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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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liehen Königin Luise, der Fürsprecherin in der Zeit schwerster 
Napoleonischer Bedrängnis gestiftet wurde. Beiläufig be 
merkt, wurde dieses Denkmal allein von einer Anzahl Magde 
burger Frauen inGemeinschaft mit dem damaligen Ausstel- 
lungs-Ausschüsse errichtet. Entwurf und Ausführung ent 
stammen der Meisterhand des Bildhauers Johannes Goetz 
in Charlottenburg. Als Standort wurde ein Platz inmitten der 
Anlagen vor dem südlichenund Haupteingange zumParke von 
der Königstraße her gewählt. Die Enthüllung des überaus 
vornehm wirkenden, der Eigenart der Königin Luise ganz vor 
trefflich entsprechenden Denkmals fand am 18. Juni 1901 statt. 
Der ursprünglich zur vollen Bebauung bestimmte Block, 
der zu dem Zwecke noch der Aufteilung durch eine Straße 
bedurft hätte, ist nunmehr nur mit einer Randbebauung 
versehen, derart daß für den im Innern verbleibenden, als 
Park ausgenutzten Kern immer noch die ansehnliche Fläche 
von rund 21 500 qm, also etwa 8V2 Morgen vorhanden ist 
Unter Berücksichtigung aller Verhältnisse des Geländes 
konnte für den Block des Königin Luise-Gartens nur die 
hier gewählte Anordnung in Frage kommen, wonach der 
in der Mitte anzulegende Park allseitig von Villengrund- 
stücken umschlossen wurde. Eine geschlossene Be 
bauung oder eine solche freiere mit Anwendung des Bau 
wichs zwischen den einzelnen Gebäuden würde den Ge 
samtcharakter gestört haben. Für den Naturpark mit seiner 
malerisch belebten Anordnung und Abwechslung von Hügel 
und Tal würde nur die gegliederte Gebäudeanlage gepaßt 
haben, eine Einfassung mit freistehenden, von Gärten um 
gebenen Häusern landhausmäßiger Erscheinung. Der Kranz 
von freundlichen Villen oben auf der Höhe wächst auf diese 
Weise mit dem zwischen grünen Abhängen sich öffnenden 
Tale zu einem überaus reizvollen Bilde zusammen. 
Es mag darauf verwiesen werden, daß ein ähnliches 
Motiv der bekannte Park von Monceaux inmitten von Paris 
zeigt. Nur daß hier die städtischen Gebäude, übrigens in 
geschlossener Bauweise, nicht auf allen Seiten den wunder 
schönen und mit prächtigen alten Bäumen bestandenen 
Park umschließen, der vielmehr nach einer Längsseite des 
unregelmäßig gestalteten, etwa fünfseitigen Baublocks von 
dem Boulevard de Courcelles begrenzt wird. Die jo—13 m 
tiefen Hintergärten der vornehmen, rückwärtigen Haus 
fronten der Rue Murillo, des Boulevard Malesherbes usw. 
schließen sich unmittelbar an den Park an, von dem sie 
mit zumeist nur wenig auffallenden und niedrigen eisernen 
Umfriedigungen abgetrennt, übrigens auch durch kleine 
Schlupf-Pforten zugänglich gemacht sind.*) 
In derselben Weise ist am Königin Luise-Garten in 
Magdeburg jedem Villenbesitzer der Zugang unmittelbar 
*) Der Patk von Monceaux wird übrigens von 2 breiteren Straßen, 
den Avenues van Dyck und Velasquez nach der Längs- und von einer 
schmaleren Avenue Ruysdael nach der Queraxe durchschnitten, die an 
der Einmündung durch Portale abgeschlossen sind. Im ganzen sind deren 
5 vorhanden. 
zu seinem Grundstücke gestattet, wofür die Stadt eine ge 
ringe Anerkennungsgebühr erhebt und sich die Genehmigung 
von Fall zu Fall Vorbehalten hat. In beiden Beispielen ist 
auf die Parknachbarschaft mit der Bebauung von vornherein 
Rücksicht genommen; das gleiche ist beiläufig auch bei 
einem dritten, nämlich dem Blasewitzer Waldpark bei 
Dresden in offener Anordnung geschehen. 
