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Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
189 
bezeichnet. Der Plan des Stadtbauamtes unterscheidet 
sich von beiden Vorschlägen dadurch, daß er die Straße 
streckenweise noch etwas weiter nach dem Wiener Walde 
hinaufschiebt. 
2. DerWald- und Wiesengürtel ist in seinem Grund 
gedanken ebenfalls schon im Wettbewerbe um den Gene 
ralbebauungsplane von 1893 und zwar vom Baurat Faß 
bender vorgeschlagen worden, der einen breiten Gürtel 
Landes um Wien herum unverbaut lassen und mit öffent 
lichen Parks und Gartenanlagen ausstatten wollte. Diesen 
Gedanken hat dann derselbe Verfasser in einem Druck- 
schriftchen „Ein Volksring für Wien“ im Jahre 1898 
näher ausgefiihrt — unter Beigabe eines farbigen Planes. 
(Kommissionsverlag von R. Lechner [Wilh. Müller], k. u. k. 
Hof- und Universitäts-Buchhandlung). Der Plan des Stadtbau 
amts schiebt diese Zone mit Grünanlagen unter Mitbenutzung 
vorhandener Wälder um etwa 1 bis i 1 /* km weiter hinaus. 
Die erwähnten Wettbewerbspläne befinden sich sämt 
lich, da sie mit Preisen ausgezeichnet waren, im Besitz 
der Stadtgemeinde Wien. Bei der großen Bedeutung, die 
nicht nur das Zustandekommen des großartigen Planes, 
sondern auch seine Entwicklungsgeschichte für den Städte 
bau hat, wird die Zeitschrift die Angelegenheit in nächster 
Zeit noch ausführlicher behandeln. 
egen die STÄDTISCHE BAUWEISE bei ländlichen Kirchen-, 
Pfarrei- und Schulbauten wendet sich die großherzoglich Sachsen- 
weimarische Regierung. Zünächst wird ausgeführt, wie durch die Ein 
führung der städtischen Bauweise ein Mißverhältnis zwischen den öffent 
lichen Bauten und der Örtlichkeit entsteht, wie beispielsweise ein einziges 
flaches Dach das Bild einer Ortschaft dauernd zu beeinträchtigen vermag. 
Es werden daher für die ländlichen Ortschaften die altbewährten steilen 
Satteldächer empfohlen. Bei zweistöckigen Schulhäusern soll im Ober 
geschoß möglichst der althergebrachte Facbwerkbau angewandt werden. 
„Es erscheint angezeigt, daß beim Entwerfen von Dorfkirchen, Pfarreien 
und SchulhUusem ausdrücklich die Beachtung der üblichen Bauweise zur 
Pflicht gemacht und namentlich die Anwendung städtischer Bauformen 
untersagt werde. Bei Kirchenbauten wird zunächst festzustellen sein, was 
vom alten Bau etwa erhalten werden kann, und danach wird sich die 
weitere Entwurfsbehandlung zu richten haben. Die Freilegung der Kirchen 
durch Beseitigung alter Kirchhofsmauem, nahestehender Gebäude oder 
großer Bäume wird vorher genau zu prüfen sein, weil in vielen Fällen 
durch diese Freilegung die Erscheinung der Kirche nicht gehoben, sondern 
eher beeinträchtigt werden kann. Die Pfarrei soll an die Kirche zwar 
nicht unmittelbar angebaut, aber mit dieser, wenn tunlich, zu einer Bau 
gruppe vereinigt werden, doch so, daß das Pfarrhaus mit seinen Neben 
gebäuden nicht allzu sehr hervortritt. Es wird daher, namentlich wenn 
die Pfarrei zwei Stockwerke erhalten soll, sorgfältig zu beachten sein, daß 
die Gebäudehöhe im richtigen Verhältnis zur Höhe der Kirche stehe.“ 
Endlich wendet sich die Bekanntmachung noch gegen das Eisengitter, das 
städtisch sei. Die Gemeinden möchten lieber bei ihren Hof- und Tor- 
mauem oder Lattenzäunen bleiben. Manches in diesen Ratschlägen ver 
dient deshalb Beachtung, als zahlreiche Dorfbüder davon zeugen, daß der 
Sinn für die Schönheit des Althergebrachten den Dörflern immer mehr 
verloren geht. Es fehlt eben an guten Vorbildern. Aus demselben Grunde 
bat der Regierungspräsident von Minden einen Wettbewerb ausgeschrieben 
zur Erlangung mustergültiger Entwürfe für die gebräuchlichsten ländlichen 
und bürgerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Die ausgewählten Ent 
würfe sollen veröffentlicht und Baulustigen billig zugänglich gemacht 
werden. Die Regierung des Fürstentums Schaumburg-Lippe hat sich 
diesem Vorgehen angeschlossen. 
