Plänen ersicht 
lich, daß er nach Möglichkeit bestrebt war, Bestehendes, 
namentlich aber bestehendes Gute, zu erhalten. Wenn an 
manchen Stellen ein Eingriff versucht wurde, der vielleicht 
schmerzhaft empfunden wird, so war es stets die Über 
zeugung von deren Notwendigkeit, die zu solchen Vor 
schlägen führte. 
Überall, wo solche Veränderungen geplant sind, wird 
sich das Bestreben zeigen, gute Stadtbilder neu zu schaffen. 
Daß das auch für die neugeplanten Straßenzüge gilt, ist 
selbstverständlich. Deren Führung war vielfach von der 
Geländegestaltung abhängig; verlorene Steigungen sind da 
bei, wo immer angängig, vermieden worden. Auf be 
stehende Wege wurde nach Möglichkeit Rücksicht ge 
nommen. Die Straßenbreiten sind fast durchweg in mäßi 
gen Grenzen gehalten, niemals übertrieben. Der Verfasser 
ist der Ansicht, daß in modernen Städten die Straßen im 
allgemeinen viel zu breit angelegt werden und das ist dann 
mit manchen Ubelständen verbunden. Abgesehen von den 
erhöhten Kosten der Grunderwerbung, kommen für zu 
breite Straßen die höheren Herstellungskosten in Frage,
	        
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