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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

2. Jahrgang 
1905 
7. Heft 
85 
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FÜR- DiE- KÜNSTLER.!$CftE■ AUJQESTAt 
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INHALTSVERZEICHNIS: Der Baulinienplan für die Stadt Friedberg bei Augsburg. Von Peter Andreas Hansen, München. — Zum Bebau 
ungspläne von Malmö. Von A. Nilsson, Malmö. Bebauungsplan der Beamten- und Arbeiterkolonieen Streiffeld und Kellersberg bei Aachen. (Preis 
gekrönt 1904), Von Jansen und Müller, Berlin. — Noch einmal „Billige Stadtparke“. Von F. Rud. Vogel, Hannover. Arch. B. D. A. — Ausdruck im 
Städtebau. Von Dr. Hans Schmidkunz, Berlin-Halensee. — Kleine Mitteilungen. — Chronik. — Bücherschau. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
DER BAULINIENPLAN 
FÜR DIE STADT FRIEDBERG BEI AUGSBURG. 
Von PETER ANDREAS HANSEN, München. 
Früher, noch bis zum Anfänge des vergangenen Jahr 
hunderts war der kleine Ort bekannter als heute; gingen 
doch die Erzeugnisse seines Gewerbefleißes weit über die 
Grenzen Deutschlands hinaus in ferne Länder, denn Fried 
berger Uhren waren geschätzt und wurden überall gern 
gekauft. Als aber dann das Handwerk zurückging und 
der Verkehr andere Bahnen einschlug, sank auch die 
Bedeutung des Ortes, und das, was blieb, ist jene Ruhe 
und Beschaulichkeit alter kleiner Städte, mit einer Ein 
fachheit und Natürlichkeit aller Verhältnisse, die umso 
wohltuender berühren, je mehr sich unsere größeren Städte 
dem Hasten und Treiben der Neuzeit hingeben. Diese 
neue Zeit hat an unserem Friedberg in seinem alten Teile 
keine allzugroßen Änderungen hervorgebracht, und wer 
die Straßen und Gäßchen auf und ab geht, dem treten 
Bilder aus alter Zeit lebendig vor Augen. Behäbig reiht 
sich Giebel an Giebel und auf dem sanft ansteigenden 
Platze fast inmitten der Stadt erhebt sich das mächtige 
Rathaus (3 auf dem Lageplane, Tafel 49/50) in der Formen- 
gebung des berühmten Meisters Elias Holl. 
In fast regelmäßigem Vierecke ziehen sich noch die 
alten Mauern — deren Gräben in unseren Tagen der Un 
verstand einzelner Bewohner einzufüllen anfängt, — um 
die Stadt herum, und als die Tortürme, ihr schönster 
Schmuck, noch standen, mag sie wohl zusammen mit dem 
festen Schlosse trotzig vom hohen Berge hinabgeblickt 
haben auf das breite Lechtal bis hinüber zu den Augs 
burgern, deren Händelsucht dem Herzog Ludwig dem 
Strengen den Gedanken eingab, hier eine Schutzwehr für 
das Bayernland zu errichten. (Vergl. Übersichtskarte im 
Heft 8, I. Jahrg.) Nicht allzuviel hat sich die Stadt über 
jene alte Anlage hinaus ausgedehnt. Im Westen hindert 
daran ein sumpfiger Untergrund, es bleibt also fast nur 
der Süden und Osten, da für einen großen Teil des Nordens 
das Schloß (4) — jetzt Rentamt und Museum — mit tiefem 
und breitem Graben der Ausbreitung im Wege steht. 
Wenn jetzt die Neuzeit ihre Rechte doch geltend macht, 
wenn der Gewerbefleiß und der Verkehr wieder ihren 
Einzug halten, und mit ihnen zugleich sich das Bedürfnis 
nach neuen Wohnungen fühlbar macht, so wäre es wohl 
nicht das Richtige, die Verhältnisse größerer Städte ohne 
weiteres auf diesen kleinen Ort zu übertragen, der heute 
nur 3000 Einwohner zählt. Das Leben und Treiben wird 
sich hier immer nur in ruhigen und bescheidenen Grenzen 
abspielen können, umsomehr da ein alteingesessener, Land 
wirtschaft treibender Bevölkerungsstamm seine Bedeutung 
auch für die fernere Zukunft bewahren wird. 
Im Osten wird die weitere Ausdehnung ohne Schwierig 
keiten vor sich gehen; das Gelände bietet wenigstens 
keine, allerdings auch keine Eigenheiten, die der Bebaunug
	        
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