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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

2. Jahrgang 
1905 
6. Heft 
71 
FÜR.- DIE- KÜNSTLERISCHE AU^QCSrAl; 
TUNQ-DER-STÄDTE - NACH- IHREN WIRT 
5U1AFTÜCHEN- GESUNDHEITLICHEN - UNO 
S9ZJALEN- GRUNDSÄTZEN! QEQRÜNDET-VON 
THEODOR FinFrKF^CÄMlLLQSiTFF 
WH, BERÜNS 
iERLfN 
UVERLAQ V0N ERNST WA\MUTH,BERliN. 
INHALTSVERZEICHNIS: Stadt- und Hausgartenkunst. Von G, Ebe, Berlin. — Berge und Wasserläufe im Bebauungsgebiete 
der Städte. Von H. Chr. Nußbaum, Hannover (Schluß). Wiederaufbau der Schafgasse zu Herborn. Von Ludwig Hofrnann, Herborn. — Zur Ab 
wehr! — Neue Bücher, Besprochen von Theodor Goecke, Berlin. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schrifdeitung verboten* 
STADT- UND HAUS-GARTENKUNST. < 
Von G. EBE, Berlin. 
Gegen das Empfinden, das uns unsere Städte, diese 
künstlichen und nach Möglichkeit auch kunstvollen Ge 
bilde aus Stein und Mörtel tot und kalt erscheinen und 
der lebensvollen Zutat des Pflanzenwuchses sowie des be 
wegten Wassers bedürftig erscheinen läßt, wird sich niemand 
verschließen wollen. Die Städte des Altertums umschlossen 
prachtvolle Palast- und Tempelgärten, die wir zwar nicht 
mehr in Wirklichkeit schauen können, deren Reize wir 
jedoch aus den Berichten der Schriftsteller und erhaltenen 
Abbildungen ahnen. Der Ruf der hängenden Gärten von 
Babylon hat sich bis heute fortgepflanzt; die Gärten der 
Ägypter sind aus den Wandbildern wenigstens einiger 
maßen bekannt; die Gärten des Museumviertels in Alex 
andria, die Tempelhaine in Griechenland und Kleinasien 
kennen wir wieder nur aus den Schriftstellern. Die groß 
artigen Kaisergärten Roms sind wenigstens in den Haupt 
zügen in den in Marmor gegrabenen Plänen erhalten. 
Alle diese antiken Gartenanlagen standen im genauen Zu 
sammenhänge mit der umgebenden Architektur, und waren 
im Anschlüsse an diese im Stile der jedesmaligen Epoche 
ausgebildet. 
Die mittelalterlichen befestigten Städte des Nordens 
besaßen, wenn sie nicht zufällig Fürstenschlösser ein 
schlossen, nur die Hausgärten und im günstigsten Falle 
einige von Bäumen beschattete Brunnen auf den öffent 
lichen Plätzen; erst außerhalb der Ringmauern dehnten 
sich die Pflanzungen aus, ähnlich wie sich die Zwinger 
gärten an die innere Burgmauer lehnten. Es gab sicher in 
den Burggärten lauschige Lauben und schattige Bäume; 
auch an Beeten mit Rosen, Lilien, Flieder und anderen 
Pflanzen mit duftenden Blüten dürfte es nicht gefehlt haben, 
aber die Enge des Raumes verbot hier, wie in den ähnlich 
behandelten Hausgärten, eine eigentlich landschaftliche Ent 
faltung und schrieb eine an die umfassenden Mauern und 
Baulichkeiten gebundene Einteilung vor. Noch strenger in 
der Linienführung mußten sich die Gärten in den Kreuz 
gängen der Klöster gestalten, während umfangreichere An 
lagen innerhalb des Klosterbereiches die Anfänge zu den 
botanischen Gärten der Neuzeit gaben, indem in ihnen 
ausländische Pflanzenarten und vor allem Heilkräuter ge 
zogen wurden. 
Erst mit dem Einzuge der Renaissance tritt die Land 
schaftsgärtnerei seit dem Altertume von neuem wieder als 
Kunst ins Leben. Es erweitern sich die Städte, Licht und 
Luft in breiten Massen einlassend; es findet sich Raum für 
die Anlage öffentlicher Gärten. Selbstverständlich sind die 
Städte in dieser Periode mehr als früher bedacht, sich 
Stücke der freien Natur, Laubmassen und Blumenbeete 
einzuverleiben, und diese, soweit es die örtliche Lage zu 
läßt, möglichst in Verbindung mit Wasserläufen und 
Brunnenwerken zu setzen. — In den Prachtgärten der 
italienischen Villen des 16. Jahrhunderts erstand die alt
	        
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