Überraschend schnell vollzog sich die Bebauung, zu 
mal auf denjenigen Grundstücken, die unter Hinzunahme 
des alten Glacisgeländes noch Reste des ehemaligen Baum 
bestandes aufzuweisen hatten. Schon binnen wenigen Jahren 
waren sämtlichen Baustellen in festen Händen, mit einziger 
Ausnahme eines Eckgrundstücks an der Ecke der König- 
und Richard Wagner-Straße, wofür sich bisher ein Lieb 
haber noch nicht gefunden hat, wohl hauptsächlich wegen 
des an der Königstraße teuereren Grund und Bodens unter 
sonst nicht gerade günstigen Verhältnissen für eine Villen- 
stelle! Aber auch für dieses Eckgrundstück ist, wie der 
Lageplan erkennen läßt, auf eine Verbindung mit dem Block- 
Inneren, d. h. dem Königin Luise-Garten Bedacht genommen, 
die bei keiner einzigen Villa ringsherum fehlt. Die Stadt 
verwaltung hat sich selbstverständlich beim Verkauf der 
Baustellen die Genehmigung der Fassadengestaltungen, auch 
der Umfriedigungen, insbesondere derjenigen nach dem 
Parke hin Vorbehalten, so daß eine den Gesamteindruck 
schädigende oder minderwertige Gebäudeanlage als ausge 
schlossen zu erachten ist. 
Von einer Abschließung des Parks gegen die Straßen, 
wie für Park Monceaux in Paris geschehen, ist bisher ab 
gesehen worden; das Innere des Blocks bleibt also zu jeder 
Tages- und Nachtzeit für das Publikum zugänglich. Daß 
damit auf den Besuch zweifelhafter Elemente, namentlich 
in der ersten Zeit gerechnet werden konnte, war voraus 
zusehen! Nachdem eine ausreichende Beleuchtung und 
polizeiliche Überwachung eingerichtet ist, haben sich Übel 
stände nicht weiter ergeben. Es sind drei Zugänge vor 
handen an der König-, Richard Wagner-Straße und am 
Kaiser Otto-Ring, so daß es auch dem eiligen Fußgänger 
möglich erscheint, den ganzen Park zwecks Abkürzung 
seines Weges zu durchqueren. Die beigegebene Vogel 
schau-Ansicht gewährt von einem, der früheren Bastion 
spitze gegenüberliegenden, idealen Standpunkte aus einen 
sonst nicht gut möglichen Gesamtüberblick. 
Eine zweite öffentliche Parkanlage hat sich übrigens 
die Stadt Magdeburg in demselben Gelände der Nordfront 
in der unmittelbaren Nachbarschaft und im Anschlüsse an die 
Umgebung der imposanten Königsbrücke geleistet. Auch 
bei dieser durch landschaftliche Schönheit, insbesondere mit 
herrlichem Blick auf Elbe und Altstadt ausgezeichneten Lage 
ist die Schwierigkeit des ehemaligen Festungsgeländes mit 
ebenso bemerkenswertem gartenkünstlerischem Geschick 
überwunden worden, so daß es sich verlohnen dürfte, dem 
nächst in einem besonderen Aufsatze darüber zu berichten. 
DEUTSCHE STÄDTE- 
(Fortsetzung aus Heft 1) 
RÜCKBLICKE AUF DIE 
AUSSTELLUNG IN DRESDEN 
Von Theodor Goecke, Berlin. 
sondern auch die nachträgliche Einfügung neuer Bauwerke 
in die bereits vorhandene Bauordnung hat bemerkenswerte 
Lösungen zur Bereicherung und Verschönerung des Städte- 
Doch nicht allein die Rücksicht auf alte Bauwerke bei 
Verkehrsverbesserungen und die Vorsorge im Stadt-Er- 
weiterungsplan Bauplätze für Öffentliche Gebäude zu schaffen,
	        
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