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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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springenden Hügel geschlossen zu bebauen, die Abhänge 
ringsum für einzelne Villen und kleinere Wohnhaus 
gruppen auszunutzen, die sumpfige Sohle aber vollständig 
frei zu halten. Das neue Verkehrsnetz ergab sich durch 
den Ausbau vorhandener Wege und Straßen, durch Um 
führung der Sumpfwiesen, als der natürlichen inneren Be- 
bauungsgrenze, durch Anlage von leichten Zufahrtswegen 
zu den neuen Baustellen, wobei auf die Steigungsverhält 
nisse peinlich Rücksicht genommen ist. 
Auf die leichte Erreichbarkeit der etwa 20 Minuten 
entfernten Station Nidda wurde Bedacht genommen. Als 
einzig neuer Hauptverbindungsweg wurde eine Straße an 
gelegt, die im NO. am höchsten Punkte der Straße Geis- 
Nidda abzweigt, mit leichtem Gefälle neu zu erschließendes 
Bauland durchschneidet, den Soderweg kreuzt und in 
den Straßenring einmündet, der die Sumpfwiesen um 
schließt. Die Haltestelle Salzhausen ist durch eine ost 
wärts abzweigende Straße mit dem nordöstlichen Viertel 
in Verbindung gebracht. Die Umgebungsstraßen der 
Sumpfwiesen bilden für die Badegäste engere und weitere 
Promenaden, die nicht das leidige hin und her der üb 
lichen Badepromenaden aufweisen, sondern einen ge 
schlossenen Umlauf ermöglichen. 
Die Quellen haben neue Fassungen erhalten, die Stahl 
quelle einen architektonisch ausgebildeten Zugang von der 
Landstraße her und eine Auszeichnung durch eine mäch 
tige Baumgruppe, die einen kleinen Brunnenhof über 
schattet; an der Schwefelquelle ist eine kleine Halle an 
geordnet; die Lithionquelle ist überbaut gedacht. Zwei 
Teiche in der Ostecke der Sumpfwiesen, Landgrafen- und 
Rolandsteich, von hohen Bäumen umgeben, sind in die 
Promenade einbezogen. Auf der Landzunge zwischen den 
Teichen ist ein Tempelchen oder Pavillon gedacht. 
Der natürliche Mittelpunkt des Verkehrsnetzes bleibt 
das alte Kurhaus. Die Erweiterungsbauten und Bade 
hallen gruppieren sich an das bestehende Gebäude an, 
unter Schonung der schon bestehenden Nebengebäude. 
Zwei kleine Eckpavillons mit Mansarddächern konnten 
als Flankierungsbauten für den Hauptzugang verwendet 
werden. Die südwärts abzweigende Allee mit zum Teil 
alten Bestände, führt am Musikpavillon vorbei zum Sport 
plätze, der zwischen dem hier steil abfallenden Hang und 
dem einspringenden Hügel gebettet ist. Die zum Teil un- 
bebaubare Anhöhe kann leicht zur Tribüne umgeschaffen 
werden: Die umliegenden Straßen sind doppelreihig be 
pflanzt und mit Pavillons besetzt Außer dem Kurhause 
sind noch ein Hotel großen Stils und ein Sanatorium vor 
gesehen. Das Sanatorium liegt in einer Bodenfalte des 
Nordabhanges, weitab von der Landstraße, im Rücken und 
zu beiden Seiden von Wald gedeckt, nach Süden gegen 
einen Terrassengarten offen. Das sumpfige Gelände gegen 
Garten und Landstraße ist zum Teich umgewandelt, wo 
durch die ganze Anlage eine schöne Abrundung gewinnt. 
Das Hotel legt sich als Talsperre zwischen die Landstraße 
und das Gehölz, das die nordöstliche Begrenzung des 
Sanatoriumgrundstückes bildet. Zu beiden Seiten der 
Straße Kaufläden, wie solche auch in der Nähe des Kur 
hauses auf einem ungenutzten Geländezwickel sich erheben. 
