Path:
Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
106 
Die bebaute Fläche für Wohnhäuser ist also in beiden 
Plänen fast die gleiche, ein wenig höher sogar noch im 
neuen Plane, der besondere Wohnstraßen vorsieht. Nicht- 
destoweniger bleiben für öffentliche Gebäude und Plätze, 
Gärten und Höfe ungefähr 67 000 qm Fläche mehr übrig. 
Die Grundfläche für viergeschossige Bebauung ist zwar 
um rund 33200 qm kleiner geworden; dafür sind aber 
33 600 qm Grundfläche für eine niedrigere Bebauung ge 
wonnen. Werden im Durchschnitt für eine Feuerstelle 
35 qm gerechnet, so bot der alte Plan, wenn das Erd 
geschoß als Wohngeschoß mitgerechnet wird, rund 19660 
Feuerstellen, Nach dem neuen Plane ergeben sich da 
gegen 14920 Feuerstellen in viergeschossigen Häusern und 
1500 in kleineren Häusern, zusammen 16430; der Unter 
schied beträgt also 3200. Die Kosten für die Anlage 
der Straßen und zwar für 1 qm der Hauptstraßen und 
der öffentlichen Plätze zu io Kronen und für 1 qm der 
Nebenstraßen zu 5 Kronen angenommen, würden nach 
dem älteren Plane aber auch rund 2026000 Kronen 
ausgegeben werden, nach dem neueren nur 1 275 000, also 
750000 Kronen weniger. Auf eine Feuerstelle bezogen, 
im ersten Falle 103 Kronen, im zweiten Falle etwa 
73 Kronen. 
Durch diese soziale und wirtschaftliche Plangliederung 
wird außerdem erzielt, daß eine größere Anzahl von 
Häusern in die Nähe kleiner Gartenanlagen rückt, die Er 
satz bieten für größere Garten- und Platzanlagen, deren 
Anordnung nicht zur Aufgabe diese Planes gehörte. 
ANLAGE EINES LANDHAUSVIERTELS 
BEI HANNOVER. 
Von G. AENGENEYNDT, Hannover. 
Der Anbau von Einfamilienhäusern in Hannover war 
im Vergleiche zu anderen Städten bisher nur ein spärlicher. 
Das Miethaus, mit abgeschlossenen Wohnungen in jedem 
Geschoß, in Größe und Ausstattung den verschiedenen 
Bedürfnissen angepaßt, wurde weitaus bevorzugt. Erst in 
den letzten beiden Jahrzehnten machte sich der Anbau von 
Eigenhäusern im Stadtgebiete und in einigen benachbarten 
Vororten in wachsendem Umfange bemerkbar. Bei einer 
im Jahre 1894 vorgenommenen Umarbeitung der städtischen 
Bauordnung wurden in richtiger Erkenntnis der zunehmen 
den Beliebtheit der Einzelhäuser erleichternde Vorschriften 
für die Erbauung derartiger Häuser erlassen, und besondere 
Teile des Bebauungsplanes als sog. Landhausviertel fest 
gesetzt. Dabei wurden Landhausviertel mit Bauwich und 
solche ohne Bauwich unterschieden. Bei Bestimmung der 
für Landhausviertel festzusetzenden Flächen ist selbst 
verständlich auf passende Lage und Umgebung möglichste 
Rücksicht genommen. Namentlich sind die in der Nähe 
des Stadtwaldes „Eilenriede“ liegenden, für die Bebauung 
geeigneten Flächen zu Landhausvierteln bestimmt. — 
Das auf der Doppeltafel 63 und 64 dargestellte Land 
hausviertel ist auf einem Gelände angelegt, das sich mit 
Ausnahme der Provinzial-Blindenanstalt ganz im Eigentums 
der Stadtgemeinde befand. Es ist am Rande der Eilen 
riede anmutig gelegen und von der Stadtmitte nur etwa 
3 km entfernt. Eine vorzügliche Straßenbahnverbindung, 
mit einer für großen Verkehr zweckmäßig eingerichteten 
Haltestelle zwischen der städtischen Waldwirtschaft 
„Pferdeturm“ und einem Haupteingange zur Eilenriede, 
macht es von allen Seiten leicht erreichbar. Der Be 
bauungsplan für das Gelände vor der Blindenanstalt ist 
bereits im Jahre 1892 von dem Verfasser aufgestellt 
und mit einigen nicht wesentlichen Abänderungen für die 
Ausführung beibehalten. Dieses Gelände gehört zu den 
Landhausvierteln ohne Bauwich, mit der Einschränkung, 
daß längst der lebhaften Kirchröder Straße die Häuser mit 
drei vollen Geschossen, anstatt der sonst nur zulässigen zwei 
vollen Geschosse, erbaut werden dürfen. Das hinter der 
Blindenanstalt gelegene, nicht zur Eilenriede gehörende 
Waldgelände wurde im vergangenen Jahre auch zum 
Aufschluß für die Bebauung bestimmt und durch einen 
neuen Bebauungsplan an das vorerwähnte Gelände ange 
schlossen. Das Waldgelände soll in seinem ganzen Um 
fange mit Bauwich und in besonderer, durch Verkaufs 
bedingungen sicher gestellter Weiträumigkeit bebaut 
werden, um auch denjenigen Baulustigen, welche Wert auf 
einen großen Garten legen, passende Gelegenheit zur An 
siedlung zu geben. Die auf dem Plane dargestellte vor 
läufige Bauplatzeinteilung, die für die einzelnen Plätze 
nicht unter 1300 qm hinuntergeht, zeigt, daß diese Plätze 
nach Tiefe und Frontmaß viel reichlicher bemessen sind, 
als diejenigen in dem vorderen Teile. Auch sind die Bau 
platzpreise geringer angesetzt; sie sollen hier etwa 16 bis 
18 M. für das qm, frei von allen Straßen- und Kanalbau 
kosten, betragen, während ln dem vorderen Teile, ent 
sprechend der größeren Ausnutzung 23—28 M. für das qm 
bezahlt werden. 
Der Bebauungsplan zeigt eingangs des Geländes einen 
größeren Kirchplatz, auf dem inzwischen durch den 
Architekten E, Hillebrand die Petrikirche in gotischen 
Formen mit Sandstein-Fassaden erbaut worden ist. Die 
Stadtgemeinde hat nicht nur den Kirchplatz frei her 
gegeben, sondern auch noch einen erheblichen Beitrag zu 
den Baukosten geleistet, um eine monumentale Ausführung 
des Kirchenbaues zu erreichen. Die schön gestaltete Kirche 
bildet einen wirkungsvollen Abschluß der breiten Allee 
straße „Misburgerdamm“ und gibt mit den umgebenden 
Gartenanlagen dem Eingänge zum Landhausviertel ein 
sehr willkommnes vornehmes Gepräge. Der weiterhin 
am Treffpunkte der Scheide-mitder Kirchröder Straße — dem 
lebhaftesten Verkehrspunkte des anschließenden Vorortes 
Kleefeld angeordnete Kantplatz ist als zukünftiger 
Marktplatz gedacht; er ist vorläufig mit Gartenanlagen 
versehen, da zunächst ein Bedürfnis für einen Marktverkehr 
noch nicht vorliegt. 
Durch die dem Rande der Eilenriede folgende Kaul- 
bachstraße haben die beiden Viertel, außer der Zuwegung 
durch die Kirchröder Straße, noch eine namentlich für den 
Fußgängerverkehr bestimmte durchgehende Verbindung 
mit einander erhalten. Hinter der Blindenanstalt verläßt
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.