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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Abb. i. 
Gartenanlage des Herrn Dr. Klostermann, Gelsenkirchen. Entworfen und ausgeführt von Hardt & Nauen, Gartenarchitekten, Düsseldorf. 
sich gegenseitig zu heben und zu schmücken, beeinträch 
tigen sich Gartenkunst und Architektur, und doch sollten 
sich beide zu einem Kunstwerk vereinen. 
Mit Recht mag man den französischen Garten wegen 
seiner Steifheit und der nur zu oft gekünstelten Formen 
verurteilen, doch wird niemand leugnen können, daß in 
einer Anlage, wie die zu Versailles und ähnliche, der 
Garten mit dem Bauwerk in innigsten Einklang gebracht 
ist. Der Grundgedanke des architektonischen Gartens geht 
also dahin, die ganze Garten- und Parkanlage in regel 
mäßigen und architektonischen Formen und Linien aus 
zuführen, also gewissermaßen selbst zur Architektur zu 
machen. Ein großer Gedanke will hier Architektur und 
Natur vereinen. Neben dieser architektonischen Auffassung 
der Anlage im allgemeinen ist auch die architektonische 
Behandlung der Bäume und Sträucher nicht zu verwerfen. 
Buxbaum und Taxus wird man stets in geraden Linien 
und Formen pflanzen und schneiden dürfen, und jedem 
Künstler ist es erlaubt, besonders Linden, Rot- und Hain 
buchen in regelmäßige Formen zu zwingen. Weiter wird 
man Schlinggewächse zu Laubengänge heranziehen oder 
zwischen Säulen und Bäumen ziehen, und ferner wird man 
nach Art der früheren Teppichbeete Muster aus niedrig- 
bleibenden Pflanzen bilden dürfen. 
Abb. 2. 
Vorgarten für Herrn Böttcher, Berlin. Ans der „Gartenkunst“. 
In das gerade Gegenteil verfiel der englische Garten 
des 18. Jahrhunderts, der in dem Bestreben, nur Natur zu 
bieten, so weit ging, die Schrecknisse der Wildnis, Berge 
und Täler, Schluchten, Felsen, Ruinen usw. in engem 
Raume zu vereinen. Man errichtete aller Art Tempel, Ein 
siedeleien, Borkenhäuschen und Denkmäler und bevöl 
kerte den Park mit Wild und Haustieren. So verwerflich 
auch diese Auswüchse waren, so steckte doch, ebenso wie 
in dem französischen Garten, ein vernünftiger Gedanke in 
diesem Naturgarten. Wie der französische Gartenarchitekt 
davon ausging, die Natur der Architektur unterzuordnen, 
so fand der englische Landschaftsgärtner seine Befriedigung 
in dem Garten, der als Schmuck der Landschaft diente. 
Wer von beiden nun Recht hatte, ist schwer zu sagen. 
Ist ein Park von Wald, Feld und Wiesen umgeben, mag 
man ihn im landschaftlichen Stil anlegen; je mehr aber 
der Garten von der Architektur beherrscht wird, wird er 
sich den regelmäßigen Formen anpassen müssen. In den 
Städten ist daher in den Vorgärten, den Gärten hinter den 
Häusern und in den meist sehr engen Höfen eine land 
schaftliche Anlage, wie sie meist beliebt ist, ohne jede 
künstlerische Wirkung, ja sie ist durchaus ein Zeichen 
eines sehr ungebildeten Kunstempfindens. Hier ist fast nur 
der regelmäßige Garten am Platz (Abb. 14 im Text und 
Tafel 9). 
Mit wie geringen Mitteln ließen sich hier durch die 
beim Bau gewonnenen Erdmassen kleine Terrassenanlagen 
schaffen. Die nötigen Treppen und Brüstungen ließen 
sich ebenso billig aus dem warmen, roten Backstein her- 
stellen, die Lauben im sogenannten Biedermeierstil, Bänke, 
Stühle und Tische in der einfachen, schlichten Art, wie sie 
jetzt z. B. von den Dresdner Werkstätten für Handwerks 
kunst hergestellt werden. Grünberankte Gartenmauern, ein 
freundliches Gartentor werden ein anmutiges Bild geben. 
Von großen Bäumen ist hier Abstand zu nehmen, da sie 
den Zimmern Licht und Luft rauben und schon die Lauben 
hinreichend Schatten geben. Oft wird auch gegen die 
Rücksicht auf die Architektur verstoßen, deren Wirkung 
man durch starke Baummassen beeinträchtigt und die man 
dadurch von den Anlagen loslöst, anstatt beides zusammen 
wirken zu lassen. Als gutes Beispiel mögen auch die An 
lagen an der Kölner Bismarcksäule gelten, die selbst bei 
hohem Alter die wuchtige Größe der Säule nie in ihrer
	        
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