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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Architektenfirma Fellner & Helmer einen Entwurf ausgearbeitet hat. 
Diese erste Platzwahl wurde bald als sehr ungUnstig gefunden und von 
den vielfachen Gegenvorschlägen schließlich der Platz B an der Westbahn* 
Straße gewählt. Die Gründe für diese Änderung sind in einem, vom Bür 
germeister und Ehrenbürger Salzburgs, Herrn Franz Berger eingeholten 
Gutachten des Verfassers enthalten, von denen die wichtigsten hiermit 
kurz angeführt seien: Platz A ist der schönste und ruhigste Teil des Kur 
parkes mit altem Baumbestand, in welchem Alt und Jung sehr gern Er 
holung sucht. Die an dieser Ecke zusammentreffenden Straßen zeigen 
keinerlei Verkehr, können nach der Lage im Stadtplane auch in ferner 
Zukunft keinen erhalten. Das geplante Gebäude gehört an eine Pulsader 
des Verkehrslebens. Als solche muß die zum Bahnhofe führende West 
bahnstraße — wohl die lebhafteste Straße Salzburgs — bezeichnet werden. 
Für den Park ist aber diese Straße sehr nachteilig. Staub, Lärm und 
Gerüche dringen bis in die Mitte ein, — wäre der Rosenhügel nicht, wohl 
noch weiter .— niemand hält sich dort trotz Musik und Restauration gerne 
auf. Der Stadtsaalbau wäre da der beste Schutzwall und kann auch dort, 
nebst vielen anderen Vorteilen, insbesondere eine Mitbenützung der be 
stehenden Kurbausräume (Saal, Garderoben, Restauration) erzielt werden, 
nicht zuletzt die wenig schöne Außenerscheinung des Kurhauses eine gründ 
liche Umwandlung erfahren. Dieser beiden Vorteile scheint sich die Stadt 
gemeinde durch Verkauf des Kurhauses an die Sparkasse begeben zu wollen. 
Ein besonderes Augenmerk bei der Platzwahl B ist auf das benach 
barte Mirabellschloß zu wenden. Es sind schon manche Stimmen laut ge 
worden, die aus Furcht vor einer Beeinträchtigung dieses ehrwürdigen 
Gebäudes auch von dieser Platzwahl für den Neubau absehen wollen. Es 
kommt eben sehr auf das Wie, auf die architektonische Durchbildung an 
und da muß gesagt werden, daß die völlige Aufrechterhaltung der jetzigen, 
wenig günstigen Umgebung des Mirabellschlosses gewiß nicht das Beste 
ist, sondern nur als letztes Auskunftsmittel gelten kann. Vor allem müßten 
die störenden, kleinen AUeebäume vor der Hauptfront des Mirabellschlosses 
weg. Man könnte sie auf die andere Straßenseite, wo der hauptsächlichste 
Fußgängerverkehr ist, verpflanzen, um das unschöne Gegenüber wenigstens 
etwas zu verdecken und die große Platzfläche lieber mit vertieften Rasen 
beeten auf den verkehrslosen Teilen schmücken. Weiter ist das rechts 
angrenzende, sogenannte Polizeihäuschen unbedingt zu erhalten. Man 
kann sich nichts Besseres an seine Stelle wünschen. Desgleichen ein aus 
giebiger Parkteil von rund 20 m Frontlänge. Es bleibt dann noch genü 
gend Platz für den Neubau, der gerade in diesem Abstand erwünscht ist, 
um den Blick neben dem Schlosse nicht ins Endlose verlieren zu lassen, 
eine geschlossene Platzform zu bilden, ln welcher das Mirabellgebäude die 
Dominante bleibt. Schon aus diesem Grunde müßte auch der Saalbau nicht, 
wie angeblich in einem zweiten Entwürfe geplant sein soll, hinter die Flucht 
des Schlosses, sondern vorrücken und zwar so weit als möglich, denn 
es ist ein feststehendes Gesetz, daß gerade die zuxückstehenden Bauwerke, 
in diesem Falle das Mirabellschloß, sich im Straßenbilde hervorheben, 
weil man sie leichter überblicken kann, während insbesondere in einer ge 
raden, mäßig breiten, noch dazu mit Baumreihen besetzten Straße ein Ge 
bäude nie zu einer Gesamtwirkung kommt. Dieser Satz widerspricht zwar 
der Phantasievorstellung auf den ersten Blick, ist aber durch zahlreiche 
Beispiele bewiesen. Ferner werden durch das Vorrücken des Neubaues 
gewissermaßen alle ungünstigen Augenpunkte für das zu betonende Ge 
bäude ausgeschaltet; man sieht es erst dann, wenn man sich in richtiger 
Stellung vor oder nur etwas rechts davon befindet. Diese Wirkung ist 
derzeit an der linken Seite des Mirabellschlosses, von der Stadt kommend, 
zu beobachten, wo die großen, herrlichen Bäume alle zu schrägen Sehlinien 
abdecken. Rechts vom Bahnhöfe kommend, mangelt es an Ähnlichem. 
