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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

137 
1904 
9. Heft 
1.Jahrgang 
DER STÄDTEBAU 
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FÜR- DiE- KÜNSTLERISCHE-flUjGESrAb 
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sozialen- Grundsätzen; geqründet-von 
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EgJ VERLAG^ ERN\T WASHUTH, BERLIN.! 
INHALTSVERZEICHNIS: Stadtbauplan, Enteignung und Umlegung. Von Dr. ing. J. Stubben, Berlin. — Architekt oder Landmesser? (Schluß.) Von 
Alfred Abendroth, Hannover. — Fluchtlinienplan für das Bahnhofsgelände in Wiesbaden. Von Bornhofen, Wiesbaden. — Schöne Brunnen. Von Joseph 
Aug. Lux, Wien. — Stadterweiterung der Stadt Helsingfors in Finnland. Von Valter Thom«£, Helsingfors. — Die Sammlung von deutschen Stadtplänen 
auf der Dresdener Städteausstellung. Von C. Sitte, Wien. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
STADTBAUPLAN, ENTEIGNUNG UND UM 
LEGUNG. 
Von DR. ING. J. STÜBBEN, Berlin. 
In den Heften i, 2 und 3 dieser Zeitschrift findet sich 
ein vom verstorbenen C. Sitte verfaßter Aufsatz mit der 
Überschrift „Enteignungsgesetz und Lageplan“, in welchem 
der größeren Berücksichtigung der Eigentumsverhältnisse 
bei Aufstellung von Bebauungsplänen das Wort geredet 
und ein allgemein gültiges Enteignungsgesetz als für den 
Städtebau entbehrlich dargestellt wird. Ersteres ist zweifel 
los richtig, letzteres ein Irrtum. 
In den Abbildungen auf Tafel 65 u. 66 sind zwei Beispiele 
mitgeteilt, welche zeigen, wie der Bebauungsplan durch 
engeren Anschluß an die Eigentumsgrenzen leichter aus 
führbar wird und zugleich an Reichhaltigkeit und Eigenartig 
keit gewinnen kann. Beide Abänderungsentwürfe wurden 
vom Unterzeichneten im vorigen Jahre aufgestellt, der 
jenige für Oberlahnstein im Aufträge der Stadt, der für 
Ravensburg im Aufträge eines gemeinnützigen Bau 
vereins. In beiden Fällen sind die Stadtverwaltungen auf 
die Anregungen eingegangsn. 
Sitte hat in dem erwähnten Aufsatze versucht, im 
gleichen Sinne an ausgeführte Bebauungspläne, die vor etwa 
25 Jahren entworfen und in einer Denkschrift des Ver 
bandes D. A. u. I. V. von 1897 als Unterlage für die Be 
sprechung von Umlegungen skizzenhaft vorgeführt sind, 
vorbildliche Verbesserungsvorschläge zu knüpfen. Auf 
S. 33 der genannten Denkschrift heißt es; „Mögen auch in 
den mitgeteilten Beispielen die Fluchtlinienpläne selbst 
verbesserungsfähig sein, so dürfte aus denselben doch das 
Wesen und der Nutzen der Umlegung zweifellos hervor 
gehen“. Indem Sitte, obschon unter gewissen Vorbehalten, 
solche Verbesserungsvorschläge akademischer Art vor 
legte, begab er sich in die Gefahr dessen, der an die 
Lösung einer Stadtbauplanfrage herantritt, ohne die ört 
lichen Vorbedingungen zu kennen. So ist es erklärlich, 
daß seine Vorschläge für Hannover und Köln zwar gut 
gemeint sind, aber von vornherein unausführbar gewesen 
wären. In Köln unterdrückt er (vergl. Abb. B auf 
Tafel 1 — siehe Heft 1 — und im Textbilde auf S. 128) die 
Bismarckstraße, weil ihm nicht gegenwärtig war, daß 
diese Straße eine von Ursprung an für den Straßenbahn 
verkehr bestimmte Hauptverbindung von zwei Stadttoren 
(dem Mastrichter und dem Venloer Tore) nach der nörd 
lichen Hälfte der großen Ringstraße ist. Wären nicht 
Verkehrsgründe maßgebend, so würde mancher Bebau 
ungsplan ganz anders aussehen. Dabei soll gar nicht ge 
leugnet werden, daß der Unterzeichnete den in Rede 
stehenden Ausschnitt des Kölner Stadtbauplans heute ver 
mutlich nicht ganz so gestalten würde, wie es vor einem 
Vierteljahrhundert geschehen ist; denn, so pflegte einer 
meiner Lehrer drastisch zu sagen, nur ganz alte Esel 
lernen nichts mehr zu. Aber der Sittesche Verbesserungs 
vorschlag ist für Ortskundige unannehmbar. 
Im allgemeinen aber muß jeder, der auch nur wenige 
Erfahrungen im Städtebau gesammelt hat, Sittes Mahnung 
bestätigen, daß noch immer viel zu geometrisch in den
	        
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