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Volume H. 8 Werbung

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 1.1904 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
das Brandunglück Überwiegend di« kleineren und neueren Städte getroffen 
hat, so liegt dies daran, daß sie des bequemeren Handels wegen am 
offenen Meer, zwischen Strand und Fels mit nahe aneinander liegenden 
Straßen erbaut sind. Die Rücksicht auf die leichtere Erwärmung spielt 
dabei eine Rolle, denn trotz des Golfstroms ist der Winter furchtbar kalt; 
aus dem gleichen Grund wird, abgesehen von den geringeren Kosten, der 
Holzbau bevorzugt. Steht nun auf eine solche Küstenstadt ein scharfer 
Sturm, dann kann ein brennendes Haus die Stadt binnen einer halben 
Stunde in ein Flammenmeer verwandeln, 
I N DÜSSELDORF hat sich eine durchgreifende ABÄNDERUNG 
DES BEBAUUNGSPLANES für das gesamte Gelände zwischen 
der Himmelgeister Straße, dem Stoffeier Damme und der Fruchtstraße als 
notwendig erwiesen mit Rücksicht auf das im Bau begriffene Krankenhaus 
und die an der Werstener Straße geplante Kirche, die nach dem alten 
Plane im Laufe der Zeit völlig zugebaut worden wäre. Nach dem ab 
geänderten Plane ist die Kirche auf drei Seiten frei und auf der vierten 
angebaut. Es ist auf dieser Seite eine schmale Straße vorgesehen, an 
welcher die- Wohnungen der Geistlichen und andere Dienstgebäude er 
richtet werden sollen. Auf das neue Krankenhaus erschien es angebracht 
eine große Verkehrsstraße von Oberbilk aus zuzuführen. Sie soll mit 
Promenaden in wechselnder Breite geschmückt werden, wie solche auch 
bei verschiedenen anderen Straßen geplant sind. Im übrigen ist beim 
Entwerfen der Straßenzüge, soweit angängig, immer auf die vorhandenen 
Wege Rücksicht genommen worden, um Enteignungen möglichst zu ver 
meiden. 
Die Breite der Hauptstraßen wechselt zwischen 20—32 m. Die üb 
rigen Straßen, die einen geringeren Verkehr aufzunehmen haben, sollen 
eine solche von 15 m erhalten, während für die reinen „Wohnstraßen“ 
eine Breite von 10 m geplant ist. Bei letzteren ist durchweg die An 
lage von Vorgärten vorgesehen, die nur auf der Nordseite in Wegfall 
kommen. A. W. 
r?VR ERLANGUNG VON BAUPLÄNEN FÜR DIE STADT 
^ BAUTZEN, die den Ansprüchen der Stadt genügen, ohne den 
eigentlichen Baucharakter der Stadt zu beeinträchtigen, wird vom Stadtrat 
ein Wettbewerb unter den deutschen Architekten ausgeschrieben. Der 
Wettbewerb soll sich auf Schauseiten oder auch Teile von solchen er 
strecken wie Ladeneinbauten, Erker, Ladenschilder, Essenköpfen usw. Die 
Frist läuft am $1, Oktober d, J. ab. Zu den Preisrichtern gehören u. a. 
Geh. Rat Dr. Gurlitt und Prof. Schuhmacher-Dresden. Es sind 3 Preise 
von 1200, 900 und 600 Mark ausgesetzt. 
IE QUADRATSTADT MANNHEIM. Gegen das Vorurteil, 
das in dieser schon stehend gewordenen Bezeichnung liegt, und das 
insofern unbegründet ist, als es sich auch gegen die neueren Stadtteile 
Mannheims richtet, wendet sich eine ausführliche Zuschrift des Mann 
heimer Oberbürgermeisters Beck, die dem Verfasser dieses auf seine 
Anfrage zu teil wurde. Das Schreiben ist in sofern interessant, als 
es nicht nur die neueren Stadtteile Mannheims gegen den Vorwurf 
des Eintönigen usw. in Schutz nimmt, sondern auch einige Gründe zu 
gunsten der alten Quadratanlage ins Treffen führt. „Die Beantwortung 
Ihrer gefälligen Anfrage könnte ich mir leicht machen“, schreibt Herr 
Oberbürgermeister Beck, „indem ich Sie auf Goethes ,Hermann und 
Dorothea* verweisen würde. Die Anlage Alt-Mannheims, welche vielen 
Leuten so tödlich monoton erscheint, hat Goethes aesthetisches Empfinden 
in hohem Grade befriedigt, und das mit gutem Grund (die betr. Stelle 
lautet: „Und das freundliche Mannheim, das gleich und heiter gebaut 
ist.“ Der Verf.). Der Erbauer Mannheims hat die Stadt keineswegs aus 
Erfindungsarmut so strickt geradlinig gebaut, sondern er hat damit neben 
dem praktischen Gesichtspunkte der Durchlüftung der in der heißen Rhein 
ebene gelegenen Stadt ein feines Verständnis für die Verbindung der 
Stadt mit der Natur bekundet. Die Straßen sind nämlich so gerichtet, 
daß im Norden und Osten die Berge des Odenwaldes bezw. der Berg 
straße, im Süden die Bäume des Schloßgartens hereinsehen; im Westen 
gelangt man an den Rhein. Bei winkeliger Bauart der Stadt wäre diese 
Beziehung zur umgebenden Natur verloren gegangen. Im ig. Jahrhundert 
ist aber das aesthetische Empfinden bekanntlich stark verkümmert, und 
die Menschen sehen in dem „quadratischen Mannheim“ das Spiegelbild 
ihrer eigenen Nüchternheit. 
