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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 2.1905 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Straßen- und Tiefbaues, sondern auch Architekten und 
Künstler sein sollen. 
Allein hierdurch ist es erklärlich, daß neue Straßen- 
und Platzbilder entstehen, die ohne jede Charakteristik 
sind, und Rathäuser und Schulen, die stark an Kasernen 
oder Fabriken erinnern und sich durch einen übermäßigen 
Auiwand von Giebeln, Türmchen, Erkern u. dgl. meist am 
falschen Platze nur von letzteren unterscheiden. 
Dem besprochenen Rathausplatze fügen wir noch 
2 Abbildungen des Brückentores aus gleicher Stadt an. 
(Siehe Tafel 59.) Seine Umgebung hat durch die ange 
fügten Neubauten auch schon etwas von dem früheren 
Reiz verloren; wenngleich das Giebelhäuschen auf der 
Innenseite die rechts an das Tor anschließenden Bauten 
glücklicherweise nicht so stark mitsprechen läßt, so ist es 
doch geboten, daß das ganze Bild nicht weiter verun 
staltet wird, 
Zwei Abbildungen eines Kapellchens aus Rhöndorf 
a. Rhein (auf Tafel 60), angesichts des Siebengebirges, an 
einer Wegekreuzung gelegen, mögen diese kurze Mittei 
lung beschließen. Es ist ein anspruchsloses, einfaches 
Bauwerk, wie man es in dieser Gegend häufig findet, be 
scheiden am Wege liegend und in landläufigem Material 
erbaut, spricht es im Verein mit seiner Umgebung so recht 
zu Herzen. Wie anders möchte es sich wohl ausnehmen, 
wenn es aus dieser Umgebung losgelöst auf einem freien 
Platze errichtet wäre oder wenn die jetzige Umgebung 
verschwände und es von Schablonenbauten benachbart 
würde, wie sie sich leider in diesem Ort auch schon 
allenthalben finden. Hoffen wir jedoch, daß man hier so 
wohl als anderwärts an leitender Stelle zeitig auf das vor 
handene Schöne achte und es nicht frivol vernichte; es 
kann vieles erhalten bleiben, wenn nur der gute Wille 
vorhanden ist. 
ABÄNDERUNG UND FORTFÜHRUNG DES BE 
BAUUNGSPLANES VON TRIEBES*)- 
Von A. STIEFELHAGEN, Gera (Reuß). 
Der zwischen den beiden Residenzstädten Gera und 
Schleiz im anmutigen Triebestal gelegene Ort Triebes 
hatte vor etwa 25 Jahren kaum 1500 Einwohner. 
Erst nach Erbauung der Eisenbahn Weida - Mehlteuer, 
die mitten durch den Ort Triebes führt, und nachdem die 
Geraer Jute-Spinnerei und Weberei eine Fabrik erbaute, 
in der jetzt rund 1800 Arbeiter lohnende Beschäftigung 
finden, vermehrte sich die Einwohnerzahl, so daß Triebes 
heute etwa 5000 Einwohner zählt. 
War schon die topographische Lage des Ortes und 
der Flur, da das Tal (an einigen Stellen kaum 70 m breit) 
sehr eng ist und die Berge steil ansteigen, für die Bebauung 
eine recht ungünstige, so wurde sie durch den Bau der 
Eisenbahn, die inmitten des Ortes die größte Fläche der 
ganzen Talsohle einnimmt und den Ort auch in 2 Hälften 
teilt, für Straßenanlagen nicht gebessert. Die beiden durch 
die Eisenbahn getrennten Ortsteile sind durch 4 Übergänge 
in Schienenhöhe miteinander verbunden, die nur mit großen 
Kosten durch Straßenüberführungen zu ersetzen wären, 
wozu der sächsische Eisenbahnflskus vorläufig auch nicht 
bereit ist. 
In der ersten Zeit des für Triebes bedeutsamen wirt 
schaftlichen Aufschwunges wurde dort planlos gebaut. 
Jede Straße mußte möglichst die kleinen vorderhand in 
Betracht kommenden Parzellen so teilen, daß ohne Rück 
sicht auf Straßensteigungen nur genügend Bauplätze heraus 
kamen. Nachdem die Ortsbehörde einsah, daß bei dieser 
Art der Ortserweiterung nur die Interessen des Grund 
stücksbesitzers, aber nicht das allgemeine Interesse be 
rücksichtigt werden konnte, wurde an Aufstellung eines 
Bebauungsplanes gedacht. Dieser wurde auch im Jahre 
1886 unter Mitwirkung des Bauausschusses, aber nur als 
*) Ein Beispiel, wozu der gedankenlose Schematismus im bergigen 
Gelände führt, und -wie auch unter schwierigen Verhältnissen noch nachträglich 
ein zweckmäßiger Bebauungsplan geschaffen werden kann. D, H. 
Lageplan, ohne jedes Nivellement aufgestellt, und zwar 
mit möglichst sich rechtwinklig schneidenden Fluchtlinien. 
Daß hierdurch zu große Steigungen, oder sehr hohe At- 
und Aufträge entstanden, kam nicht in Frage. Man war 
zufrieden, so einen billigen und für die Abschneidung von 
Bauplätzen praktischen Bebauungsplan zu haben. 
Nach diesem Plane ist die stärkste Steigung in den aus 
gebauten Straßen einmal 1 : 5,2, viermal 1:6 bis 1 :6,2, je 
einmal 1; 7,5, 8, 5, 9,5 und 11,1, zweimal 1 : 12 und diese sind 
wegen der bereits ausgeführten Bebauung vorläufig als un 
abänderlich zu betrachten. Außer diesen sehr starken 
Steigungen zeigen aber die Profile der Straßen auch wag 
rechte Strecken, wie auch solche mit Gegengefälle. Alle 
übrigen Straßenpläne sind glücklicherweise noch nicht zur 
Ausführung gekommen; wenn sich auch die Grundstücks 
spekulation bereits darauf eingerichtet hatte. 
Von den nicht zum Ausbau gelangten Straßen wären 
die meisten nur mit Treppenanlagen oder mit Ab- und 
Aufträgen von 5 bis 10 m Höhe ausführbar. Eine Straße 
z. B. liegt in einer Geländesteigung von 1 :3,5. Die 
Ortsteile Lerchenhügel, Leidenflur, Kühbergsflur, Grenze 
mit Forstrevier Neuärgerniß, Sandberg und Bodenäcker 
sind von der Talsohle aus mit beladenem Wagen kaum 
zu erreichen. Die Zufuhrstraßen haben alle eine Mindest- 
steigung von 1 :6,5. Für die Entwicklung und praktische 
Anlage des Ortes ist man heute also nicht besser daran, 
als wenn, wie früher, planlos weiter gebaut worden wäre; 
vielleicht noch schlechter, denn dann wäre doch noch ein 
mal durch Zufall eine fahrbare Straße entstanden. 
Nach diesen für die Ortsbehörde und Einwohner gleich 
schmerzlichen Erfahrungen wurde im Jahre 1902 be 
schlossen, einen neuen Bebauungsplan, aber mit Höhen 
plan, fertigen zu lassen, und wurde dem Verfasser, der 
bereits unter Leitung des Professor Th. Goecke ähnliche 
Aufgaben bearbeitet hatte, der Auftrag hierzu erteilt. Die 
vorhandenen Flurkarten im Maßstab 1 :2500 wären wol
	        
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