Nun bliebe noch die Gestaltung des Neubaues selbst. Man hört im 
„Mirabellstyl“ und noch Gefährlicheres, Mit Schlagworten läßt sich das 
eben nicht sagen; nur das eine ist sicher: entschieden anders als das 
Schloß. Dieses hat eine ruhig monumentale Fassade mit gerade durch 
laufendem Hauptgesimse und strenger Symmetrie. Das Gegenstück wäre 
nicht schwer zu finden und noch dazu für einen Saalbau besonders passend; 
nicht aber für ein Hotel, das des Erträgnisses halber mit errichtet werden 
soll. Nach reiflicher Erwägung ist davon dringend abzuraten: l) aus dem 
schon erwähnten stilistischen Grunde, 2) weil dadurch die ganze Baugruppe 
verringert würde, 3) der durch Wegfall der Grundkosten entstehende Er- 
trägnisüberschuß kaum eine besondere Rolle spielen kann und 4) ein weit 
besserer Gedanke vorliegt, nämlich der, schon vor vielen Jahren und jetzt 
neuerdings aufgetauchte, längs des Kurparkes an der Westbahnstraße Ko 
lonnaden mit Verkaufsläden zu errichten. Dies ließe sich mit dem Saalbau 
sehr gut vereinen, würde ein schönes, seltenes Motiv im Stadtbild bilden, 
wäre für Salzburg, insbesondere bei Regenwetter, sehr wertvoll, zudem 
billiger herzustellen als der geplante Hotelbau und in dem schon vorhan 
denen Geschäftsviertel gewiß auch erträgnisreich. 
Wie nun aber in dem neu in Arbeit befindlichen Entwürfe die Lö 
sung all’ dieser Fragen gedacht wird, ist nur gerüchtweise bekannt. Eine 
rechtzeitige Veröffentlichung wäre geradezu Erfordernis. Die gesamte 
Künstlerschaft fühlt sich mit verantwortlich und verpflichtet, an der wür 
digen Erhaltung des Salzburger Stadtbildes mitzuwirken. Gewiß gehen 
die Meinungen in KUnstlerkreisen oft sehr auseinander, aber es wird nicht 
schwer fallen, aus den vielen vorliegenden und noch zu erwartenden Vor 
schlägen, die sachlich begründeten auszuwählen» 
CHRONIK. 
■p\IE DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR VOLKSBÄDER 
hat ein neues Heft ihrer Veröffentlichungen herausgegeben mit 
der Darstellung der städtischen Badeanstalt zu Hannover, beschrieben 
vom Erbauer Stadtbaurat Dr. C, Wolff. Danach befindet sich jetzt 
die Stadt Hannover im Besitze einer vollendeten Badeanstalt von großen 
Abmessungen, ein Bauwerk, für welches nahezu eine Million aufge 
wendet worden ist. Weitere Aufsätze über Brausebäder (von Professor 
Sugg in München), über Rettungseinrichtungen im Sophienbade zu 
Eisenach (von Dr. du Mont), über die Frage des Trockenschwimmens 
(von Kallenbach}, die Bedeutung des Händewaschens (von Dr. Hopf- 
Dresden), eine Reihe von Gutachten der Gesellschaft und eine um 
fassende Chronik über neue Vorgänge auf dem Gebiete des Öffentlichen 
Badewesens machen den Inhalt aus. Von Einzelheiten sei erwähnt, 
daß die vereinigten Preußisch-Hessischen Staatseiaenbahnen zur unent-
	        
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