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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

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DER STÄDTEBAU 
Abb. 4. 
Abb. 5. 
Der Brunnen im Schlosse zu Kalmar in Schweden, 
von 1581, erscheint als achtseitiger Säulentempel. 
In vielen deutschen Städten finden sich Brunnen aus 
der Renaissanceperiode auf dem Rathausplatze; Börsch 
i. El. von 1617 mit einer Säulenstellung; Oberehnheim 
von 1579, einen Baldachin als sternförmiges Rippengewölbe 
auf drei korinthischen Säulen zeigend; drei Brunnen in 
Buchsweiler aus dem 17. Jahrhundert, der Löwenbrunnen, 
der Rosenbrunnen mit dem Bären und ein Becken im 
Schloßteiche mit mythologischen Reliefs, Der Ziehbrunnen 
von 1610 in Kolmar, jetzt im Museum, hat über der runden 
Kufe einen Aufbau von zwei korinthischen Säulen, zu 
beiden Seiten desselben Putten, in der Mitte über einem 
Bogen die Gestalt der Fortuna. Der St. Theobaldsbrunnen 
in Thann, in einer Straße gelegen, zeigt im Becken eine 
Säule mit der Figur des Heiligen. 
Budweis in Böhmen hat einen Brunnen inmitten des 
von Lauben umgebenen Marktplatzes. Der sogen, singende 
Brunnen im Hofgarten zu Prag ist 1554 durch Jarosch in 
Erz gegossen, das Figürliche nach Modellen von Kriz. 
(Abbildung 3. Prag, Der singende Brunnen.) An den mitt 
leren Aufbau lehnen sich Figuren mit offenem Munde, zwei 
Stützfiguren und zwei Pane, welche letzteren Rehe auf den 
Schultern tragen, darüber folgt eine Schale, in der ein 
blasender Knabe steht. Die Brunnennische, ebenfalls im Hof 
garten daselbst, zeigt zwei Schalen übereinander, über der 
oberen Herkules den Cerberus bekämpfend. Der Brunnen 
in der Hofburg daselbst bildet ein auf Stufen erhöhtes 
Becken, aus dem ein Aufbau mit zwei Schalen emporsteigt; 
unten am Stamme sind Atlanten gebildet, oben Najaden, als 
Bekrönung dienen Löwen, die das Reichswappen halten. 
Im Rathaushofe zu Nürnberg befindet sich der 1557 von 
Panc. Labenwolf herrührende Brunnen: über einer Schale 
auf runden steinernem Unterbau erhebt sich eine hohe 
dorische Säule in Erzguß, welche von Wasserdrachen um 
geben und von einer Knabenfigur bekrönt wird. Ein 
Werk desselben Meisters, die Brunnenfigur des Gänse 
männchens hinter der Frauenkirche in Nürnberg, eine der 
seltenen Darstellungen aus dem Volksleben, gibt einen 
Bauer wieder, der zwei wasserspeiende Gänse unter den 
Armen trägt. (Abbildung 4. Nürnberg, Gänsemännchen.) 
Die Figur steht auf einer Säule in einem Becken, das von 
einem Eisengitter umgeben ist. Benedikt Wurzelbauers 
sogen. Jugendbrunnen neben St. Lorenz in Nürnberg, von 
1589, hat ein großes Becken von Stein und in demselben 
eine in zwei Absätzen gegliederte Bronzesäule; unten an 
derselben zeigen sich Masken-, Engel- und Löwenköpfe 
zwischen Festons, dann Pferdeschädel, Fruchtgehänge und 
Masken, zwischen denen drei Täfelchen angebracht sind. 
Vor diesen stehen sechs Gestalten der Tugenden, darüber 
sechs Trompete blasende und Wappenschilder haltende 
Knaben. Aus den Masken, den Brüsten der Tugenden und 
den Trompeten der Knaben fließen Wasserstrahlen. Auf 
der Säule steht die Gestalt der Gerechtigkeit neben einem 
Kranich. 
Der sogen. Judenbrunnen auf dem Marktplatze in 
Mainz, von 1526, ist ein dreiseitig überbauter Ziehbrunnen, 
dessen Gebälk auf Pfeilern ruht. In der Krönung zeigen 
sich Delphine und Sirenen, in deren Mitte ein Pfeiler mit 
Nischen und Bischofsgestalten aufsteigt; das Ganze krönt 
die Statue der heil. Jungfrau; und die Ornamente an den 
Pfeilern beziehen sich auf Jagd, Landwirtschaft und Krieg. 
Nürnberg. Gänsemännchen. 
Rothenburg a. d. T. Herterich.
	        
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