Neben den Hotels sind für die Kurgäste und für 
ständige Einwohner Einzelwohnhäuser und Villen ge 
plant. Die Aufteilung dieser Grundstücke, wie 
sie im Bebauungsplan angegeben ist, kann nur 
als Vorschlag betrachtet werden. Nur ein ge 
ringer Teil davon ist bisher parzelliert. Im Westen 
gruppiert sich eine solche Ansiedlung um den alten 
Steinbruch, der leicht zu gärtnerischen Anlagen um 
gewandelt werden kann. Die ringsum führenden Land 
straßen weisen alle Bepflanzung auf. Die Zufahrtswege 
im Innern des Viertels sind als etwa 5 m breite kleine 
Gartenstraßen gedacht, ohne Bürgei steig. Die Häuser sind 
nicht durchweg im gleichen Abstande von der Straße ge 
dacht. Es ist vielmehr eine Gruppierung des ganzen 
Straßenbildes ins Auge gefaßt und außerdem darauf Be 
dacht genommen, daß die Häuser sich gegenseitig mög 
lichst wenig die Aussicht nehmen. Um keine zu große 
Gleichförmigkeit aulkommen zu lassen, sind auch Doppel 
villen eingeschoben. 
Eine Anzahl von Villen nutzt die geschützte Lage des 
Sanatoriums aus, eine weitere Gruppe bildet sich zwischen 
dem großen Hotel, der Landstraße und der Bahn. Hier 
ist längs der Bahn geschlossene Bebauung angenommen, 
um gleich von vornherein auch kleinere und billigere 
Wohnungen möglich zu machen. Am höchsten Punkte 
der Landstraße, in der Nähe der Bahnkreuzung führt die 
kleine Straße mit der einseitig geschlossenen Bebauung zu 
einer Kapelle, die den Weg zum Friedhofe weist. Eine 
weitere Betonung dieses als Wasserscheide und Abschluß 
der Bebauung wichtigen Punktes bildet die Anlage einer 
Restauration. Ähnliche Bedingungen wie das nördlich der 
Landstraße gelegene Gelände weist der südliche Abschnitt 
nach dem Soderweg zu auf. Jenseits des Soderweges 
beginnt der Niddaer Hang, der einen schönen Blick aut 
das ganze Tal bietet, mit den Kurhausanlagen im Mittel 
grund und dem Wald als abschließenden Saum. Der 
starke Abfall des Geländes läßt nur einreihige Bebauung 
zu. Die Zufahrtstraßen sind denn auch hier nur 5 m breit 
angenommen. Die lange Reihe der Villen wird durch 
einen reich ausgebildeten Aufstieg zur Anhöhe unter 
brochen, die von einer Gloriette bekrönt wird. 
Im Gegensätze zu den locker aufgebauten Ansiedlungen, 
die rings die Abhänge beleben, steht der im Stidwesten 
vorspringende Hügel mit seiner geschlossenen Bebauung. 
Auf dem höchsten Punkte steht die Kirche, die Breitseite 
gegen das Tal gestellt, den Turm gegen den Talausgang. 
Durch eine Zufahrt mit mäßigem Gefälle ist der Kirch- 
hügel mit der nach Geis führenden Landstraße verbunden. 
Diese Zufahrtstraße sowie der untere Saum und die Kuppe 
des Hügels sind geschlossen bebaut. An der dem Kur 
hause nächstgeiegenen Ecke erhebt sich ein öffentliches Ge 
bäude für Post und Feuerwehr. Auf der Höhe gruppieren 
sich um die breitgelagerte protestantische Kirche das Rat 
haus, die katholische Kirche und die Schule. Arkaden 
umfassen den Platz und öffnen sich zwischen Rathaus und 
katholischer Kirche. Für die Kirch- und Schulbesucher 
führen drei Fußwege zur Höhe. Es ist angenommen, daß 
sich an diesem Hügel die seßhaften Leute, auch die Hand 
werker und Gewerbetreibenden anbauen werden. Die 
dichte Ansiedlung und starke Bekrönung dieses Hügels ist 
für eine eigenartige Entwicklung des Talbildes von aus 
schlaggebender Bedeutung,
	        
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