Wer aber vom heutigen Mannheim als der „Quadratstadt“, dem 
geradlinigen, monotonen, literierten etc. spricht, der beweist damit nur, 
daß er das moderne Mannheim nicht kennt. Denn in den Quadraten, 
d. h. innerhalb der Ringe, wohnen von den 146000 Einwohnern nur 
55 000, Die Aufgaben der Neuzeit liegen jenseits des Ringes, wo demnach 
schon jetzt ? / 3 aller Mannheimer wohnen. Von diesen Außenstadtteilen 
sind einige Fabrikviertel, welche wenig Charakteristisches aufweisen, eben 
sowenig als sie das in Paris oder München oder sonstwo tun. Das 
„bessere“ Wohnviertel dagegen, die sog. Östliche Stadtcrwcitcrung, ist 
schon jetzt ein Stadtteil, der sich nach dem Zeugnis aller, die sie gesehen 
haben, den vornehmsten Schöpfungen des modernen Städtebaues ruhig an 
die Seite stellen kann. Insonderheit ist der von Bruno Schmitz entworfene 
Friedrichsplatz mit der Festhalle, wie man schon während der Bebauung 
erkennt, ein vielleicht ohne Gleichen dastehendes architektonisches Meister 
stück. ..... So schmerzlich es daher auch sein mag, ein liebgewon 
nenes Vorurteil fallen zu lassen, die Fabel vom monotonen Mannheim ist 
nicht zu halten. Die alte Quadratstadt war eine sehr feinsinnige Anlage; 
daß Mannheim einst darüber hinaus wachsen würde, konnte ihr Erfinder 
nicht ahnen. Er würde sich wohl damit getröstet haben, daß für die 
neuen Aufgaben neue Meister erstehen werden, — wie es ja auch ge 
kommen ist.“ — 
Soweit Herr Oberbürgermeister Beck, dessen Ausführungen eine Be 
achtung wohl verdienen, wenn man sich im übrigen auch kaum seiner 
hohen Schätzung besonders des Friedrichsplatzes allgemein anschließen wird. 
Die imposanten, geschlossenen Platzwandungen mit ihren wirkungsvollen 
Arkaden machen diese Anlage zwar im großen und ganzen zu einem effekt 
vollen Stück, dagegen steht die Stilsprache der an den Platz stoßenden 
Gebäude doch noch zu sehr im Zeichen der Nachahmung, um als gute, 
moderne Lösung bestehen zu können. 
NGLISCHE ARBEITERWERKSTÄTTEN, ihre Geschichte 
und technische Entwicklung, mit Benutzung eines Teües des vom 
Regierungs- und Gewerbeschulrat Dr, Ing. Muthesius gesammelten Materials 
von Regierungsbauführer Walter Schweß in der Zeitschrift für Bauwesen 
1904, Heft I bis HI. Es werden behandelt die englische Gesetzgebung, 
die Tätigkeit auf Grund der Wohngesetze, die verschiedenen Arten der 
Arbeiterwohnungen mit Beispielen, an denen für den Städtebau namentlich 
die Sanierungspläne einzelner Stadtteile von London (darunter der von 
C. Sitte in seiner Abhandlung „Enteignungsgesetz und Lageplan“ mit 
geteilte), Manchester, sowie der Bebauungsplan für das Fabrikdorf Port 
Sunlight von Interesse sind. 
US Anlaß der VERLEGUNG DES BAHNHOFES AACHEN 
TEMPLERBEND in das Süsterfeld sind Bebauungspläne für den 
Königshügel und das Gelände des Templerbend-Bahnhofes nebst Sonder 
plänen für die Fortführung der Promenade vom Ponttor über die Turm- 
und Junkerstraße bis zum Jakobstor aufgestellt worden. Die Wichtigkeit 
dieser Pläne für die zweckmäßige Ausnutzung und Aufschließung des Ge 
ländes hat die Stadtverordneten-Versammlung veranlaßt, einen besonderen 
Prüfungsausschuß einzusetzen, der außer dem Stadtbaurate für Tiefbau 
von Mantitgny auch aus dem Stadtbaurate für Hochbau (sehr zu begrüßen!) 
und dem Stadtgartendirektor Weßberge, dazu Herrn Ober- und Geheimen 
Baurat Dr. Ing. Stübben und Herrn Professor Pützer-Darmstadt bestehen 
soll. Es hätte nahe gelegen, dazu in erster Linie den ortsansässigen 
Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Ing. Henrici zu berufen. 
I m Anschluß an den neuen Rheinhafen Krefeld-Linn beabsichtigt die 
Stadtgemeinde KREFELD den Bebauungsplan einer neu zu schaffen 
den Hafenstadt festzustellen, deren Kern der alte kurkölnische Markt 
flecken Linn sein soll. Ein interessanter Entwurf ist vom städtischen 
Bauamt aufgestellt worden. Die Herren Geh. Oberbaurat Prof. K. Hofmann 
in Dannstadt und Ober- und Geh. Baurat Dr. Ing. J. Stübben in Posen 
sind von der Stadtverwaltung damit beauftragt worden, diesen Entwurf 
au begutachten und soweit nötig abzuändem. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Otto Dom, Gr .-Lichterfelde - Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin W., Markgrafenstrasse 35. 
Inseratenannahme C, Behling, Berlin W.66. — Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin W. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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