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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

2. Jahrgang 
1905 
12. Heft 
155 
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INHALTSVERZEICHNIS: Das Burgtor und seine Umgebung in Lübeck, in früherer und gegenwärtiger Gestalt. Von J. Baltzer, Lübeck. — 
Nachträgliches von der Gartenbau-Ausstellung in Darmstadt. Von Theodor Goecke, Berlin. — Städtische Wohlfahrt auf der Weltausstellung in Lüttich. 
Von Dr. Hans Schmidkunz, Berlin-Halensee. —— Die Sammlung von deutschen Stadtplänen auf der Dresdener Städteausstellung. Von R. Gerke, Dresden. — 
Mitteilungen. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
DAS BURGTOR UND SEINE UMGEBUNG 
IN LÜBECK, IN FRÜHERER UND GEGEN 
WÄRTIGER GESTALT. 
Von J. BALTZER, Lübeck. 
Überall, wo in unsern alten malerischen Städten die 
neuere Bebauung, die ihren Grund in den Bedürfnissen der 
Gegenwart hat, älteren Gebäuden, deren Lebens- und Da 
seinsbedingungen der Vergangenheit angehören, nahe 
rückt und wohl gar ihren Bestand gefährdet, ergibt sich 
ein Widerstreit, der einer glücklichen Lösung die größten 
Schwierigkeiten in den Weg legt. 
Ein Beispiel dafür ist das Lübecker Burgtor mit seiner 
näheren Umgebung, eine Stätte, wie keine zweite in der 
alten Hansestadt von Sagen und geschichtlichen Erinne 
rungen umwoben, in seiner äußeren Erscheinung eines der 
malerischsten Architekturbilder, die wir in Norddeutsch 
land besitzen, siehe Textbild 1. Jeder, der Lübeck besucht 
hat, kennt auch das Bild, das der hochaufstrebende reich 
gegliederte Torturm mit seiner schöngezeichneten Renais 
sancehaube und den kleinen malerischen Nachbarhäusern 
als Abschluß der Großen Burgstraße bildet. 
Dieses Tor, das schon vor unserer Zeit die mannich- 
fachsten Veränderungen erfahren hat, ist nur der Rest 
einer größeren Anlage, eines dreifachen Torbaues, von 
dem der bestehende Turm der stadtseitige Abschluß war, 
wie dies auf dem großen Holzschnitte mit der Ansicht der 
Stadt Lübeck aus dem Jahre 1555 zu sehen ist. 
Als die Außentore gefallen waren und als auch die 
nachträglich vorgelagerte Erdbastion ihre Bedeutung für 
die Befestigung verloren hatte, veränderte sich das Bild 
des Äußeren nicht in günstigem Sinne; doch zwei kleine 
Vorbauten, die der Torwache dienten, im Verein mit wun 
derbarem Baumbestand in dem Garten der alten Brauer 
wasserkunst, welcher der östlich sich an das Tor an 
schließenden Stadtmauer vorgelagert war, schufen mit dem 
Torturme wieder ein neues malerisches Bild, das wir 
aus verschiedenen Zeichnungen und Photographien des 
vorigen Jahrhunderts kennen und dem gegenwärtigen Zu 
stande vorziehen. 
Weitere Änderungen hat das Bild des Tores in den 
letzten Jahrzehnten erfahren. Stadtseitig wurde zunächst 
auf der Stelle des alten Burgklosters unter Benutzung ein 
zelner seiner Teile ein Gerichtsgebäude erbaut, in seinen 
Formen an ältere Lübecker Bauten anschließend, aber in 
seiner Baumasse für den Blick von der Burgstraße her so 
beherrschend, daß die Bedeutung des Tores unter dieser 
Nachbarschaft leidet. 
An Stelle des kleinen Wachtgebäudes wurden außen 
an das Tor drei Wohnhäuser angebaut, die mit ihren 
flachen Dächern und ihrer nüchternen Architektur das 
früher schöne Bild wesentlich beeinträchtigen. 
Hier ist allerdings in Zukunf t ein Wandel zum Besseren 
zu erhoffen, da der Staat diese Häuser angekauft hat mit 
der ausgesprochenen Bestimmung, sie seiner Zeit nieder-
	        
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