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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 3.1906 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
167 
Wenn einzelne Teile des Bebauungsgebiets, nament 
lich im Südosten, auf dem Plane noch keine Straßenein 
teilung zeigen, so hat dies seinen Grund darin, daß hier 
die Anlage eines großen Krankenhauses und eines neuen 
Friedhofs geplant werden und daß mit der Straßenfestlegung 
an dieser Stelle zurückgehalten werden mußte, bis diese 
Pläne etwas festere Gestalt angenommen haben werden; 
auch der Mangel an Fluchtlinien in der näheren Umgebung 
des Güterbahnhofs erklärt sich aus ähnlichen Gründen. 
Dagegen ist durch Verhandlungen mit den umliegenden 
Vororten unter Vermittlung der Königlichen Regierung er 
reicht worden, daß diese mit ihren Bebauungsplänen, die 
zum großen Teil unter unserer Mitwirkung auch bereits 
aufgestellt oder doch in der Bearbeitung begriffen sind, 
sich unserem Straßennetz unter Beobachtung gleicher Ge 
sichtspunkte anschließen werden. 
Da gleichzeitig mit der Bearbeitung der Fluchtlinien 
eine Prüfung der bestehenden Bauordnung stattfand, war 
es möglich, daß beide Arbeiten Hand in Hand gingen und 
daß gleichzeitig mit Festlegung des Straßennetzes auch Vor 
sorge getroffen werden konnte, daß die Bebauung der Straßen 
in dem Sinne erfolgt, welcher der Planung zu Grunde liegt. 
Abgesehen von der alten inneren Stadt, an deren enger 
Bebauung mit Rücksicht auf die meist kleinen und sehr 
wertvollen Grundstücke nur wenig geändert werden kann, 
erstrebt diese Bauordnung eine wesentliche Verringerung 
der Bebauungsdichtigkeit. Sie tut dies in den 3 geschlossen 
zu bebauenden Gebieten, von denen das dritte bei der er 
folgten Aufteilung des Geländes in nicht zu tiefe Blocks 
hoffentlich Anlaß gibt, schmale Einfamilienhäuser mit drei 
Fenstern Front und ohne Hintergebäude zu errichten, durch 
Festsetzung von Prozentsätzen und Maximalhöhen ähnlich 
der Berliner Bauordnung und in den 5 Landhausgebieten, in 
dem sie eine Beziehung schafft zwischen dem Rauminhalte 
des zu errichtenden Gebäudes und der Grundstücksfläche 
und dadurch bewirkt, daß niemand in der Größe seines Bau 
vorhabens behindert, zugleich aber gezwungen ist, wenn 
er durch Anlage eines größeren mehrgeschossigen Bau 
werks, etwa zu Pensionszwecken, mitten im Villenviertel 
eine gewisse Beeinträchtigung für die benachbarten Land 
häuser schafft, diesen in einem parkartigen Garten, den er 
zu seinem großen Hause hinlegen muß, um die gewünschte 
Menge von cbm- umbauten Raumes errichten zu dürfen, 
eine entsprechende Gegenleistung zu bieten. 
Es ist versucht worden, die Verhältniszahlen so zu 
wählen, daß in jedem der 3 Gebiete V, VI und VII, einem 
Bauvorhaben, das sich in gewöhnlichen Grenzen hält, keine 
besonderen Schwierigkeiten aus der Einhaltung der cbm- 
Zahl erwachsen, während größere Bauvorhaben, wie Sana 
torien, Pensionen, Hotels, die in unserer Kurstadt natur 
gemäß auch in den Villenvierteln Platz finden müssen, die 
obengenannte Gegenleistung eines entsprechenden Gartens 
zur Pflicht gemacht wird. Ob mit den angenommenen 
Verhältniszahlen genau das richtige getroffen ist, muß die 
Entwicklung ergeben. Im schlimmsten Falle muß eine 
Nachprüfung Platz greifen. 
Die Landhausgebiete IV und VIII sollen besonderen 
Bauweisen Raum bieten, und zwar soll in IV die Be 
bauung einzelner Blocks geschlossen mit Einfamilienhäusern 
zugelassen werden, in denen unter anderen auch die bei 
der Ausdehnung dieser Gebiete an manchen Stellen nötigen 
kleineren Geschäfte und Handwerker Unterkunft finden 
können. Derartige kleine Viertel bei fortschreitender Be 
bauung an geeigneten Stellen noch hier und da einzuschal- 
ten, ist in Aussicht genommen. 
In VIII ist eine Bauweise vorausgesetzt, die nur an 
der einen Seite der Kaiserstraße Platz greifen soll, um hier 
zwar hohe Häuser, aber in so offener Bebauung zu er 
richten, daß die dahinter liegenden Villenviertel von der 
Hauptstraße nicht völlig abgeschnitten erscheinen. Die 
Hauptbestimmungen der Bauordnung sind in nachstehender 
Tabelle übersichtlich zusammengestellt: 
A. 
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Übersicht der abgestuften Bauordnung der Stadt Wiesbaden. 
3. 
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5- 
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8. 
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Sind ganze Wohnungen im 
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Nach der 
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wie B.-P-O. 
für den 
Stadtkreis 
Berlin vom 
1 15. Aug. 1897 
ia 
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0 
Vorderhäuser 
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Zu Z iffer 
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Erster Strei 
fen erstreckt 
sich von 
der Bau 
fluchtlinie 
an gemessen 
— bis sur 
Tiefe von 
6 m. Zweiter 
Streifen bia 
zur Tiefe 
von 33 m.
	        
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