ER LETZTE GRÖSSERE PARK CHARLOTTEN- 
BÜROS ist leider dem Erdboden gleichgemacht, um Raum zu 
geben für moderne Bauten. Es ist das dem ebenfalls verschwundenen 
Floragarten gegenüber gelegene Grundstück der v. Wartenbergschen Familie, 
das mit seinem uralten Baumbestand und dem vornehmen, mit der Front 
nach dem Luisenplatze gerichteten Landhause unwillkürlich die Blicke des 
Vorübergehenden auf sich lenkte. Niemals ist der Wartenbergsche Park 
der Schauplatz großer Festlichkeiten gewesen wie der Florapark, niemals 
sind um ihn so viele Worte gefallen, wie um den jetzt gleichfalls aus- 
gerodeten und der Bebauung erschlossenen Park Witzleben, Doch jetzt 
macht er von sich reden, denn er dient als Zeuge für die außerordent 
liche Steigerung, die in den letzten hundert Jahren die Preise für den 
Grund und Boden in Charlottenburg erfahren haben. Das etwa vierund 
zwanzig Morgen große Grundstück bildete im achtzehnten Jahrhundert 
einen Teil des königlichen Küchengartens, der zum Schlosse gehörte. In 
den Nöten der Napoleonischen Zeit, also vor nunmehr hundert Jahren, 
verkaufte Friedrich Wilhelm HI. das Grundstück für 4000 Taler; jetzt ist 
es von einer Baufirma für zwei Millionen Mark erstanden, nachdem die 
Stadtgemeinde, die des Grundstückes zur Dorchlegung' der Kaiser Friedrich- 
Straße bedurfte, bereits das Enteignungsverfahren eingeleitet hatte. Leider 
sind dabei die alten Bäume unnötiger Weise sämtlich vernichtet worden, 
und auch der Fluchtlinienplan läßt zu wünschen übrig. 
ERLINER VORORTSBAUPLÄNE, Die Bodengesellschaft 
am neuen botanischen Garten muß den Raum für zwei Öffentliche 
Plätze frei hergeben. Der eine, 2,5 ar große Platz liegt am Eingänge zum bo 
tanischen Garten, der andere, a,6 ar große, 911 der Potsdamer Provinzial 
straße, deren Fluchtlinienplan gleichzeitig mit dem Bebauungspläne der Bo- 
dengesellschaft aufgestellt wird. Diese Straße erhält ohne Vorgärten eine 
Breite von 3a m. Die übrigen Straßen werden 18, 15 und 12 m breit. Zum 
Neubau der Brücke in der Moltkestraße und zum Umbau der Brücke an 
der Dahlemer Straße hat die Gesellschaft 75000 Mark Zuschuß zu leisten« 
Außerdem muß sie noch ein 5 ar großes Grundstück für Gemeindezwecke 
hergeben. Darin liegt ein gesunder Fortschritt» ln der schärferen Heranziehung 
der kapitalistischen Bau- und Bodengesellschaften zu den Kosten der allge 
meinen Einrichtungen neuer Gemeinden liegt ein gut Stück Städtebaureform.
	        
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