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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Kostet die Erwerbung einer 500 ha großen 
Fläche im Zusammenhänge für den preußi 
schen Morgen oder für rund */ 4 ha durch 
schnittlich 500 Mark, so machen die Er 
werbskosten dieser rund 2000 Morgen rund 1000000 M. 
aus. Hiervon entfallen auf Straßen, Plätze, 
Bahnen und Kanäle etwa 35°/ 0 , welche 
der Bebauung entzogen werden, das sind 350000 ,, 
Nun kann man annehmen, daß die Straßen- 
pflasterungs- und sonstigen Anlagekosten 
für das Quadratmeter Straßen-, Bahn- 
und Kanalfläche usw. rund 5 Mark oder 
für 700 Morgen rund 9000000 Mark be 
tragen, die aber nicht mit einem Male zur 
Verausgabung gelangen, sondern sich auf 
(angenommen) etwa 20 Jahre verteilen. 
Also kämen für die ersten Anlagekosten 
noch hinzu . 450 000 „ 
sodaß von Anfang an insgesamt 1800000 M. 
und mit einem Zuschläge für Unvorherge 
sehenes von 200000 ,, 
alles in allem 2000000 M. 
zu verausgaben und dauernd zu verzinsen wären. 
Es sind demnach folgende jährlichen Aufwendungen 
zu machen: 
1) Zinsen der ersten Anlage mit 3,5 v. H. 70000 M. 
2) Tilgung und laufende Verwaltungs 
kosten dieser Anlagekosten 1 v, H. . 20000 „ 
3) für die Zeit vom 2. bis 20. Jahre, also 
für 19 Jahre, jedes Jahr an Zinsen 
und Tilgung mehr 450000x4,5% = 
20250 Mark 20250 „ 
und 4) für den Betrieb und die Instandhaltung 
der gemeinsamen Anlage jährlich 
rund . 19750 „ 
das sind zusammen jährlich =a 130000 M. 
die also doch wenigstens vom 2. Jahre der Neuanlage ab 
aufzubringen wären. 
Es stehen insgesamt 1300 Morgen zur Verfügung, mit 
hin hat jeder Morgen Land eine Schuldrate von 
jährlich 100 Mark aufzubringen, in welchen Betrag aber 
die Grundgemeindeabgaben mit eingeschlossen 
sind. Nimmt man an, daß die nutzbare Fläche von 1300 Mor 
gen von insgesamt 5000 Menschen besiedelt wird, so entfällt 
auf den Kopf dieser Bevölkerung eine jährliche Schuldrate 
130000 . . „ . 
von —- oder 26 Mark. 
5000 
Aber auch wenn man den ungünstigsten Fall setzt, daß 
wenigstens die Hälfte der mit 9 Millionen Mark veran 
schlagten Gesamtanlagekosten von Anfang an mit 4,5° 0 
zu verzinsen und zu tilgen ist, daß also anstatt der 
130000 Mark p. a. von vornherein jährlich rund 300000 Mark 
aufzubringen sind, dann kommen immer erst auf den 
Kopf oder 60 Mark jährliche Schuldrate. 
5000 J 
Es verhält sich nun die Verzinsung und Tilgung des 
eigentlichen Bodenkapitales zu den durchschnittlichen 
jährlichen Gesamtausgaben wie oder wie 1:3,33... 
300 000 ^ 
mithin betragen die jährlichen Ausgaben für die Ausnützung 
des Bodens und die Instandhaltung der öffentlichen 
Betriebe, also die Grund- usw. Steuern auf den Kopf 
42 Mark und die eigentliche Bodenrente nur 18 Mark. 
Die letztere verschwindet bei einer Tilgung von rund 
i% in längstens 2 Generationen, also in rund 70 Jah 
ren, ganz und von den verbleibenden 42 Mark pro 
Kopf würde ungefähr die Hälfte, als Verzinsungs- und 
Amortisationskote der Straßen- usw. Anlagekosten, eben 
falls in annähernd der gleichen Zeit getilgt sein, so daß 
insgesamt an Bodenrente und Grund- etc. Abgaben nur 
noch 21 Mark für den Kopf übrig bleiben würden. 
