Path:
Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
148 
Abb. i. 
Braunschweig. Brunnen auf dem Altstädter Marke. 
dagegen die Wirkung des Nürnberger Brunnens auf das 
Straßenbild. Derselbe ist 1385 bis 96 von Heinrich dem 
Parlirer errichtet und erhebt sich in der Nähe der Frauen 
kirche, den Straßenzug unterbrechend, als reicher turm 
artiger Aufbau inmitten eines Beckens. Unten stehen die 
Statuen der sieben Kurfürsten, dann folgen die neun Helden 
und vor denPfeilern des Mittelgeschosses achtPropheten des 
Alten Testaments. Die abschließende Pyramide wird von der 
Figur einer Nixe bekrönt; außerdem sind Köpfe als Kon 
solen und Tiergestalten als Wasserspeier angebracht. Der 
Marktbrunnen in Goslar stammt im wesentlichen noch aus 
dem 13, Jahrhundert; der Brunnen auf dem Markte der 
Altstadt in Braunschweig von 1408 hebt sich wirkungsvoll 
von dem Hintergründe des Rathauses und der Martinikirche 
ab. (Abb. 1.) Ein flach liegendes steinernes Becken, in 
dessen Mitte ein starker Rundpfeiler drei mit Figuren ge 
schmückte, in Blei gegossene, übereinander gestellte Becken 
trägt; über der oberen Schale erhebt sich ein zierlich durch 
brochener Tabernakel mit Spitze. Ein Brunnen auf dem 
Hradschin in Prag, 1373 von Martin und Georg von Clussen- 
bach gegossen, zeigt die Figur St. Georgs als Drachentöter. 
St. Wolfgang am Obersee im Salzkammergut besitzt einen in 
Bronze gegossenen Brunnen von 1500 neben der Kloster 
kirche mit burlesken Gestalten unter einem Baldachine. 
Der sogenannte Fischkasten neben dem Rathause in Ulm, 
1482 von Jörg Syrlin dem Älteren herrührend, zeigt ein 
polygonales Becken, aus dem ein turmartiger Aufbau, ähn 
lich dem des Nürnberger Brunnens, aufsteigt; an demselben 
stehen drei jugendliche Ritterfiguren. Die Brunnen in 
Hall a. Kocher und in Urach, etwa von 1481, angeblich 
von Meister Christoph von Urach gefertigt, sind beide mit 
einer mittleren, Figuren tragenden Spitzsäule versehen. 
Die Brunnenhäuser der Klöster aus der gotischen 
Periode sind meist verglast und büßen damit merklich an 
malerischen Reiz ein; im 15. Jahrhundert verzichtete man 
ganz auf ihre Anlage. Ein Brunnen im Kloster Maul 
bronn, aus dem 14. Jahrhundert, zeigt drei Schalen über 
einander. Der überbaute Weihbrunnen im Dome zu Regens 
burg, ein Werk M. Roritzers, wird von einer Gruppe, 
Christus und die Samariterin darstellend, bekrönt. Die 
Sakristei im Kloster Lüne bei Lüneburg enthält einen 
Brunnen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts; ein 
in Bronze getriebenes Becken trägt ein rundes metallenes 
Tempelchen mit Tiergestalten und Röhren, aus denen das 
Wasser strömt. 
Die Brunnenhalle im Heidelberger Schloßhofe zeigt 
Spitzbogenarkaden auf monolithen Säulenschäften, die von 
der Pfalz in Ingelheim stammen sollen. Der Brunnen auf 
dem Fischmarkte in Schwäbisch-Hall von 1509 bildet eine 
große viereckige Kufe mit steinerner Rückwand, in der 
sich drei Nischen mit Figurengruppen befinden, in der 
Mitte St. Georg mit dem wasserspeienden Drachen, in den 
Seitennischen wieder Figuren und wasserspeiende Tiere. 
Die Brunnenwand stößt einerseits an eine Häuserflucht. 
Kuttenberg in Böhmen hat ein großes, auf einem Platze 
liegendes Brunnenhaus. Der Brunnen auf dem Fischmarkte 
in Basel, von Jakob Sarbach um 1467, besitzt ein polygo 
nales Becken in Stein und in der Mitte desselben einen 
starken Rundpfeiler, der einen tabernakelartigen Aufbau 
mit biblischen Figuren trägt; die Spitze der iLndfiale wird 
von einem Engel bekrönt. 
Eine größere Bedeutung für die künstlerische Ausge 
staltung des Straßenbildes gewinnen erst die reizvollen 
Brunnenwerke der Renaissanceperiode, an deren Her 
stellung öfter Künstler ersten Ranges beteiligt sind; be 
sonders beachtenswert sind die aus der Spätzeit des Stils 
stammenden Schöpfungen. Die figürliche Plastik drängt 
sich in den Vordergrund, die Stellung der Brunnen ist meist 
so gewählt, daß sie als selbständige Kunstwerke zur Gel 
tung kommen und zu den umgebenden Gebäuden der 
Plätze und Straßen in ein fein abgewogenes Größenver 
hältnis treten. 
Brunellesco hat, allerdings für Innenräume, den Brunnen 
in der Badia bei Fiesoie und den neben der Sakristei von 
S. Lorenzo in Florenz, letzteren um 1425, geschaffen. Von 
Dom. di Auria und Giov, de Nola rührt ein glücklich ge 
dachter Brunnen in der Villa nazionale zu Neapel her; 
er ist mit einem Triumphbogen überbaut, an dessen ge 
schlossenen Seitenteilen Karyatiden stehen; die Arkade 
wird durch eine auf Delphinen ruhende Schale ausgefüllt. 
Im Garten des Palazzo Pitti in Florenz befindet sich in 
einer Grotte ein Brunnen von Bandinelli und am Rande 
eines Teichs die Figur eines Mannes, der Wasser aus 
einem Fasse auslaufen läßt. Die Fontaine über dem Hofe 
des Palazzo Pitti von Susini zeigt eine gelungene Gesamt 
komposition. Der Neptunsbrunnen auf Piazza della Sig- 
noria in Florenz von Ammenati zeigt sitzende Figuren auf 
dem Rande des niedrigen Beckens, den mittleren Aufbau 
von Seepferden umgeben und darüber die Kolossalflgur 
Neptuns. 
Einen wahren Triumph feiert die Brunnenplastik in 
den großartig dekorativen, für alle Zeiten mustergültigen
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.