Es sei aber angenommen, daß die wegfallende Kote 
von 21 Mark dauernd verbleibe für die Errichtung und In 
standhaltung aller öffentlichen Anstalten, wie Schulen, Ver 
waltungsgebäude, für Lehrer und Beamtenbesoldungen usw. 
usw. und daß sie in demselben Maße von Anbeginn an 
allmählich zu der Höhe von 21 Mark anwachse, wie die 
Tilgungsrente der Straßen- usw. Kosten abnehme, so bleibt 
also für jeden Fall eine dauernde Last an Ge 
meindeabgaben von 42 Mark auf den Kopf, auch 
wenn die eigentliche Bodenrente von 18 Mark endgiltig ge 
tilgt ist. Man wird dem überhaupt zu leistenden Durch 
schnitte an Bodenrente und Gemeindeabgaben ziemlich nahe 
kommen, wenn man das Mittel der Anfangskote von 
60 Mark und das der Endkote von 42 Mark als durch 
gängige Last von 51 Mark auf den Kopf setzt und somit 
eine bleibende Bodenrente von etwa 10 Mark für 
den Kopf der Bevölkerung festhält. 
Im Anfänge unserer Abhandlung hatten wir ermittelt, 
daß auf die erwerbsfähige Person in der modernen Groß 
stadt eine Bodenrente von rund 150 Mark entfällt. Das 
sind für den Fall, daß auf eine Familie im Durchschnitt 
4Personen kommen, auf denKopf derBevölkerung 37,5 Mark, 
also rund 4 mal so viel Bodenrente als für die Industrie- 
kolonie. Die jährlichen Ausgaben der Großstädte belaufen 
sich im Mittel auf etwa 57,5 Mark für den Kopf, was mit 
der ebenberechneten Bodenrente von 37,5 Mark zusammen 
rund 95 Mark gegen die oben ermittelten 51 Mark in 
max. und 42 Mark im Durchschnitt ausmacht. Eben- 
ezer Howard hat auf anderem Wege dieses Verhältnis 
für England auf 90 zu 40 Mark berechnet. Man kann 
also mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die dau 
ernden Lasten der Bevölkerung durch die In 
dustriekolonie auf die Hälfte herabgesetzt werden, 
wozu nun aber noch alle ferneren Vorteile sowohl 
für die Ansiedler wie insbesondere für die an 
siedelnde Großstadt kommen. 
Zunächst ist hervorzuheben, daß bei 5000 Einwohnern 
und rund 2000 Morgen Gesamtfläche auf den Einwohner 
0,4 Morgen oder etwa 1000 qm Fläche kommen, wenn die 
Kolonie vollständig besiedelt ist. Die Stadt Hannover, eine 
der mit öffentlichen Anlagen und Erholungsstätten am aller 
reichsten gesegnete'n, wird bei völliger Besiedlung des noch 
zur Verfügung stehenden Landes ungefähr 700 qm Fläche 
für den Einwohner haben, wobei aber die allein rund 
2500 Morgen umfassende Stadtforst mitberechnet ist, ohne 
diese dagegen nur rund 600 qm. 
Die oben als bleibend berechnete Bodenrente von 
10 Mark pro Einwohner entspricht einer durchaus abzugs 
freien Pachteinnahme von 50 000 Mark für die Gesamtfläche 
oder von 25 Mark für das Jahr und den Morgen. Das ist 
ein Durchschnittswert, der selbstverständlich auf die 5 ein 
zelnen Anziedelungszonen ganz nach dem Verhältnisse des 
Nutzens verteilt werden muß, den die einzelnen Zonen-
	        
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